Möhwald gegen Freiburg wieder eine Option

Ein großer Schritt für den Hoffnungsträger

Das Mittelfeld ist die große Baustelle bei Werder. Ein neuer Spieler kam nicht mehr, umso größer sind die Hoffnungen, die nun auf Kevin Möhwald ruhen, der gegen Freiburg sein Comeback geben könnte.
08.10.2020, 18:43
Lesedauer: 3 Min
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Ein großer Schritt für den Hoffnungsträger
Von Christoph Bähr
Ein großer Schritt für den Hoffnungsträger

Spielte gegen St. Pauli erstmals wieder 90 Minuten: Kevin Möhwald.

nordphoto

Das Timing passte. Seit Montag ist Davy Klaassens Wechsel zu Ajax Amsterdam perfekt, zwei Tage später kam Kevin Möhwald am Mittwochabend gegen St. Pauli (4:1) erstmals nach seiner Knieverletzung über 90 Minuten zum Einsatz. Auf dem Transfermarkt konnte Werder mangels finanzieller Möglichkeiten keinen Spieler mehr verpflichten, aber vielleicht kommt der Klaassen-Ersatz aus den eigenen Reihen? Möhwald spielt wie der abgewanderte Niederländer auf der Achter-Position. Er hat seine Qualität auch schon in der Bundesliga nachgewiesen, aber er braucht eben noch Zeit. Ende August 2019 stand der Mittelfeldspieler letztmals in der Bundesliga auf dem Platz, dann kam der Knieschaden. Nach dieser langen Zeit hütete sich Florian Kohfeldt verständlicherweise davor, Möhwald direkt zum Klaassen-Nachfolger erklären. „Nominell sind sie andere Spielertypen“, betonte der Werder-Trainer und fügte hinzu: „Kevin kann in Freiburg noch keine 90 Minuten spielen und wird auch bis zur nächsten Länderspielpause nicht Spiel für Spiel machen können. Aber er ist jetzt wieder eine Alternative, das ist wichtig.“

Gut möglich, dass Möhwald am 17. Oktober beim Auswärtsspiel in Freiburg erstmals wieder im Kader für eine Bundesliga-Partie steht. „Ich glaube schon, dass ich der Mannschaft in Teilen helfen kann. Wie groß diese Teile sind, entscheidet der Trainer“, sagte der 27-Jährige. Beim Testspielsieg gegen St. Pauli hat Möhwald schon einmal bewiesen, dass er sich 90 Minuten lang durchbeißen kann. Bei ihm klappte längst nicht alles, aber vor allem in der ersten Hälfte waren Möhwalds Qualitäten gut zu sehen. Er forderte den Ball, spielte kluge Pässe und suchte die Zweikämpfe. Bemerkenswert: Gleich zwei der vier Bremer Tore bereitete er vor. „Die 90 Minuten waren sehr wichtig für mich“, sagte Möhwald. „Normalerweise sind Testspiele in Länderspielpausen nicht so mein Ding, aber ich hatte richtig Bock zu spielen. Ich bin auf einem guten Weg, den Rest entscheidet der Trainer.“

Vorsicht in der Reha-Phase

Und der Trainer äußerte sich erst einmal vorsichtig: „,Möh' hat nach seiner langen Verletzung zum ersten Mal wieder 90 Minuten gespielt. Jetzt sehen wir, wie er reagiert. Ich bin guter Hoffnung, dass wir ihn jetzt im Rhythmus mit der Mannschaft haben. Dann wäre er ein Kaderkandidat für Freiburg.“ Möhwalds langer, mühsamer Weg zurück auf den Platz ist also fast geschafft. Es war ein Weg, der einige ungeahnte Wendungen nahm. Ursprünglich bestand mal die Hoffnung, Möhwald schon in der Endphase der vergangenen Saison wieder einsetzen zu können, schließlich dauerte die Spielzeit wegen der Corona-Pandemie deutlich länger als geplant. Daraus wurde jedoch nichts, der Ex-Nürnberger sammelte dann während der Vorbereitung in Testspielen Spielpraxis und kam einmal für Werders U 23 in der Regionalliga zum Einsatz. Bei den ersten Bundesliga-Partien stand er noch nicht im Kader. Warum sich das Comeback immer wieder verzögerte, erläuterte Kohfeldt: „Es war viel Geduld gefragt, weil wir die Belastung sukzessive steigern mussten. Er hatte immer mal wieder leichte muskuläre Probleme.“

In der vergangenen Saison zogen sich gleich mehrere Werder-Profis während der Reha-Phase neue Verletzungen zu. Bei Möhwald waren nun alle besonders vorsichtig. „Wir haben ja so unsere Erfahrungen mit Reha-Verläufen gemacht, aber dieses Mal haben wir es bis zu diesem Punkt extrem gut hingekriegt. Ein großes Lob an die medizinische Abteilung“, betonte Kohfeldt. Möhwalds muskuläre Probleme sind passé, und auch das Knie hält. „Auf dem Platz denke ich überhaupt nicht mehr an die Verletzung“, schilderte der Mittelfeldspieler. „Ich fühle mich von Woche zu Woche besser, habe vergangene Woche im Training alles mitgemacht. Es gab keine Reaktion. Ich bin noch nicht der Alte, aber ich bin auf einem guten Weg.“

Das Positive sehen

Kevin Möhwald ist ein positiver Typ, ein echter Optimist. Sogar die quälend lange Verletzungspause sieht er nicht nur negativ: „So eine Pause ist auch die Chance, stärker zurückzukommen. Ich weiß jetzt, dass ich neben dem Platz noch ein bisschen mehr machen muss für die Grundstabilität." Möhwald will kommende Woche im Training weiter hart arbeiten, um für das Freiburg-Spiel bereit zu sein. „Es fehlt mir schon noch ein bisschen was“, gab er zu. „Das hat man in den letzten 20, 25 Minuten gegen St. Pauli gesehen, als wir unter Druck geraten sind.“

Etwas Geduld ist also noch gefragt, aber ein fitter Kevin Möhwald könnte eine Führungsrolle im Werder-Mittelfeld übernehmen, wo erfahrene Akteure rar geworden sind. Als Klaassen-Ersatz will er jedoch nicht gesehen werden und betonte: „Davy ist ein Qualitätsspieler. Er war auf und neben dem Platz sehr wichtig. Wir müssen seinen Abgang als Mannschaft auffangen. Wir können ihn nicht eins zu eins ersetzen, sondern müssen es auf mehrere Schultern verteilen.“ Er hoffe, sagte Möhwald dann noch, dass auch seine Schultern dazugehören.

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