In der Innenverteidigung ist die Auswahl groß

Zwei Duelle der Generationen

In der Innenverteidigung hat Florian Kohfeldt die volle Auswahl. Für welches Duo er sich letztlich entscheidet, ließ der Werder-Trainer noch nicht durchblicken.
11.09.2020, 16:22
Lesedauer: 3 Min
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Von Stefan Rommel
Zwei Duelle der Generationen

Marco Friedl, Niklas Moisander, Ömer Toprak und Milos Veljkovic sind die heißesten Anwärter auf die zwei Plätze in der Innenverteidigung.

nordphoto

Besonders erfolgreich war Marco Friedls Ausflug in die Heimat nicht. Mit Österreichs U21 setzte es in der EM-Qualifikation zwei Niederlagen, darunter ein 1:5 gegen Albanien. Auch für den an Kummer gewöhnten österreichischen Fußball war das ein herber Schlag, für den neuen Kapitän Friedl der schlimmstmögliche Einstand und ein kleiner persönlicher Rückschlag nach zuvor fast durchweg positiven Wochen. Der 22-Jährige darf schließlich als einer der Gewinner der Bremer Vorbereitung durchgehen.

Vor den ersten beiden Pflichtspielen der Saison am Sonnabend gegen Carl Zeiss Jena im Pokal und dann eine Woche später zum Bundesliga-Auftakt gegen Hertha BSC stehen Florian Kohfeldt alle Innenverteidiger zur Verfügung. Eine ungewohnte Situation für den Werder-Trainer, der in der vergangenen Saison im Abwehrzentrum dauerhaft improvisieren musste und nun aus einem Quintett die freie Auswahl hat.

Punktlandung bei den Innenverteidigern

Werder legt dabei offenbar eine Punktlandung hin, die Vorbereitung verlief schließlich nicht für alle zentralen Abwehrspieler so reibungslos wie für Friedl, der voll durchziehen konnte. Niklas Moisander (Wadenverletzung) verpasste ebenso mehrere wichtige Trainingstage wie Ömer Toprak (Sprunggelenk) und Milos Veljkovic (Nachwehen eines Muskelfaserrisses). Allzweckwaffe Christian Groß versäumte aus privaten Gründen das Trainingslager im Zillertal.

In den Endzügen der Vorbereitung sind aber alle Spieler wieder fit und belastbar. Auch Toprak, der als Letzter in den Regelbetrieb eingestiegen war und aufgrund seiner leidigen Vorgeschichte mit einer wegen diverser Verletzungen verkorksten Saison behutsam an das Wettkampfniveau herangeführt wird. Im Laufe der vergangenen Saison hatte sich Kohfeldt - etwas voreilig vielleicht - auf Toprak als einen von zwei, unter Umständen drei, Innenverteidigern festgelegt. „Ömer ist ein Führungsspieler und für mich gesetzt“, sagte Kohfeldt im vergangenen Herbst im Gespräch mit dem WESER-KURIER. Toprak hat Werder allerdings seit dem Frühjahr gefehlt und nun auch nicht alle Vorbereitungsspiele absolviert, der Spieler dürfte das geforderte Wettkampfniveau noch nicht mitbringen.

Für den Saisonstart dürfte deshalb Veljkovic als rechter Innenverteidiger leicht favorisiert sein. Auch Veljkovic fehlt zwar der Rhythmus, ein Einsatz des Serben erscheint aber weniger riskant als der von Toprak. Groß als dritter Rechtsfuß bleibt die Absicherung im Hintergrund. Es ist schwer vorstellbar, dass Kohfeldt in einer vergleichsweise komfortablen Personalsituation wie dieser auf den Routinier zurückgreift.

Moisanders Leistungsabfall

Auf der Position des linken Innenverteidigers sei die Wahrscheinlichkeit groß, dass Moisander gegen Jena spiele, erklärte Kohfeldt, kurz nachdem er den Finnen erneut zum Kapitän ernannt hatte. Auf längere Sicht könnte aber Friedl die Nase gegenüber Moisander vorne haben. Das wäre ein kleiner Kulturbruch, schließlich war ein gesunder Moisander in den vergangenen Jahren eine Instanz auf seiner Position. Allerdings schlichen sich - auch aufgrund diverser Verletzungen - in den vergangenen Monaten immer wieder kleinere und größere Fehler in Moisanders Spiel ein. Ein langsamer Leistungsabfall war auszumachen und bietet nun die große Chance für Friedl auf einen Stammplatz.

Als linker Innenverteidiger sollte Friedl sein Potenzial am besten ausschöpfen können und auf Dauer den bald 13 Jahre älteren Moisander verdrängen. So ist jedenfalls der Plan. Weshalb der Trainer auch nicht aufhört, den Spieler weiter zu kitzeln. In der Vergangenheit musste Kohfeldt Friedl schon das eine oder andere Mal namentlich erwähnen, als Fragen nach entscheidenden Fehlern einzelner Spieler gestellt wurden. Neulich ging Kohfreldt aber fast ungefragt hart mit dem Österreicher ins Gericht.

Kohfeldt bleibt fordernd

Gegen Lustenau im Trainingslager habe er ein „richtiges Scheiß-Spiel“ gemacht, sagte Kohfeldt nach dem 4:0 zwei Wochen später gegen Groningen und ließ in den Nachsätzen die Intention seiner durchaus harten Kritik erahnen. „Er muss dran bleiben, sein Potenzial schätze ich total. So wie er heute gespielt hat, das muss die Normalität sein. Er muss diesen Sprung jetzt schaffen, es konstant abzurufen. Die Spannung muss da sein. Dann ist Marco auf dem Weg zu einem sehr guten Innenverteidiger in der Bundesliga.“ Der Trainer will offenbar verhindern, dass es sich der Spieler in seiner Position bequem macht.

Bliebe für die ersten Spiele der Saison trotz der personell guten Ausgangslage nur noch ein Problem: So richtig einspielen konnte sich kein Innenverteidiger-Duo. Das wäre allerdings spätestens gegen einen Gegner wie Hertha BSC durchaus von Vorteil gewesen. Die Abläufe im gegenseitigen Absichern, in der Tiefenstaffelung, im Herausrücken oder Durchsichern wollen sauber abgestimmt sein.

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