Agu über Quarantäne und Bundesliga-Debüt

Im Wechselbad der Gefühle

Erst die Covid-19-Erkrankung und die Quarantäne, dann die ersten Bundesliga-Spiele: Für Felix Agu ging zuletzt alles sehr schnell. Wie er das Wechselbad der Gefühle erlebte, hat der 21-Jährige jetzt erzählt.
01.12.2020, 15:53
Lesedauer: 3 Min
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Im Wechselbad der Gefühle
Von Christoph Bähr

Von der Schnelllebigkeit des Fußballgeschäfts wird gerne gesprochen. Wie schnell es tatsächlich manchmal gehen kann, hat Felix Agu zuletzt erlebt. Krasser hätten die Gegensätze für den 21-Jährigen kaum sein können. Rund drei Wochen lang saß er alleine in seiner Wohnung – kein direkter Kontakt zur Außenwelt, Quarantäne, quälende Langeweile. Als diese Zeit vorbei war, dauerte es nur etwas mehr als eine Woche, und Werders Außenverteidiger stand plötzlich auf dem Platz – Spiel gegen den Champions-League-Sieger FC Bayern, Millionen Fernsehzuschauer, große Aufregung. „Das ging schon alles sehr schnell“, sagt Agu in einer Medienrunde und lächelt.

Der Werder-Profi wirkt nach überstandener Covid-19-Erkrankung entspannt und aufgeräumt. Auch seine Gefühlslage hat sich rapide verändert. „Es war nicht leicht in der Quarantäne. Als dann nach zwei Wochen noch mal ein Test positiv war, war das schon ein Rückschlag. Ich habe mich manchmal etwas einsam gefühlt, auch wenn über Facetime immer Kontakt zu anderen da war“, erzählt Agu. Die Verletzung Ludwig Augustinssons hätte ihm damals wahrscheinlich zu einem Startelfeinsatz als Linksverteidiger verholfen, aber er musste untätig zu Hause sitzen. Dazu kam die Sorge wegen der Corona-Infektion.

Auf Herz und Lunge geprüft

Agu zeigte nur einige Tage lang leichte Symptome, doch Covid-19 kann bekanntlich zu Spätfolgen führen, auch bei Leistungssportlern. Janik Möser, Eishockey-Profi der Grizzlys Wolfsburg, sprach erst kürzlich über seine Herzmuskelentzündung, die laut seinen Ärzten wahrscheinlich die Folge einer Corona-Erkrankung ist. Felix Agu hatte Glück. „Es geht mir sehr gut, ich habe die Erkrankung gut überstanden“, sagt er. Sein Wiedereinstieg ins Training wurde von Werders medizinischer Abteilung genau überwacht. Agu unterzog sich nach einigen Tagen einer gründlichen Untersuchung. „Herz und Lunge wurden kontrolliert. Die Tests sind alle sehr gut ausgefallen. Konditionell war ich durch die drei Wochen Quarantäne etwas hinterher, aber das gleicht sich wieder aus“, erzählt er.

Nach der Untersuchung stand dem Comeback nichts mehr im Wege. Gegen die Bayern gab Agu sein Bundesliga-Debüt. 25 Minuten lang half er mit, das 1:1 ins Ziel zu bringen. Nach dem Spiel tauschte er dann das Trikot mit seinem Vorbild David Alaba. „Ein schöner Moment. Zu ihm schaue ich schon lange auf, weil er in München als Linksverteidiger über viele Jahre super gespielt hat.“ Bei der 3:5-Niederlage gegen Wolfsburg spielte Agu dann wieder, 20 Minuten lang. „Ich bin sehr glücklich, dass ich meine ersten zwei Spiele machen durfte“, betont Agu, stellt nun aber keine Forderungen: „In den kommenden Wochen erwarte ich mir nichts Besonderes. Ich will einfach im Training weiterhin Gas geben.“

Startelf gegen Stuttgart?

Am Sonntag im Heimspiel gegen Stuttgart ist sogar ein Startelfeinsatz Agus denkbar. Manuel Mbom, der zuletzt auf der Rechtsverteidigerposition spielte, fehlt gesperrt. Und Agu kann sowohl auf der rechten als auch auf der linken Seite verteidigen. Auf einen Einsatz von Anfang an spekulieren will er nicht: „Ich weiß ja nicht, welches System gespielt wird. Ich kann nur versuchen, den Trainer davon zu überzeugen, mich aufzustellen. Natürlich hoffe ich darauf, gehe aber nicht fest davon aus.“ Dass Werder gegen Stuttgart wieder zu der defensiven Stabilität aus dem Bayern-Spiel zurückfinden müsse, sei bereits klar angesprochen worden, schildert Agu. „Wenn wir so verteidigen wie gegen Bayern, können wir gegen jede Mannschaft bestehen. Wenn wir aber nachlassen, kann so etwas passieren wie in Wolfsburg. Gegen Stuttgart dürfen wir kein Stück nachlassen. Das ist eine junge Mannschaft mit viel Qualität und viel Tempo.“ Die Geschwindigkeit des Gegners dürfte Agus Einsatzchancen erhöhen, schließlich ist er einer der schnellsten Spieler im Bremer Kader.

Das Startelf-Debüt wäre für Felix Agu der nächste Höhepunkt in diesen turbulenten Wochen. Vergangene Saison spielte er noch in der zweiten Liga für den VfL Osnabrück, dann folgte der ablösefreie Wechsel zu Werder. Agu: „Natürlich ist es ein großer Schritt in die erste Liga. Die individuelle Qualität ist viel höher. Ich merke aber, dass ich mich gut entwickelt habe. Das wurde jetzt mit den ersten Einsätzen belohnt. Mein Ziel ist es, irgendwann einen Stammplatz zu haben.“ Spielzeit ist wichtig für Agu, auch um sich für die U 21-Nationalmannschaft zu empfehlen. Zweimal spielte er bereits für das Team von Stefan Kuntz, zuletzt stand er nicht im Aufgebot. „Ich möchte im kommenden Jahr bei der U 21-EM und bei Olympia dabei sein, das sind meine Ziele. Stefan Kuntz muss entscheiden, ob er mich mitnehmen möchte“, sagt Agu.

Bis Olympia ein Thema wird, ist aber erst einmal viel Disziplin gefragt. Seine Kontakte beschränkt Felix Agu weiterhin so weit wie möglich, nur seine Eltern besuchte er nach der Quarantäne. Ansonsten gehe er einkaufen, mehr nicht. „Wir passen bei Werder alle sehr gut auf, tragen Masken, halten uns nicht großartig draußen auf.“ Wie leicht man sich trotzdem mit dem Coronavirus infizieren kann, hat Agu gerade erlebt. Er betont: „Wir müssen unbedingt verhindern, dass ein paar Spieler oder sogar die ganze Mannschaft in Quarantäne müssen.“

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