Experte: Bürgschaft für Werder vertretbar

„Bei Schalke stellt sich eher die Frage nach dem Sinn“

Staatliche Unterstützung für Profifußballklubs ist ein heikles Thema. Werder hat gerade einen Kredit mit einer Landesbürgschaft abgesichert. Experte Robin van der Hout bewertet dieses Vorgehen im Interview.
10.12.2020, 17:48
Lesedauer: 3 Min
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„Bei Schalke stellt sich eher die Frage nach dem Sinn“
Von Christoph Bähr
„Bei Schalke stellt sich eher die Frage nach dem Sinn“

Es sind dunkle Wolken über Werder aufgezogen, finanziell befindet sich der Verein in einer schwierigen Lage und hat daher einen Kredit aufgenommen.

nordphoto

Herr van der Hout, Werder Bremen hat gerade einen Kredit in Höhe von 20 Millionen Euro von einem lokalen Bankenkonsortium erhalten, abgesichert durch eine Bürgschaft des Landes Bremen. Wenn millionenschwere Profifußballvereine staatliche Unterstützung erhalten, ist das ein heikles Thema. Wie stehen Sie dazu?

Robin van der Hout: Vor der Corona-Krise wurden diese Bürgschaften oft kritisch gesehen. Vereine, die diese Bürgschaften brauchten, waren in der Vergangenheit nicht gerade durch solides Wirtschaften aufgefallen, zum Beispiel der FC Schalke. Durch die Corona-Krise gelten jetzt aber neue Maßstäbe. Es gibt rechtliche Rahmenbedingungen für solche staatlichen Bürgschaften, die im Rahmen der Corona-Krise etwas gelockert wurden. So können gegenwärtig bis zu 90 Prozent des Darlehensbetrages durch eine staatliche Bürgschaft abgesichert werden, die solange beihilferechtskonform ist, wie für sie eine marktkonforme Avalprovision bezahlt wird, also eine Gebühr, die vom Kreditnehmer für die Bürgschaft an die Bank entrichtet werden muss.

Wie wird aktuell sichergestellt, dass das Unternehmen nicht schon vor der Corona-Krise Probleme hatte?

Ein Unternehmen muss nachweisen, dass es Ende 2019 kein Unternehmen in Schwierigkeiten war. Dieser Begriff bedeutet, dass man als Gesellschaft einen Schritt vor der Insolvenz stand. Firmen, die ohnehin schon in Schwierigkeiten waren, sollen nicht durch Corona-Hilfen künstlich am Leben erhalten werden, sondern es sollen diejenigen gerettet werden, die 2019 noch gut dastanden und jetzt unverschuldet in die Krise gestürzt sind.

Robin van der Hout ist Rechtsanwalt in Brüssel.

Robin van der Hout ist Rechtsanwalt in Brüssel.

Foto: Jochen Rolfes

Werder hat im Geschäftsjahr 2018/19 noch 3,5 Millionen Euro Gewinn gemacht. Die von Ihnen genannten Anforderungen erfüllt der Verein also.

Vereine wie Werder sind mehr oder weniger unverschuldet in die aktuelle Situation geraten, weil ihnen durch Spiele ohne Zuschauer über Monate hinweg Einnahmen fehlen. Man will die Vereine jetzt nicht pleitegehen lassen – wie viele andere Firmen eben auch nicht. Aus Sicht des Staates und auch des Steuerzahlers sind Bürgschaften ein probates Mittel, um in wirtschaftliche Schwierigkeiten geratene Unternehmen zu stützen, da die Bereitstellung von Bürgschaften zunächst nicht finanziell belastet. Eine Bürgschaft ist erst einmal nur ein Stück Papier. Das wird erst finanziell relevant, wenn es zum Sicherungsfall kommt, also der Darlehensnehmer seine Schulden nicht bedienen kann und der Bürge eintreten muss. Wenn man sich an die Regeln hält, ist eine Landesbürgschaft wie die für Werder Bremen aus meiner Sicht vollkommen okay. Was wäre die Alternative? Dass man den Verein finanziell in höchste Bedrängnis bringt.

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Landesbürgschaften für Infrastrukturprojekte der Profiklubs gab es häufig, auch in Bremen für den Umbau des Weserstadions. Den jetzigen Kredit nutzt Werder dagegen unter anderem, um Millionengehälter für die Spieler zu finanzieren. Das dürfte nicht jeder nachvollziehen können.

Viele würden vermutlich schief gucken, wenn Werder mit den 20 Millionen den nächsten Überraschungstransfer finanzieren würde. Aber es dürfte jetzt darum gehen, die Betriebsausgaben, also die laufenden Kosten, decken zu können. Die Spielergehälter für die Spieler, die schon da sind und Verträge besitzen, machen bei einem Profiverein eben das Gros der Betriebskosten aus.

Wenn die Bürgschaft greifen sollte, müsste im schlimmsten Fall der Steuerzahler für die Spielergehälter bei Werder gerade stehen. Wie hoch ist das Risiko?

Das kommt auf den Verein an. Aus der Ferne betrachtet ist Werder ein Verein aus dem Mittelfeld der Bundesliga, der mal schlechtere und mal bessere Jahre hatte, aber immer solide gewirtschaftet hat und solide geführt wurde. Da ist die Wahrscheinlichkeit relativ hoch, dass sich solch ein Verein durchhangelt, bis es wieder in Richtung Normalität geht und er wieder normal wirtschaftet und verdient. Das Risiko für den Steuerzahler dürfte somit relativ gering sein. Bei Krisenvereinen wie Schalke, die schon vor der Corona-Pandemie mit einem Bein im Abgrund standen, stellt sich eher die Frage, wie sinnvoll eine Bürgschaft ist.

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Zur Person

Robin van der Hout (46) berät Firmen sowie Bund, Länder und Kommunen in Fragen des EU-Rechts, insbesondere zum Beihilferecht und zum Binnenmarktrecht. Der Rechtsanwalt arbeitet in Brüssel.

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