Zusage für Training und Geisterspiele

Mäurer macht Werder den Weg frei

Bremens Innensenator Ulrich Mäurer hat Werder den Weg für eine Wiederaufnahme des Bundesliga-Alltags geebnet. Ab sofort darf mannschaftlich trainiert werden, auch Geisterspiele sollen stattfinden. Vorerst.
06.05.2020, 18:46
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Mäurer macht Werder den Weg frei
Von Malte Bürger
Mäurer macht Werder den Weg frei

Innensenator Ulrich Mäurer hat aktuell keine Bedenken bei der Austragung von Geisterspielen in Bremen.

dpa

Es war nur ein ganz kurzer Satz, aber er war doch von enormer Bedeutung. „Werder kann trainieren“, sagte Ulrich Mäurer (SPD) beinahe beiläufig. Bremens Innensenator hatte somit im Gespräch mit dem WESER-KURIER den Weg für das frei gemacht, was sich die Profis und Verantwortlichen schon länger wünschen: ein Üben in der Gemeinschaft. Wo bislang nur in Kleingruppe trainiert werden konnte, darf es nun also in geschlossener Mannschaftsstärke auf den Rasen gehen. Mäurer jedenfalls wird diesem Vorhaben vorerst keine Steine in den Weg legen.

Überhaupt gab sich der 68-Jährige am Mittwochnachmittag äußerst gelassen. Auch wenn er nicht verschwieg, dass ihm das Ergebnis der Konferenz zwischen den Ministerpräsidenten und Bundeskanzlerin Angela Merkel in puncto Wiederaufnahme des Bundesliga-Spielbetriebs überhaupt nicht gefiel. „Wir haben aus Bremer Sicht sehr, sehr deutlich gemacht, dass wir die ganze Angelegenheit für keine gute Idee halten“, sagte Mäurer. „Es ist eine Vorzugsbehandlung des Profifußballs, aber ich habe es erwartet, die Mehrheitsverhältnisse sind nun einmal so. Deshalb war es keine Überraschung, dass man heute den Sack zugemacht hat.“

Nun ist dieser Beschluss die eine Sache, die andere ist die Bremer Vorgeschichte. Bereits im vergangenen März sagte die Innenbehörde das geplante Geisterspiel gegen Bayer Leverkusen ab, weil aufgrund der zu erwartenden Menschenansammlungen die Gesundheit aller Beteiligten nicht garantiert werden könne. Erst später reagierte auch die Deutsche Fußball Liga (DFL) und strich bekanntlich den gesamten Spieltag vor der nun schon siebenwöchigen Pause. Und jetzt? Würde Mäurer wieder einschreiten, die Austragung verbieten und so Werder den Weg verbauen? „Wir müssen ja erstmal gar nichts genehmigen, sondern wir würden ja nur einschreiten, wenn zu erwarten steht, dass die Dinge völlig aus dem Ruder laufen“, erklärte er. „Wir schauen uns das erstmal mit aller Gelassenheit an und wenn das alles hier vernünftig läuft, dann habe ich auch keine Veranlassung, da einzuschreiten.“

Vor einiger Zeit klang das noch etwas anders, das Verhältnis zwischen Mäurer und einigen Teilen der Werder-Fans, besonders der Ultras, ist schließlich nicht das beste. Auch Vereinspräsident Hubertus Hess-Grunewald hatte unlängst in einem Interview mit dem WESER-KURIER darauf verwiesen, dass der Innensenator am liebsten eine „Garantie-Erklärung der Fanklubs“ hätte, dass sie auf dem Stadiongelände nicht auftauchen. Nun argumentierte er deutlich entspannter, von Bedenken keine Spur. „Wir haben keine Hinweise, dass es zu Versammlungen oder Auseinandersetzungen kommt. Deswegen warten wir die Entwicklung ab und schauen uns das an“, sagte Mäurer.

Gänzlich ausgeschlossen ist eine Absage deshalb aber nicht. „Es gibt einige Regeln, die man beachten muss, größere Ansammlungen sind weiter unzulässig. Wenn Tausende von Fans sich vor dem Stadion versammeln, haben wir ein Problem“, sagte Mäurer. „Genauso haben wir ein Problem, wenn die Zahl der Infizierten innerhalb der Mannschaften steigen sollte. Das sind alles Dinge, die wir nicht in der Hand haben. Es ist eine offene Partie, wie es weitergeht.“ Für Werder wäre es ein Fiasko, wenn im Weserstadion plötzlich tatsächlich nicht mehr gespielt werden könne, andernorts aber schon. Sportlich und finanziell. Letzterer Aspekt ist für Mäurers Handeln jedoch unerheblich. Städtisches Aushängeschild hin oder her. „Wir haben die Aufgabe, die innere Sicherheit zu garantieren. Da sind wirtschaftliche Aspekte nicht zu berücksichtigen. So ist einfach die Rechtslage“, sagte er. „Wenn also zu erwarten ist, dass unsere Bemühungen, das Virus einzudämmen, massiv konterkariert und gefährdet werden, dann müssen wir handeln. Da können wirtschaftliche Erwägungen dann keine Rolle spielen.“

Bislang gibt es derartige Anzeichen wie erwähnt nicht. Ohnehin blickt Ulrich Mäurer derzeit eher gespannt auf Werders Liga-Konkurrenten. Genauer gesagt ins Ruhrgebiet, wo möglicherweise gleich das brisante Revierderby zwischen Borussia Dortmund und Schalke 04 auf dem Spielplan stehen könnte. „Ich glaube nicht, dass die Fans hier in Bremen das große Problem sind. Aber die DFL haftet ja auch dafür, dass die Situation an anderen Orten nicht aus dem Ruder läuft - und da bin ich sehr gespannt, wie das in Dortmund der Fall sein wird.“

Bremens Innensenator hatte also einmal mehr den Ligaverband in die Pflicht genommen. So wie er es in der Vergangenheit schon häufig getan hat. „Es gibt eine klare Mehrheitsentscheidung der Ministerpräsidenten und Kanzlerin, dass gespielt werden soll. Die Verantwortung dafür liegt dann bei der DFL. Wir schauen einfach mal, wie dieser Spielbetrieb angeht und mit welchen Überraschungen wir konfrontiert werden.“ Es scheint, als wäre das letzte Wort also noch nicht wirklich gesprochen. Überhaupt meint Mäurer: „Ich bin noch immer nicht überzeugt davon, dass die Liga diese Saison auch wirklich zu Ende bringt.“

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+