Eggestein und Groß ergänzen sich gut

Eine neue Option für das Mittelfeld

Erstmals bildeten Maximilian Eggestein und Christian Groß gegen Hoffenheim eine Doppelsechs. Warum er sich für diese Variante im Mittelfeld entschied, hat Werder-Trainer Florian Kohfeldt erläutert.
26.10.2020, 08:18
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Eine neue Option für das Mittelfeld
Von Christoph Bähr

Einmal wurde Florian Kohfeldt Mitte der ersten Halbzeit unruhig an der Seitenlinie. „Grosso“, rief Werders Trainer mehrmals laut über den Platz. Christian Groß, der Adressat der Rufe, orientierte sich in der besagten Situation nach vorne, dabei befand sich sein Nebenmann im Mittelfeld, Maximilian Eggestein, schon im gegnerischen Strafraum. Kohfeldt gab Groß daraufhin zu verstehen, dass er sich als Absicherung fallen lassen solle. Abgesehen von dieser Szene benötigten Groß und Eggestein beim 1:1 gegen Hoffenheim aber wenig Hilfe. Erstmals bildeten sie eine Doppel-Sechs im defensiven Mittelfeld und harmonierten dabei insgesamt gut.

Nach dem Abgang von Davy Klaassen ist das Mittelfeld die größte Baustelle bei Werder. Gegen Hoffenheim setzte Kohfeldt dort auf eine neue Variante, die Groß seinen ersten Startelfeinsatz der Saison bescherte. „Grosso sollte Maxi absichern, wenn er offensiver spielt. Er ist ballsicher und kann diese laufintensive Position defensiv gut abdecken“, erklärte der Coach, um Groß dann zu loben: „Er hat die Aufgabe gut erfüllt und einmal mehr bewiesen, dass er Bundesliga spielen kann. Ich bin mehr als heilfroh, ihn im Kader zu haben.“

Die Stärken besser ausspielen

Auch Eggestein schien durchaus froh zu sein, Groß an seiner Seite zu haben. Der 23-Jährige zeigte gegen Hoffenheim seine beste Leistung seit Langem. Als alleiniger Sechser musste sich Eggestein zuletzt oft auf die Defensivarbeit beschränken, mit Groß als Absicherung konnte er sich dagegen auch mal nach vorne wagen. Zur Erinnerung: In der Saison 2018/19 sorgte Eggestein auf der Achter-Position durch seine offensiven Vorstöße regelmäßig für Aufsehen und schaffte es bis in den Kader der Nationalmannschaft. „Wir konnten Maxi dieses Mal etwas mehr gemäß seiner Stärken einsetzen, damit er mehr den Drang nach vorne haben kann. Es entspricht seinem Spiel, mitzugehen und torgefährlich zu werden“, schilderte Kohfeldt.

Lesen Sie auch

Natürlich freute es den Trainer ungemein, dass die Idee, die er bei der Aufstellung des neuen Mittelfeld-Duos hatte, schon in der fünften Spielminute funktionierte. Eggestein leitete einen Angriff ein und preschte vor in den Strafraum, wo er zum 1:0 traf. "Das war ein wunderschönes Tor. Super gemacht von Maxi, überragend schön auch für ihn. Er macht so viel für die Mannschaft und wurde jetzt mal belohnt", schwärmte Kohfeldt. Eggestein hat eine katastrophale Vorsaison hinter sich, trotzdem hielt der Trainer immer an einem seiner Lieblingsschüler fest. Das wichtige Tor gegen Hoffenheim dürfte dem Mittelfeldspieler viel Sicherheit geben, auch wenn er sich nach der Partie betont zurückhaltend äußerte: "Das Tor hat uns sicher geholfen, ins Spiel reinzufinden und für mich persönlich war es natürlich schön.“

Belohnung für ein starkes Testspiel

Belohnt wurde gegen Hoffenheim übrigens auch Groß, und zwar dafür, dass er sich unermüdlich anbietet. „Seine Aufstellung ist ein Signal an die Mannschaft, dass Leistungen in Trainingseinheiten und in Testspielen bewertet werden. Er hat ein Topspiel gegen St. Pauli gemacht“, unterstrich Kohfeldt. Gegen Hoffenheim passte Groß' Aufstellung genau ins Konzept. Kohfeldt wollte mit einer Dreierkette und zwei defensiven Mittelfeldspielern davor das Spiel eröffnen, um „Hoffenheim ins Springen zu bringen“, wie er sagte. Der Spielaufbau über zwei Sechser sollte den Gegner also vor Probleme stellen, weil er zwei Anspielstationen zustellen musste. Zusätzlich orientierten sich Groß und Eggestein immer wieder nach außen, um das Hoffenheimer Pressing ins Leere laufen zu lassen. Das habe eine ganze Zeit lang gut funktioniert, hielt Kohfeldt zufrieden fest. „Dann hat Hoffenheim im Spiel gegen den Ball etwas umgestellt.“

Lesen Sie auch

Aus rein taktischen Erwägungen hätte er darauf reagieren müssen, indem er selbst etwas verändert, sagte der Werder-Coach. Eine Mittelfeldraute wäre in der zweiten Halbzeit die passende Antwort gewesen. Seine Mannschaft habe aber so gefestigt gewirkt, dass er diese Stabilität durch eine Umstellung nicht gefährden wollte, erklärte Kohfeldt. Er hielt somit nach der Pause an der Doppelsechs mit Eggestein und Groß fest, bis Letzterer in der Schlussphase ausgewechselt wurde. Die beiden trugen ihren Teil dazu bei, dass es relativ wenige Hoffenheimer Chancen gab, obwohl die Gäste den Druck im zweiten Durchgang sukzessive erhöhten. Gut möglich, dass es die Kombination Eggestein/Groß im defensiven Mittelfeld nicht zum letzten Mal gegeben hat.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+