Füllkrug und Bargfrede fehlt die Fitness

Werders physisches Problem

Fußballerisch waren am Donnerstag wenig Unterschiede zu sehen zwischen Werder und Heidenheim. Körperlich war der Zweitligist überlegen. Was auch daran lag, dass gleich zwei Bremern die nötige Fitness fehlt.
04.07.2020, 12:39
Lesedauer: 2 Min
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Von Christoph Sonnenberg und Christoph Bähr
Werders physisches Problem
Nordphoto

Wild sah es aus und wütend auch, als nach Ende der 90 Minuten Florian Kohfeldt und Niclas Füllkrug auf dem Rasen des Weserstadions aufeinander trafen. Sie diskutierten, gestikulierten und irgendwann packte Kohfeldt Füllkrug sogar am Kragen des Trikots. „Das war nichts", wehrte Füllkrug später am Mikrofon der Fernsehsender die Vermutung ab, es habe geknallt zwischen Trainer und Spieler. Danach sah es aus. Es sei der Frust gewesen über das 0:0 gegen Heidenheim, sagte hingegen der Stürmer.

Ein nachvollziehbarer Grund, beide dürften sich den Abend komplett anders vorgestellt haben. Am Ende hatte Heidenheim gar den Sieg vor Augen, vier Ecken am Stück servierten sie in den Bremer Strafraum. Es war eine Erleichterung, als Schiedsrichter Felix Zwayer dem Elend ein Ende machte. Füllkrug stand da schon nicht mehr auf dem Platz. In der 65. Minute durfte er runter, es war der längste Einsatz seit seinem persönlichen Re-Start nach überstandenem Kreuzbandriss. Gegen Mainz und Köln war nach 45 Minuten Schluss.

Buschi setzte Füllkrug zu

Keiner hat in dieser vermaledeiten Saison die Hoffnung mehr verkörpert als Füllkrug. Gegen Paderborn, mehr noch gegen Köln konnte er dem gerecht werden. Auch weil er jeweils ein Tor erzielte. Ein physisch starker Gegner wie Heidenheim hat Füllkrugs körperliche Defizite schonungslos offenbart. Ohne Vorbereitung und Testspiel kehrte er in die Mannschaft zurück. Es ist die Hoffnung auf einen genialen Moment, der Glauben an seine Präsenz, die Füllkrugs Einsätze begleitet.

Gegen Heidenheim war diese Hoffnung früh dahin. Der schnelle Rechtsverteidiger Marnon Busch, genannt Buschi, setzte Füllkrug bis zu dessen Verzweifelung zu. Angefeuert von den Heidenheimer Ersatzspielern, die jeden gewonnenen Zweikampf wie die Entdeckung des Feuers bejubelten, lief der ehemalige Bremer zur Höchstform auf. Im Zentrum prallte Füllkrug an den hünenhaften Verteidigern Beermann und Mainka ab.

Was wird aus Bargfrede?

„Niclas tut uns mit seiner Qualität und als Typ sehr gut. Und er wird auch am Montag ein wichtiger Faktor werden", sagt Frank Baumann. Was richtig ist, die mangelnde Fitness bleibt trotzdem eine Tatsache, gegen Heidenheim fiel sie ins Gewicht. Werder setzte auf Profis, die aktuell körperlich nicht in der Lage sind, stabil auf höchstem Niveau zu spielen. Neben Füllkrug war das Philipp Bargfrede.

Als Ersatz für den gelb-gesperrten Kevin Vogt sollte Bargfrede Werders Spiel strukturieren und gegnerische Konter unterbinden. Doch auch bei ihm wurde durch aggressive, spritzige Heidenheimer deutlich, woran es hapert. Bargfredes Spiel hat eine starke physische Komponente. Ohne richtige Fitness fehlt das, was ihn ausmacht. Ohne dauerhaftes Training, durch immer wieder aufbrechende Verletzungen vereitelt, kann es keine echte Fitness geben. Ob der nun 31-Jährige diesem Kreislauf nochmal entkommt, ist ungewiss.

Im Umfeld des Klubs hält sich das Gerücht, der Vertrag Bargfredes ende im Sommer. Baumann mag das nicht kommentieren, er bleibe dabei, „zu Vertragslaufzeiten nichts zu sagen„. Wenn im Sommer Schluss sein sollte, dürfte es Bargfrede selbst sein, der diese Entscheidung verkündet. Sorgen müsste man sich um ihn nicht machen. Sein Vertrag bei Werder, wie lange er auch läuft, enthält eine Anschlussregelung, er würde dem Verein künftig in anderer Funktion erhalten bleiben. Ob das zeitnah der Fall ist? Das will Baumann natürlich nicht verraten. Er bittet um Geduld: „Spätestens beim Trainingsstart wird zu merken sein, ob Philipp da ist oder nicht.“

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