Werders Werbepartner und die Corona-Krise

Ein Sponsor investiert, andere könnten abspringen

In Zeiten der Corona-Krise ist das Sponsoring bei Werder ein sehr sensibler Bereich. Werder-Chef Klaus Filbry hat erklärt, welche Risiken es dort gibt, hatte aber auch eine gute Nachricht zu verkünden.
27.03.2020, 10:01
Lesedauer: 4 Min
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Ein Sponsor investiert, andere könnten abspringen
Von Christoph Bähr
Ein Sponsor investiert, andere könnten abspringen

Der Sponsoring-Vertrag zwischen Werder und Volkswagen läuft Ende Juni aus.

nordphoto

Es gibt sie tatsächlich noch bei Werder in diesen Zeiten der wirtschaftlichen Ungewissheit: gute Nachrichten in finanzieller Hinsicht. „Wir stehen kurz vor dem Abschluss eines nicht ganz unerheblichen Vertrages mit einem aktuellen Sponsor, der in dieser schwierigen Phase sein Engagement bei uns ausbauen möchte“, sagte Klaus Filbry am Donnerstag in einer telefonischen Medienrunde. Weitere Details nennen wollte Werders Vorsitzender der Geschäftsführung nicht und erklärte: „Der Vertrag ist ausverhandelt, aber die Tinte ist noch nicht drauf.“ Es soll sich um ein Unternehmen handeln, das bereits jetzt ein wichtiger Sponsor ist und sein Engagement bei Werder nun ausweiten will.

„Das sind Gespräche, die nicht erst seit ein oder zwei Wochen geführt werden. Das ist schon etwas länger in der Planung. Das Gute ist, dass das Unternehmen trotz der Corona-Krise nicht auf die Stopp-Taste drückt“, betonte Filbry. Werders wichtigster Partner ist Wiesenhof als Trikotsponsor. Danach kommen Wohninvest als Stadionpartner, Umbro als Ausrüster sowie diverse andere Sponsoren im mittleren und unteren Segment. Wer sein Engagement künftig ausweitet, will Werder demnächst verkünden.

Hoffen auf weitere Spiele

Trotz dieser guten Nachricht gibt es im Sponsoring-Bereich allerdings auch viele Probleme zu bewältigen. Zuallererst ist da natürlich die große Frage, ob die Saison weitergehen kann. Bei Werder hoffen das alle, dann wäre der wirtschaftliche Schaden nicht ganz so groß. „Wenn wir die Saison zu Ende spielen, dann mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ohne Zuschauer. Für den Fall sind wir zuversichtlich, dass wir die meisten Sponsorenleistungen am Ende des Tages auch erbringen können“, sagte Filbry. „ Mit dem einen oder anderen kleineren Sponsor müsste man dann sicherlich über Kompensationen sprechen, das wird man hinbekommen.“

Ein Saisonabbruch würde Werder sportlich womöglich helfen, weil es dann wahrscheinlich keine Absteiger gäbe. „Das Szenario Abbruch und zweite Liga sehe ich für uns ehrlicherweise nicht“, meinte Filbry. Wirtschaftlich allerdings würde ein vorzeitiges Ende der Spielzeit Werder vor enorme Probleme stellen. Es ist sogar möglich, dass dieses Szenario letztlich teurer wäre als ein Abstieg. Genaue Zahlen nannte Filbry allerdings nicht, der Werder-Chef verdeutlichte lediglich: „Bei einem Abbruch wären die Kompensationsleistungen sowohl gegenüber den TV-Sendern als auch gegenüber den Sponsoren deutlich höher als bei Spielen ohne Zuschauer.“

Zwei wichtige Verträge laufen aus

Ein weiteres Problem im Sponsoring-Bereich stellen die auslaufenden Verträge dar. Der Kontrakt mit Volkswagen endet am Saisonende, er soll Werder 1,3 Millionen Euro pro Jahr einbringen. Auch der Vertrag mit dem Wettunternehmen Betway, das eine Million Euro pro Jahr zahlt, ist bis Ende Juni 2020 datiert. Vor der Corona-Krise zeigte sich Filbry optimistisch, beide Verträge verlängern zu können. Zumindest im Falle von Betway wäre es wohl auch nicht schwierig gewesen, einen anderen Werbepartner als Ersatz zu finden. Nun hat sich jedoch die Lage schlagartig verändert. Vertragsverlängerungen oder gar Verträge mit neuen Sponsoren sind momentan nicht realistisch. „Es gibt die Zeit vor Corona, während Corona und nach Corona. Aktuell sind wir in der Zeit während Corona, und von daher bekommt man bei den auslaufenden Verträgen derzeit kein Commitment, um diese Verträge über die Saison hinaus zu verlängern“, berichtete Filbry und zeigte dafür volles Verständnis. „Wie es dann nach Corona aussieht, muss man sehen. Das ist ein wirtschaftliches Risiko, mit dem wir uns gerade auseinandersetzen müssen.“ Zusammen geht es für Werder um 2,3 Millionen Euro aus den beiden auslaufenden Verträgen, die ab Juli fehlen könnten.

Dazu kommt, dass nicht einmal sicher ist, ob bis dahin alle Sponsorengelder wie geplant fließen. „Auch unsere Sponsoren sind von der Corona-Krise betroffen. Wir wissen nicht, wie sie am Ende ihren Verpflichtungen uns gegenüber nachkommen können und ob sie die Verträge dann fortführen oder nicht“, erklärte Filbry. Diese Befürchtungen seien zwar noch nicht konkret und Namen wollte er natürlich nicht nennen. Klar ist aber, dass sich unter Werders Partnern mehrere Firmen befinden, die massiv unter der Corona-Krise leiden. „Ich hoffe nicht, dass Unternehmen in eine Schieflage geraten, aber Stand heute kann man das nicht ausschließen“, sagte Filbry.

Der Werder-Chef nutzt in seinen Ausführungen gerne das Bild von mehreren Bällen, die sich gerade in der Luft befinden. Das soll verdeutlichen, dass es für Werder viele Ungewissheiten gibt. Um im Bild zu bleiben: Wo und wie die fliegenden Bälle landen, weiß gerade niemand so genau. Wird die Saison ohne Zuschauer zu Ende gespielt oder abgebrochen? Wann sind Zuschauer bei Spielen wieder bedenkenlos möglich? Spielt Werder in der neuen Saison erst- oder zweitklassig? In jedem Fall brechen eingeplante Einnahmen weg. Bei Werder denke man in verschiedenen Szenarien und bereite sich bestmöglich darauf vor, sagte Filbry. Dabei sei der Klub auch für das Worst-Case-Szenario eines Saisonabbruchs gerüstet. Werder müsste dann wohl auf Kredite zurückgreifen. Mit den Banken gebe es „konstruktive und lösungsorientierte Gespräche“. Das gegenseitige Vertrauen sei groß, sagte Filbry und fasste zusammen: „Bei den Lösungsmöglichkeiten sind wir aktuell auf einem guten Weg, um uns auch für das schlechteste Szenario so aufzustellen, dass wir damit umgehen können. Hier werden nicht die Lichter ausgehen.“

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