Kohfeldt zufrieden mit Testspielen in Lohne

Der Tag der schönen Tore

Zwei Spiele, zwei Siege, fünf Tore, kein Gegentreffer - Werder hat in Lohne gegen Groningen und St. Pauli insgesamt überzeugt. Trainer Florian Kohfeldt zeigte sich mit dem Doppeltest zufrieden.
29.08.2020, 20:36
Lesedauer: 4 Min
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Der Tag der schönen Tore
Von Christoph Bähr
Der Tag der schönen Tore

Das Tor von Johannes Eggestein gegen Groningen war für Florian Kohfeldt das schönste des Tages.

nordphoto

Die Frage nach dem schönsten Tor des Tages war gar nicht so einfach zu beantworten. Tahith Chong hatte nach einem herrlichen Solo getroffen. Milot Rashica hatte den Ball aus der Distanz trocken unter die Latte gehämmert. Florian Kohfeldt wiederum nannte einen Treffer, den die meisten Zuschauer wohl eher nicht als besonders spektakulär in Erinnerung behielten. „Das Tor von Johannes Eggestein mit dem Pass von Patrick Erras davor war wunderbar herausgespielt“, schwärmte der Werder-Trainer. Dass die Diskussion über schöne Tore in dieser Ausführlichkeit geführt werden konnte, macht deutlich: Werder hat die starke Frühform auch beim Doppeltest in Lohne bestätigt. Die Bremer gewannen am Sonnabend gegen den niederländischen Erstligisten FC Groningen mit 4:0 und anschließend gegen den Zweitligisten FC St. Pauli mit 1:0.

„In der Summe bin ich zufrieden“, bilanzierte Kohfeldt. Seine Mannschaft hat nun alle bisherigen fünf Testspiele dieses Sommers gewonnen. Nach dem 4:2-Erfolg über Austria Lustenau zum Abschluss des Zillertal-Trainingslagers hatte Kohfeldt trotzdem die vielen Nachlässigkeiten kritisiert – und fand damit offenbar Gehör bei seinen Spielern. „Dieses Mal war ich mit der Mentalität zufrieden“, betonte der Coach.

Kohfeldt hatte im Vorfeld den Schwerpunkt auf die defensive Stabilität gelegt. „Und wir haben in 180 Minuten wenige Chancen zugelassen“, hielt er nach den zwei Partien zufrieden fest. Im ersten Spiel des Tages gegen Groningen wurde es den Bremern allerdings auch ziemlich leicht gemacht. Die Niederländer, die ohne ihren Star Arjen Robben angereist waren und nach wenigen Minuten den verletzten Gabriel Gudmundsson auswechseln mussten, wirkten von Anfang an schläfrig, passten den Ball diverse Male einfach ins Aus. Werder dagegen ging enorm bissig zur Sache. In der zehnten Minute verwertete Josh Sargent eine Vorlage von Ludwig Augustinsson trocken zum 1:0. Fünf Minuten später folgte die Co-Produktion von Erras und Johannes Eggestein, die Kohfeldt besonders gut gefiel.

Lob und Tadel für Chong

Werder setzte sich phasenweise am gegnerischen Strafraum fest. Der starke Nick Woltemade passte auf Eggestein, der an Torhüter Sergio Padt scheiterte. Leonardo Bittencourt staubte zum 3:0 ab (24.). Wenig später zeigte Tahith Chong das, was alle bei Werder von ihm sehen wollen: ein furioses Tempodribbling. Die Leihgabe von Manchester United schnappte sich entschlossen den Ball, lief den Groninger Abwehrspielern einfach davon und schoss zum 4:0 ein (34.). „In der Offensive kann er uns richtig Spaß bereiten“, sagte Kohfeldt über Chong. „Defensiv waren aber noch ein, zwei Situationen dabei, in denen er uns Probleme bereitet hat.“ Im zweiten Durchgang wurde Groningen etwas besser, ohne Werder wirklich unter Druck setzen zu können. „Ihr mannorientiertes Pressing kam uns entgegen. Dadurch konnten wir uns aus vielen Situationen spielerisch befreien“, analysierte Kohfeldt.

Gegen St. Pauli bekam es Werder mit einem deutlich kompakteren Gegner zu tun. Genau das hatte Kohfeldt auch erwartet, allerdings überraschten ihn die Hamburger mit ihrer Abwehrformation. Der Bremer Trainer rechnete mit einer Viererkette, die von den zwei Stoßstürmern Davie Selke und Niclas Füllkrug beschäftigt werden sollte. St. Pauli agierte jedoch mit einer Dreierkette, machte das Zentrum zu und stellte Werder damit vor Probleme. Selke und Füllkrug, die erstmals zusammen im Sturm spielten, harmonierten zudem nicht wirklich gut. „Ich muss sie aber in Schutz nehmen“, betonte Kohfeldt. „Unsere Spielausrichtung war nicht gut, weil wir St. Pauli anders erwartet hatten. Trotzdem sind beide immer wieder gut angelaufen.“

Rashica zeigt seinen Wert

Die gefährlichen Strafraumszenen, die sich viele von der Kombination Selke/Füllkrug erhofft hatten, blieben aus. Nur einmal legte Füllkrug clever ab für Ilia Gruev, der an Torwart Dennis Smarsch scheiterte (25.). Das Bremer Siegtor resultierte dann aus einer starken Einzelaktion von Milot Rashica, der aus 18 Metern sehenswert ins Netz traf (43.). Der Flügelstürmer zeigte somit einmal mehr, wie wertvoll er für Werder auf dem Platz sein kann. Aus finanziellen Gründen soll Rashica aber weiterhin verkauft werden. Helfen Tore wie am Sonnabend bei diesem Vorhaben? „Ich habe mich darüber jetzt nicht mehr gefreut als sonst. Ich weiß, dass Milot so etwas kann“, wiegelte Sportchef Frank Baumann ab.

Die zweite Hälfte wurde für Werder vor allem zu einer konditionellen Herausforderung. Während der Zweitligist fast komplett durchwechselte, mussten sich viele Bremer Spieler durchbeißen. Nur Niklas Moisander durfte bei seinem Comeback nach einem Muskelfaserriss schon zur Pause in der Kabine bleiben. Torchancen gab es auch in der zweiten Hälfte für die 500 Zuschauer in Lohne nur wenige zu sehen. St. Pauli hätte den Ausgleich erzielen müssen, doch Christian Stark scheiterte freistehend an Werder-Torwart Eduardo Dos Santos Haesler (74.). Auf der anderen Seite schoss Selke ans Außennetz (80.).

Nach den zwei Siegen von Lohne bekommen die Werder-Profis nun etwas Zeit zum Durchatmen. Am Sonntag steht ein Regenerationstraining auf dem Programm, dann folgen zwei freie Tage. Es gebe aber keinen Grund, sich zufrieden zurückzulehnen, betonte Kohfeldt. „Wir müssen den Ball flach halten. Mit Blick auf die Saison haben die Testspielsiege nichts zu bedeuten.“ Zufrieden sei er dennoch mit dem Stand der Vorbereitung, sagte Kohfeldt. „Es ist Feuer drin. Wir haben einen richtigen Konkurrenzkampf.“

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