Athletiktrainer Dörrfuß Ex-Kollege über Kohfeldt: "Da hat unsere Beziehung schon gelitten"

Im Februar 2020 steckte Werder mitten im Abstiegskampf und trennte sich gleich von mehreren Mitarbeitern. Der damalige Athletiktrainer Axel Dörrfuß blickt im Gespräch mit Sport1 auf die turbulente Zeit zurück.
17.06.2022, 03:05
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Von Malte Bürger

Als es im Februar 2020 beim SV Werder Bremen knallte, tat es dies mit einer ordentlichen Vehemenz. Mitten im Abstiegskampf zog der Verein personelle Konsequenzen, trennte sich vom Team-Psychologen Andreas Marlovits sowie dem Chef-Physiotherapeuten Uwe Schellhammer. Und damit nicht genug. Axel Dörrfuß, damals der sogenannte Leiter Performance, durfte nicht mehr mit den Profis zusammenarbeiten, sondern nur noch im Leistungszentrum. Später trennten sich die Wege doch gänzlich, nun blickt Dörrfuß im Gespräch mit Sport1 auf die Zeit an der Weser und seine Zusammenarbeit mit dem damaligen Trainer Florian Kohfeldt zurück.

Lesen Sie auch

„Flo und ich kannten uns noch aus dem Team mit Viktor Skripnik. Es war ein sehr enges und vertrauensvolles Verhältnis. Und das war auch so, als Flo Cheftrainer bei Werder wurde“, erinnert sich Dörrfuß. Doch es gab leichte Risse. Es kam nämlich eine Zeit, in der die Mannschaft reihenweise mit Verletzungsproblemen zu kämpfen hatte. Besonders auffällig: Gleich mehrere Profis verletzten sich abermals während der Reha und unmittelbar vor ihrer eigentlich geplanten Rückkehr ins Teamtraining. Genau diese Tatsache sorgte dafür, dass auch die Arbeit von Axel Dörrfuß fortan unter besonderer Beobachtung stand. Nicht mehr nur intern, sondern auch öffentlich. Gleich sieben dieser Fälle hatte es damals bei Werder gegeben, Ömer Toprak und Ludwig Augustinsson erwischte es sogar doppelt. Das blieb nicht ohne Folgen. Auch zwischenmenschlich. „Es gab aber natürlich Veränderungen in der Kommunikation mit erhöhtem Druck und Verletzungszahlen. Da hat unsere Beziehung schon gelitten“, räumt Dörrfuß mit Blick auf Florian Kohfeldt ein.

Überhaupt war es die Gesprächskultur bei Werder, die damals eine entscheidende Rolle für die weiteren Entwicklungen spielte. „Wir haben in der ausführlichen Analyse während der Hinserie bereits Problemfelder insbesondere in der Abstimmung und Kommunikation zwischen den Fachbereichen benannt“, sagte Sportchef Frank Baumann damals. „Nach einer vorübergehenden Verbesserung hat sich in letzter Zeit leider herausgestellt, dass wieder Probleme aufgetreten sind und wir in der bisherigen Konstellation zu viele Reibungsverluste hatten.“ Und Dörrfuß war mittendrin, immer wieder hatte es Streitigkeiten zwischen ihm und Schellhammer gegeben, die bis in die tägliche Arbeit der Mannschaft hineinstrahlten. „Da wir in der aktuellen Situation weitere Konflikte vermeiden und alle Kräfte für das Ziel Klassenerhalt bündeln müssen, haben wir diese Entscheidungen im Sinne des Vereins getroffen“, begründete Baumann die personelle Umstrukturierung.

Lesen Sie auch

Mittlerweile ist Dörrfuß 50 Jahre alt, führt eine Praxis für Sportwissenschaften und Neuroathletik. Und natürlich ist auch ihm bewusst, dass eine vernünftige Kommunikation das A und O ist, wenn ein ganzheitliches System funktionieren soll. „Du kannst fünf Top-Experten im Team haben, wenn die nicht miteinander können, geht das zu Lasten der Performance und erhöht das Risiko für Verletzung“, betont er. Aus der Distanz hat Dörrfuß beobachtet, wie es Florian Kohfeldt seither ergangen ist. Und wie der 39-Jährige unter den unangenehmen Mechanismen des Geschäfts leide. „Die Erwartungshaltung ist heute oft sehr groß, ein nächster Schritt wird schnell gegangen. Und jedes Angebot macht etwas mit dir“, sagt Axel Dörrfuß. „Es ist wichtig, Ruhe zu bewahren und nicht schnell zu viel zu wollen.“ Werders früherer Athletiktrainer ist überzeugt davon, dass man nach den Rückschlägen in Bremen und Wolfsburg, nun auch beim Namen Kohfeldt „natürlich etwas vorsichtiger sein“ werde. Trotzdem glaubt Dörrfuß, „dass sich die Club-Bosse schon auch bewusst sind, was für Qualitäten Florian mitbringt“.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+