Ex-Klubchef Jürgen Born feiert 80. Geburtstag „Er lebt Werder Bremen“

Jürgen Born war zehn Jahre lang Werder-Chef und einer der Architekten des Double-Triumphs. An diesem Donnerstag feierte er seinen 80. Geburtstag, und einige prominente Werderaner waren dabei.
24.09.2020, 15:20
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„Er lebt Werder Bremen“
Von Christoph Bähr

Diese Geschenkidee war genau durchdacht. Thomas Schaaf und Klaus Allofs überreichten Jürgen Born zu dessen 80. Geburtstag am Donnerstag eine Flasche Rothschild, Jahrgang 1999. „Alle wissen, dass Jürgen Born 1999 bei Werder begonnen hat, genauso wie Thomas Schaaf und ich. Daher war es naheliegend, so ein Geschenk zu machen“, sagte Allofs. In diesem schicksalhaften Werder-Jahr wurde Allofs Vorstand Profifußball, Born Vorsitzender des Vorstands und Schaaf Cheftrainer der Profis. Fünf Jahre später gehörten sie zu den Architekten des Double-Triumphs.

„Das Double ist nicht an einer Person festzumachen, aber Jürgen gehörte zu denen, die groß mitgewirkt haben“, sagte Schaaf über den größten Erfolg der Vereinsgeschichte neben dem Europapokalsieg 1992. Von 1999 bis 2009 hatte Born bei Werder das Sagen – es war eines der erfolgreichsten Jahrzehnte der Vereinsgeschichte mit einer Meisterschaft, zwei Pokalsiegen und der regelmäßigen Teilnahme an der Champions League. Born, der ehemalige Banker, galt als Finanzfachmann und gewiefter Verhandlungspartner. Er brachte Werder nicht nur wirtschaftlich auf Kurs, sondern nutzte auch seine exzellenten Beziehungen nach Südamerika, wo er lange für die Deutsche Bank tätig war, immer wieder zum Wohle des Vereins. Den Transfer von Claudio Pizarro nach Bremen fädelte Born ebenfalls im Schicksalsjahr 1999 ein.

Erinnerungen an bessere Werder-Zeiten

Klar, dass Pizarro am Donnerstag auch beim Geburtstagsempfang war, den Werder im Restaurant „Al Pappagallo“ für Born ausrichtete. „Dass der Verein das für mich organisiert hat, ist mir schon unter die Haut gegangen. Das ist außergewöhnlich toll“, schwärmte Born. In Corona-Zeiten wurde die Gästeliste kurz gehalten, doch die 17 Gratulanten waren derart prominent, dass die Feier zugleich ein gedanklicher Ausflug in bessere Werder-Zeiten war. Neben Allofs, Schaaf und dem früheren Schatzmeister Manfred Müller waren Max Lorenz und Hans Schulz da, die deutschen Meister von 1965. Frank Baumann, Kapitän der Double-Mannschaft und aktueller Geschäftsführer Profifußball, gratulierte Born ebenso wie seine Geschäftsführerkollegen Klaus Filbry und Hubertus Hess-Grunewald sowie Aufsichtsratschef Marco Bode.

Und natürlich kam Pizarro nicht alleine, sondern gemeinsam mit Ailton. Dass das kongeniale Sturmduo „Pizza-Toni“ zwei Jahre lang Tore am Fließband für Werder schoss, war auch Borns Verdienst. Er sorgte dafür, dass sich die zwei Südamerikaner wohl fühlten und drückte des Öfteren ein Auge zu, wenn die beiden mal wieder ein bisschen zu lange gefeiert hatten. „Er war sehr wichtig für die Latinos bei Werder, weil er ein südamerikanisches Herz hat“, betonte Ailton. „Er ist einfach ein geiler Typ“. Pizarro sagte: „Ihn muss man heute richtig feiern.“

Mit Spaß bei der Arbeit

Borns Verdienste um Werder sind zweifellos groß. Der 80-Jährige kann knallhart verhandeln, hat aber auch immer einen lockeren Spruch auf den Lippen. So erzählte Born etwa, dass das Telefon an seinem Ehrentag schon frühmorgens anfing zu klingeln. „Zwischen sieben und acht Uhr haben die angerufen, denen ich noch Geld schulde. Danach haben meine Freunde gratuliert“, scherzte er. „Es hat immer Freude gemacht, mit ihm Dinge zu erleben und voranzutreiben. Wir haben viel gelacht“, erinnerte sich Klaus Allofs an die Zusammenarbeit. „Er hat eine unkonventionelle Art, das ist sein Markenzeichen. Ich war damals Berufsanfänger und hatte das Glück in eine sehr erfahrene Geschäftsführung zu kommen. Da konnte ich eine Menge lernen, auch von Jürgen Born.“

Thomas Schaaf beschrieb die Zusammenarbeit mit Born als einen „ständigen Austausch“. „Wir haben die Position des anderen immer erkannt und respektiert, haben uns gegenseitig unterstützt“, sagte Werders Technischer Direktor und betonte: „Jürgen Born lebt Werder Bremen.“ Diese Aussage gilt auch mit 80 Jahren weiterhin uneingeschränkt. „Ich denke viel an Werder“, sagte der Jubilar. Aktuell sind das eher sorgenvolle Gedanken, verbunden mit der bangen Frage, ob die neue Saison so miserabel wird wie die vergangene. „Es muss eine kleine Veränderung in der Spielweise eintreten“, sagte Born. „Vielleicht haben wir den Schock der vergangenen Saison noch nicht abgelegt. Wir haben ein paar kleinere Fehler in die neue Saison geschmuggelt, die müssen wir abstellen.“ Bleibt zu hoffen, dass die Werder-Mannschaft dem ehemaligen Vereinschef diesen Wunsch zum 80. Geburtstag schon beim anstehenden Spiel gegen Schalke erfüllt.

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