Kohfeldt setzt weiter auf Johannes Eggestein

„Unser Verhältnis ist alles andere als belastet“

Wie geht es weiter mit Johannes Eggestein, nachdem er in der Schlussphase der Saison nicht mehr im Kader stand? Werder-Trainer Florian Kohfeldt glaubt weiterhin an das Sturmtalent, wie er betonte.
04.08.2020, 14:04
Lesedauer: 3 Min
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„Unser Verhältnis ist alles andere als belastet“
Von Christoph Bähr
„Unser Verhältnis ist alles andere als belastet“

Mit dem Fahrrad kam Johannes Eggestein zu Werders Trainingsauftakt am Montag.

nordphoto

Der Sponsorenvertrag mit Volkswagen ist ausgelaufen, den Werder-Profis bot sich somit am Montag zum Trainingsauftakt erstmals die Gelegenheit, mit ihren privaten Luxuskarossen zum Weserstadion zu kommen. Johannes Eggestein war das allerdings ziemlich egal, er fuhr auf dem Fahrrad vor. Das passt ins Bild des bodenständigen, uneitlen Profis, als der er gilt. Eggestein ist kein Lautsprecher und nahm seine Ausbootung in der Schlussphase der vergangenen Saison hin, ohne sich öffentlich zu beklagen. „Natürlich hat er es anders gesehen als ich, aber das ist ja auch normal. Trotzdem ist da nichts geblieben. Unser Verhältnis ist alles andere als belastet“, betonte Trainer Florian Kohfeldt.

14 Ligaspiele (ein Tor) bestritt Eggestein in der abgelaufenen Saison, doch an den letzten neun Spieltagen und bei den Relegationsspielen gegen Heidenheim stand er nicht mehr im Kader. Dass Kohfeldt seinen Lieblingsschüler ausbootete, kam überraschend. „Das war eine absolute Extremsituation. Es war eine Entscheidung für den Moment, aber keine Entscheidung gegen Jojo. Ich musste entscheiden, was für Werder am besten ist“, erklärte der Coach nun. Das soll wohl heißen: Kohfeldt glaubt nach wie vor an die Qualität des jüngeren Eggestein-Bruders, hielt ihn nur für den extremen Druck im Abstiegskampf nicht ausreichend gewappnet.

Viele Gespräche geführt

Schon während der vergangenen Spielzeit führte Kohfeldt Gespräche mit Johannes Eggestein und erklärte ihm seine Entscheidung. Auch während der Sommerpause seien beide in Kontakt geblieben, berichtete der Trainer. Sportchef Frank Baumann hatte frühzeitig betont, dass Werder weiter mit Eggestein plant. Nun betonte auch Kohfeldt: „Ich würde gerne mit ihm weiterarbeiten und glaube an sein Potenzial. Ich freue mich darauf, mit ihm den Weg weiterzugehen.“

Johannes Eggestein ist als U21-Nationalspieler - zuletzt war er sogar Kapitän des Teams - ein aussichtsreicher Kandidat für eine Olympia-Teilnahme im kommenden Jahr. Dafür braucht er regelmäßige Einsätze. Dass der Stürmer nach den Erfahrungen der vergangenen Saison nun lieber woanders seine Chance suchen will, glaubt Kohfeldt aber nicht: „Er vermittelt den Eindruck, dass er diesen Weg auch weitergehen möchte.“ Als Eggestein mit dem Sprung aus dem Jugendbereich in die Bundesliga zunächst Probleme hatte, war Kohfeldt für ihn ein wichtiger Ansprechpartner. Beide kennen sich sehr gut, und das helfe in der jetzigen Situation, unterstrich der Trainer. „Unser Verhältnis ist so gut, dass da nichts bleiben wird.“

Auf der Suche nach seinem Platz

Kohfeldt erinnerte zudem daran, dass Eggestein in der vorletzten Saison seine Bundesliga-Tauglichkeit schon nachgewiesen habe. „Er war kurz davor, Stammspieler zu sein. Er war schon effektiv in der Bundesliga, trotzdem ist er weiterhin ein sehr junger Spieler.“ Wichtig für Johannes Eggesteins Zukunft wird auch sein, für welche Rolle Kohfeldt ihn einplant. Der Trainer hatte den gelernten Mittelstürmer erst zum Außenstürmer umgeschult und ihn dann auch im Mittelfeld als offensiven Achter eingesetzt. Wirklich gut fand sich Eggestein dort nicht zurecht.

Klar ist, dass sich der 22-Jährige in der neuen Saison viel Konkurrenz stellen muss. In der Offensive stehen die Etablierten Niclas Füllkrug, Davie Selke, Josh Sargent, Leonardo Bittencourt und Yuya Osako zur Verfügung. Mit Oscar Schönfelder und Johan Mina sind zwei Perspektivspieler neu dazu gekommen. Youngster Nick Woltemade soll weiter seine Chancen erhalten. Zudem ist Milot Rashica immer noch da, auch wenn er weiterhin verkauft werden soll. Neue Spieler könnten noch dazukommen. Angesichts der vielen Offensivoptionen plant Werder erwartungsgemäß nicht mehr mit Martin Harnik, der zuletzt an den Hamburger SV verliehen war und beim Trainingsauftakt fehlte. Der Routinier soll sich einen neuen Verein suchen, Johannes Eggestein dagegen darf bleiben, steht allerdings vor einer richtungsweisenden Saison in seiner noch jungen Karriere.

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