Baumann über Zugang Johan Mina „Ein ähnlicher Typ wie Micoud"

Der Vorname ist in Bremen Programm, da liegt ein Vergleich zwischen Johan Micoud und Johan Mina nah. Frank Baumann will die Erwartungen an den Spielmacher aus Ecuador dennoch nicht zu hoch hängen.
06.06.2020, 16:43
Lesedauer: 3 Min
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„Ein ähnlicher Typ wie Micoud
Von Christoph Sonnenberg

Am Sonnabend hat Frank Baumann erstmals über den Zugang Johan Mina gesprochen, den Werder am Freitag zuvor verkündet hatte. Im Rahmen einer virtuellen Pressekonferenz gab Baumann Auskunft, wie das Scouting des 18-Jährigen Ecuadorianers in Corona-Zeiten abgelaufen ist, welche Pläne Werder mit Mina hat und welche eher nicht. Immer wieder hat er darauf hingewiesen, die Erwartungen an jungen Mann, an dem wohl auch der FC Barcelona und Chelsea London Interesse hatten, nicht zu hoch hängen. „Er ist auch kommende Saison noch U19 Spieler", sagte Baumann und ordnete ihn damit als Jugendspieler ein.

Das funktionierte so lange, bis Baumann auf den Vornamen Minas angesprochen und gefragt wurde, welche Erinnerungen dieser in ihm auslösen würde. Johan, dass weiß jeder grün-weiß angehauchte, steht in Bremen für Micoud. Der Stratege hinter dem Double-Gewinn 2004, der König des ersten Passes. Da ergeht es Baumann, der Micoud in seinen vier Werder-Jahren den Rücken frei hielt, nicht anders. Und so rutsche ihm ein Vergleich raus, der die Erwartungen mal eben auf Legenden-Niveau schraubte: „Ich muss sagen, dass er ein ähnlicher Spielertyp ist. Johan Micoud war auch ein Spieler, der die Mitspieler unheimlich gut einsetzen konnte. Das bringt der junge Johan auch mit."

Ist Werder ein Kunststück gelungen?

Schon mit dem nächsten Satz versuchte Baumann, die vorherigen wieder einzufangen. „Wir waren gerade dabei, dass wir die Erwartungshaltung nicht zu hoch setzen, deswegen wären Vergleiche mit Le Chef nicht angebracht." Aber da stand er natürlich schon im Raum, dieser Vergleich. Und mit ihm die Frage, ob Werders Scoutingabteilung nach zuletzt wenig kreativen Transfers wie Ömer Toprak, Leonadro Bittencourt, Michael Lang oder Kevin Vogt ein kleines Kunststück gelungen ist.

Begehrt war Mina wohl von einigen Klubs. „Er war nicht nur uns bekannt sondern auch sehr vielen anderen in Europa", sagte Baumann. Mina selbst begründete seine Unterschrift bei Werder auch mit der langen Tradition an Spielern aus Südamerika, die hier gut zurecht gekommen sind. Bei ihm dürfte das ein bisschen mehr Zeit in Anspruch nehmen. Was unter anderem daran liegt, dass Mina sich von seinem letzten Klub CS Emelec nicht im Guten trennte. Ende 2018 hat er dort sein letztes Klub-Pflichtspiel bestritten, weil beide Seiten keine Einigung über einen neuen Vertrag erzielten. Seitdem hat nur trainiert oder in Auswahlmannschaften Ecuadors gespielt, Spielpraxis hat er also seit eineinhalb Jahren fast gar nicht.

Keine Spielberechtigung für die U23

Im Einsatz war Mina bei der U17-Südamerikameisterschaft und der U17-WM. „Dort haben wir ihn jeweils sehr intensiv vor Ort beobachtet„, sagte Baumann. Mina habe bei beiden Turnieren „sehr gute Leistungen gezeigt.“ Was diese Leistungen möglich machen, hat der Sportchef recht klar umrissen: „Ein offensiver Mittelfeldspieler, der torgefährlich werden kann. Er ist ein sehr spielintelligenter Fußballer, dessen größte Stärke aus meiner Sicht die Fähigkeit ist, die anderen Spieler mit seinen Pässen und Flanken einzusetzen.„ Aber eben dennoch bis auf weiteres ein Perspektivspieler. Und die Anpassung wird länger dauern, so der Sportchef: „Johan ist in der nächsten Saison nicht direkt für die Bundesliga vorgesehen, er wird kein fester Bestandteil des Kaders sein. Er wird seine Zeit brauchen.“

Die Situation erinnert ein wenig an die von Josh Sargent, der nach seinem Wechsel zu Werder 2018 ein knappes halbes Jahr keine Spiele bestreiten durfte, da er nach Ablauf der Transferperiode im Februar kam. „Die Akklimatisierung wird über das Training stattfinden", sagt Baumann. Einsätze könnte Mina auch im Juniorenbereich haben, angedacht ist das aber wohl nicht. In der U23 darf er nicht spielen, wie Baumann erklärte, da er „aufgrund seines Passes keine Spielberechtigung haben wird". Auch das könnte den Prozess der Integration verlängern. Dennoch stellt Baumann klar: „Eine direkte Ausleihe ist ausgeschlossen."

Ein wenig Phantasie weckt der Transfer Minas in jedem Fall. Florian Kohfeldt befeuert sie, indem er sagt: „Er ist ein fußballerisch sehr starker Spieler, der gerade im Offensivspiel über Fähigkeiten verfügt, die in seiner Altersstufe – nicht nur in seinem Land – herausragend sind."

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