Im Mittelfeld fehlt der große Konkurrenzkampf

Das Loch in der Mitte

Florian Kohfeldt muss auf vielen Positionen genau überlegen, wer es in die Stammelf schafft. Im Mittelfeld allerdings stehen ihm deutlich weniger Alternativen zur Verfügung als in der Abwehr und im Sturm.
01.09.2020, 14:40
Lesedauer: 3 Min
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Das Loch in der Mitte
Von Christoph Bähr
Das Loch in der Mitte
nordphoto /Kokenge

Florian Kohfeldt bereitet momentan vor allem Freude, dass es bei Werder wieder einen echten Wettbewerb um die Stammplätze gibt. In der vergangenen Saison hatte genau dieser über weite Strecken gefehlt. „Es ist Spannung da und der Konkurrenzkampf, den wir sehen wollen. Das macht es dem Trainer wieder etwas schwieriger, Positionen zu vergeben“, sagte der Coach. In der Tat bieten sich Kohfeldt vor allem in der Offensive sehr viele Alternativen. Auch in der Abwehrkette gibt es für jede Position mindestens zwei Bewerber. Das Mittelfeld hingegen stellt sich immer noch fast von alleine auf.

Dort klaffte schon in der abgelaufenen Spielzeit die größte Lücke. Auf den Achter-Positionen spielten praktisch immer Maximilian Eggestein und Davy Klaassen. Beide durchliefen Formtäler, doch Alternativen gab es kaum. Der lange Ausfall von Kevin Möhwald (Knie-Schaden) schmerzte enorm. Kohfeldt sehnte die Rückkehr von Möhwald herbei und lobt immer wieder dessen Dynamik auf dem Platz und dessen Qualitäten als Führungsspieler.

Klaassen und Möhwald angeschlagen

Inzwischen ist Möhwald zurück, muss aber noch behutsam wieder aufgebaut werden. Zudem verletzte er sich kürzlich leicht am Sprunggelenk. Davy Klaassen steigt nach einer Kapselverletzung im Knie voraussichtlich im Laufe der Woche wieder ins Training ein. Als Werder ohne die beiden Mittelfeldspieler in Lohne gegen Groningen und St. Pauli spielte, zeigte sich somit, wie schnell eine personelle Lücke im Mittelfeld entstehen kann. Bei den beiden Testspielsiegen fiel das noch nicht groß auf, gegen stärkere Gegner könnte es schon eher zum Problem werden.

Mit Romano Schmid, der nach einer Leihe vom Wolfsberger AC zu Werder zurückgekehrt ist, und Ilia Gruev stehen zwei hoffnungsvolle Mittelfeldtalente im Kader. Gruev ist eine zusätzliche Alternative für die Sechser-Position. Schmid hat in Wolfsberg schon Europa-League-Erfahrung gesammelt und gezeigt, dass er auf der Achter-Position eine Bereicherung sein kann. Wie schnell sich die beiden Youngster in der Bundesliga zurechtfinden, wird sich zeigen.

Neben Gruev sind für die Sechser-Position momentan vor allem Patrick Erras und auch Maximilian Eggestein eingeplant. Werder sucht weiterhin einen neuen Spieler für das defensive Mittelfeld. Ob tatsächlich einer kommt, ist offen. Das hänge davon ab, ob noch Spieler verkauft werden und ob sich eine bezahlbare Verstärkung finden lasse, betont Sportchef Frank Baumann stets, wenn er danach gefragt wird. Nicht ausgeschlossen also, dass es bei der aktuellen Mittelfeldbesetzung bleibt.

Woltemade zeigt gute Ansätze

Zumindest in die ersten Pflichtspiele geht Werder wohl mit dem jetzigen Personal. Erras und Eggestein konkurrieren um den Platz im defensiven Mittelfeld. Eggestein fehlt somit möglicherweise auf der Achter-Position. Hier behilft sich Kohfeldt derzeit damit, Spieler aus der großen Offensivabteilung ins Mittelfeld zurückzuziehen, um zusätzliche Alternativen zu haben. Leonardo Bittencourt und Yuya Osako können auch auf der Achter-Position oder im Falle einer Mittelfeld-Raute auf der Zehner-Position spielen. Nick Woltemade zeigte in den Testspielen als offensiver Achter gute Ansätze.

Kohfeldt betonte: „Ich weiß, dass es häufig so schien, als wären gewisse Spieler gesetzt. Natürlich bildet sich eine Struktur heraus, aber es sind alle herzlich eingeladen, um die Plätze zu kämpfen.“ Und dennoch könnte es gut sein, dass im Mittelfeld bei einem 4-3-3-System letztlich doch wieder Klaassen und Eggestein gesetzt sind, solange Möhwald noch Zeit benötigt. Gute Chancen auf den dritten Platz hat derzeit Erras, den Kohfeldt bereits mehrmals lobte. Sollte nach den Abgängen von Philipp Bargfrede und Nuri Sahin sowie der beendeten Ausleihe von Kevin Vogt noch ein gestandener neuer Mittelfeldspieler kommen, würde das dem Konkurrenzkampf und der Balance im Zentrum des Werder-Spiels zweifellos guttun.

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