Heimspiel Werder fiebert richtungsweisendem Duell gegen Schalke entgegen

Wenn sich Werder Bremen und Schalke 04 am Samstagabend gegenüberstehen, erwarten die Fans ein spannendes Spiel. Die Bremer könnten sich mit einem Sieg deutlich von den Abstiegsrängen distanzieren.
03.11.2022, 20:22
Lesedauer: 4 Min
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Von Daniel Cottäus

Zuerst war da dieser spät ergatterte und für die Moral enorm wichtige Punkt beim 1:1 im Hinspiel, nachdem es nur wenige Stunden zuvor zur Trennung von Trainer Markus Anfang gekommen war. Und der ganze Verein gefühlt am Boden lag. Später dann, in der Rückrunde, noch dieses spektakuläre 4:1 kurz vor dem Saisonfinale, das drei lebenswichtige Zähler für den Aufstieg einbrachte. Werder Bremens Begegnungen mit dem FC Schalke 04, sie waren in der abgelaufenen Zweitliga-Saison aus ganz unterschiedlichen Gründen denkwürdig, waren Gesprächsstoff bis weit über die Bremer und Gelsenkirchener Stadtgrenzen hinaus. Wenn sich die beiden Vereine nun am Samstagabend um 18.30 Uhr in der Bundesliga wiedersehen, gibt es freilich keine Garantie dafür, dass für Werder gegen Königsblau einmal mehr Richtungsweisendes geschieht. Die Voraussetzungen sind dafür aber immerhin nicht ganz so schlecht.

„Wir erinnern uns natürlich noch daran, wie eng es in der letzten Saison in der Tabelle zuging und natürlich auch an die direkten Duelle mit Schalke“, sagt Werders Trainer Ole Werner, der seine Mannschaft im Herbst 2021 acht Tage nach dem Hinspiel gegen S04 übernommen hatte, um direkt mit einem 4:0-Heimsieg über Aue zu starten. Fünf Monate später stand Werder dann als Aufsteiger fest, 63 Punkte hatten zu Platz zwei hinter den noch etwas besseren Schalkern (65) gereicht. Von der damaligen Augenhöhe zwischen den Zweitliga-Spitzenteams ist heute – zumindest tabellarisch betrachtet – aber nicht mehr allzu viel übrig geblieben.

Schalke reist als Letzter an die Weser, mit Turbulenzen und Problemen im Gepäck, die der Verein eigentlich längst überwunden wähnte. Trainer Frank Kramer? Mitte Oktober entlassen. Sportdirektor Rouven Schröder, einer der Architekten des Aufstiegs? Ende Oktober überraschend zurückgetreten. Und die Mannschaft? Nach einem großen personellen Umbruch im Sommer noch nicht in Tritt.

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Aussicht auf 21 Punkte für Werder Bremen

„Sie haben das eine oder andere Spiel dabei gehabt, das unglücklich gelaufen ist“, sagt Werders Leiter Profifußball Clemens Fritz – und betont: „Sicherlich musst du dann aufpassen, dass du nicht in einen Strudel gerätst, in dem viele Dinge gegen dich laufen.“ Ist den Schalkern aber ziemlich genau so passiert. Während sich der Bremer Strudel seit dem Aufstieg in die exakt entgegengesetzte Richtung dreht. Tabellenplatz acht nach zwölf Spieltagen dank bisher 18 Punkten auf dem Konto – mit diesen Zahlen im Rücken bereiten sich die Gastgeber auf das Duell mit Schalke vor, das auch in der Bundesligasaison 2022/23 wieder als Meilenstein taugen könnte. Denn: Sollte Werder nach dem 1:0 gegen Hertha BSC gegen Schalke den zweiten Heimsieg in Folge einfahren, hätte das Team 21 Punkte – und damit die Hälfte der ominösen 40, die es am Ende mindestens für den Klassenerhalt sein sollen, bereits im Sack. Was nach gerade einmal 13 Spieltagen wiederum eine beachtliche Zwischenbilanz für den Aufsteiger wäre.

„Erstmal haben wir 18 Punkte und wissen, dass jeder Punkt, der dazukommen soll, ganz viel Arbeit ist. Deshalb stelle ich keine Hochrechnungen an“, schiebt Werner das Thema ganz schnell weg. Lieber spricht der 34-Jährige mahnend über die Qualitäten des Gegners, die er trotz Schalkes Tabellenplatz weiterhin als zahlreich und gefährlich einstuft. „Wir müssen darauf eingestellt sein, dass es eine Mannschaft ist, die grundsätzlich ein sehr gutes Verhalten bei zweiten Bällen sowie sehr gute tiefe Einlaufwege hat und die enorm gradlinig spielt“, zählt Werner auf, ehe er zu dem Punkt kommt, der die Bremer Vorbereitung auf die Partie wohl am meisten erschwert: der Trainerwechsel auf Schalke.

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Ole Werner hat Thomas Reis im Blick

Ende Oktober hat Thomas Reis die Mannschaft übernommen. An den ersten sechs Spieltagen war der Ex-Profi noch für den VfL Bochum verantwortlich gewesen, ehe ihn eine 1:3-Niederlage gegen – natürlich! – Schalke den Job kostete. „Man muss grundsätzlich mit allem rechnen, wenn man gegen eine Mannschaft spielt, die vor Kurzem den Trainer gewechselt hat“, sagt Werner, der Reis aus bisher fünf direkten Duellen sehr gut kennt – und dessen damaligen Bochumern erst Anfang September eine 0:2-Niederlage mit Werder beibrachte. „Thomas Reis kennt Werder Bremen und mich als Trainer. Umgekehrt weiß ich aber auch, wie er Fußball spielen lassen möchte“, sagt Werner – und erklärt: „Daraus muss man Wahrscheinlichkeiten ableiten und auf das reagieren, was dann vielleicht doch neu ist.“ Während Reis’ Schalke-Debüt beim 0:2 gegen Freiburg hat der Bremer Coach jedenfalls einige Parallelen entdeckt: „Die Grundordnung ähnelte im Spiel gegen Freiburg der, die er auch die meiste Zeit in Bochum hat spielen lassen.“

Ob das am Samstagabend in Bremen nun wieder so ist oder nicht, spielt für Werner aber gar keine vordergründige Rolle. Der Blick des Trainers geht bekanntermaßen viel lieber auf sein eigenes Team. „Wir müssen unser bestmögliches Spiel machen, wenn wir punkten wollen“, sagt er. Und: „Es gibt kein Spiel, das wir gewinnen, nur weil wir rechtzeitig zum Anstoß da sind.“ Stimmt! Der erste Schritt, damit das Duell gegen Schalke 04 für Werder einmal mehr gut ausgeht, wäre es aber allemal.

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