Baumann über einen Saisonabbruch

„Es braucht eine sportlich gute und faire Lösung“

Werders Sportchef Frank Baumann hat sich zu den Entscheidungen der DFL-Versammlung am Donnerstag geäußert und eine faire Lösung für den möglichen Fall eines Saisonabbruchs gefordert.
14.05.2020, 18:37
Lesedauer: 4 Min
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„Es braucht eine sportlich gute und faire Lösung“
Von Christoph Bähr
„Es braucht eine sportlich gute und faire Lösung“

Werders Sportchef Frank Baumann hat sich zu den Entscheidungen der DFL-Versammlung geäußert.

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Maximal 50 Versuche hat Florian Kohfeldt noch, um das viel beschworene goldene Händchen eines Trainers wiederzuentdecken. Bisher hat Werders Coach in der laufenden Saison noch keinen Spieler eingewechselt, der dann ein Tor erzielte – bei insgesamt 71 Versuchen. In den verbleibenden zehn Partien der Bremer darf nun sogar fünfmal statt dreimal ausgewechselt werden. Rein statistisch erhöht sich dadurch immerhin die Wahrscheinlichkeit, dass mal ein Werder-Joker trifft, wenngleich es natürlich auch genügend Spieler auf der Bank braucht, die die nötigen Qualitäten dafür mitbringen. Vor allem daran haperte es beim Tabellenvorletzten bislang.

Auf die fünf Auswechslungen pro Mannschaft einigten sich die 36 Profiklubs am Donnerstag bei der Mitgliederversammlung der Deutschen Fußball Liga (DFL). Diese Möglichkeit hatte das für das Regelwerk verantwortliche International Football Association Board (IFAB) den Ligen eröffnet, um die Belastung für die Spieler besser dosieren zu können. Wenn am Wochenende die Bundesliga wieder startet, müssen schließlich neun Spieltage plus Werders Nachholspiel gegen Frankfurt in kurzer Zeit absolviert werden.

Nicht zu viele Wechsel auf einmal

Damit das Spiel nicht andauernd für Auswechslungen unterbrochen wird, gibt es drei Wechselgelegenheiten pro Partie einschließlich der Halbzeitpause. Werders Sportchef Frank Baumann erklärte dazu in einer Mitteilung seines Klubs: „Wir haben über die Kommission Fußball versucht, die Einwechslungen pro Slot zu begrenzen. Das ist allerdings vom IFAB nicht genehmigt worden. Wir würden uns aber weiter dafür einsetzen, zwei bis maximal drei Spieler gleichzeitig wechseln zu können, weil wir der Meinung sind, dass eine Einwechselung von fünf Spielern gleichzeitig ein Spiel deutlich verändern kann.“

Das Thema Auswechslungen war relativ einfach zu handhaben, denn es herrschte diesbezüglich ein breiter Konsens unter den Vereinen, ganz im Gegenteil zum großen Streitthema Saisonabbruch. Die DFL hatte im Vorfeld der Versammlung vorgeschlagen, die Tabelle zu werten, die zum Zeitpunkt eines möglichen Abbruchs aktuell ist. Es würde dann einen Meister und auch zwei Absteiger geben, ohne dass alle 34 Spieltage absolviert worden wären. Mehrere Vereine, darunter Werder, hatten sich vehement gegen den DFL-Plan ausgesprochen. „Wir sprechen von einer Entscheidung, die unglaublich viel nach sich zieht für die Klubs und die Liga. Da kann man nicht mal so eben ein paar Tage vor Spielbeginn eine solche Entscheidung mit dieser Tragweite treffen“, hatte Werders Aufsichtsratschef Marco Bode kritisiert.

Werder und andere Klubs haben nun immerhin erreicht, dass am Donnerstag noch keine Entscheidung fiel. Das Thema Saisonabbruch sei „nicht vertiefend erörtert“ worden, teilte die DFL mit. In den kommenden beiden Wochen solle eine Regelung entwickelt werden, wie mit einem vorzeitigen Ende der Spielzeit umzugehen ist. Baumann forderte, man müsse „am Ende zu einer sportlich guten und fairen Lösung kommen, die ebenso die besondere Situation durch die Pandemie abbilden sollte.“ Es dürfe dabei keine Denkverbote geben. Baumann zeigte sich optimistisch: „Nachdem es in dieser Frage durch den DFL-Antrag kurzfristig zu Diskussionen in der Liga gekommen ist, war am Donnerstag ein gemeinsames Interesse an einer Lösung in der gesamten Liga spürbar und wir hoffen, dass die Solidarität in der Liga gerade in der für alle schwierigen Phase weiter erhalten bleibt.“

Gespräche mit Spielern geplant

Bode sieht den besten Weg darin, abzuwarten und nur im Falle eines tatsächlichen Abbruchs zu reagieren. „In dem Moment, in dem es nicht mehr geht, sollten man schauen, wo die Ursachen liegen, was die Gründe sind, wie die Situation aussieht, und dann die bestmögliche Entscheidung treffen", hatte er gesagt. In der Aussage von Werders Aufsichtsratschef spiegelt sich die Hoffnung wider, die wohl alle Klubs haben: dass die Saison trotz der Coronavirus-Pandemie beendet werden kann. Dementsprechend bekräftigten die 36 Profiklubs während der DFL-Versammlung einstimmig bei einer Enthaltung die Absicht, die laufende Spielzeit inklusive Relegation vollständig auszutragen, soweit dies rechtlich zulässig ist. Falls nötig soll dafür bis in den Juli hinein gespielt werden, auch wenn Spieler- und Sponsorenverträge Ende Juni enden. Baumann kündigte an: "Wir werden natürlich mit unseren Spielern, deren Verträge am 30. Juni auslaufen, Lösungen erarbeiten müssen. Wir werden diese Gespräche mit aber erst führen, wenn absehbar wird, dass wir tatsächlich bis in den Juli hinein spielen werden."

Um bei einer Ausdehnung der Saison terminlich flexibel zu sein, bekam das DFL-Präsidium weitere Befugnisse zugesprochen. Gemäß dem Beschluss der Versammlung kann der Ligaverband das Ende der aktuellen Saison und den Beginn der kommenden Spielzeit „unter Berücksichtigung der Vorgaben der Fifa und des DFB“ bestimmen und die Transferfenster im Sommer und Winter verändern. Darüber hinaus stimmten die Klubs dafür, dass das DFL-Hygienekonzept rechtlich verbindlich ist. Die Vorgaben für den Spielbetrieb in Corona-Zeiten werden somit als Anhang in die DFL-Spielordnung übernommen.

Die fünfte Entscheidung vom Donnerstag könnte speziell für Werder wichtig werden: Es besteht nun die Möglichkeit, ein Spiel aus rechtlichen, organisatorischen oder sicherheitstechnischen Gründen in einem anderen Stadion auszutragen. Sollte also Bremens Innensenator Ulrich Mäurer erneut eine Partie absagen, könnte Werder relativ kurzfristig umziehen. Davon gehe er aber nicht aus, sagte Baumann.

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