Kohfeldt hat den Kapitän bestimmt

Moisander bleibt Werders Anführer

Der alte ist auch der neue Kapitän: Florian Kohfeldt hat erneut Niklas Moisander zum Kapitän ernannt. Zu seinem Stellvertreter hat der Trainer Davy Klaassen bestimmt.
10.09.2020, 19:55
Lesedauer: 4 Min
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Moisander bleibt Werders Anführer
Von Malte Bürger
Moisander bleibt Werders Anführer

Niklas Moisander bleibt Kapitän bei Werder.

Nordphoto

Das Geheimnis ist gelüftet: Niklas Moisander wird auch in der kommenden Saison Kapitän bei Werder sein. Es war eine Entscheidung, die mit Spannung erwartet worden war. Florian Kohfeldt hatte sich schließlich viel Zeit gelassen, ehe er sich auf einen Mannschaftsführer festlegen wollte. Am Ende wählte der Bremer Chefcoach seinen Abwehrchef – und damit eben jenen Profi, dem er das Amt schon im vergangenen Sommer übertragen hatte.

„Ich habe mir sehr lange Gedanken gemacht, mir die Gruppe angeschaut und mich gefragt, wer sie führen soll", sagte Kohfeldt auf der Pressekonferenz vor dem Pokalspiel gegen Jena (Sonnabend, 20.45 Uhr). Schließlich sei die Wahl "nach reiflicher Überlegung" auf den Innenverteidiger gefallen. Zuletzt hatte es reichlich Spekulationen um Werders künftigen Anführer gegeben. Weil Kohfeldt zögerte, erschien es nicht unwahrscheinlich, dass ein anderer Akteur die Binde am Arm tragen würde.

„Die ideale Person für diese Gruppe“

Das Geduldspiel des Trainers hatte jedoch weniger mit Zweifeln an den Qualitäten Moisanders zu tun, sondern ist für Kohfeldt quasi Teil der Normalität. So habe er sich bereits früher, als er noch den Werder-Nachwuchs betreute, erst spät festgelegt. „Ich habe es immer so gemacht, dass ich mir genau anschaue, welche Führungspersönlichkeit wir brauchen. Für dieses Jahr habe ich das Gefühl, dass Niklas die ideale Person für diese Gruppe ist“, sagte er. „Niklas erfüllt nahezu alles, was ein Kapitän zu erfüllen hat. Er hat ein gutes Vertrauensverhältnis zu mir und traut sich, mir seine Meinung zu sagen. Er verfügt über sehr viel Erfahrung im Spitzenfußball, hat ein sehr gutes Standing in der Mannschaft. Über seine Art und Weise ist er in der Lage, die Mannschaft auf und neben dem Platz zu führen.“

Nun hat genau das in der vergangenen Saison nicht immer gut funktioniert. Es gab einige Situationen, in denen Werder vor allem auf dem Platz einen präsenteren Leitwolf gebraucht hätte. Einen, der mit konstant guten Leistungen dafür sorgt, dass sich die anderen Spieler an ihm aufrichten. Stattdessen hatte auch Niklas Moisander in den vergangenen Monaten ziemlich viel mit sich selbst zu tun. Er plagte sich mit Verletzungen herum, die Normalform erreichte er nicht immer. Und dann sah er auch noch in der Liga und später in der Relegation insgesamt zweimal die Gelb-Rote Karte. „In einem gemeinsamen Gespräch haben wir noch einmal die letzte Saison reflektiert, was gut und was nicht so gut war“, erzählte Kohfeldt. „Wir hatten natürlich auch Momente, in denen wir uns insgesamt mehr Führung, mehr Dominanz gewünscht hätten. Da haben wir aber unsere Ideen.“

Keine Stammplatzgarantie

Wie genau diese aussehen, wollte Florian Kohfeldt nicht verraten. Dafür skizzierte er ausführlich sein Anforderungsprofil. „Ich bin da relativ klassisch veranlagt: Der Kapitän sollte der verlängerte Arm des Trainers sein, mit dem man sich am meisten austauscht.“ Jetzt bringen es die besonderen Umstände mit, dass Niklas Moisander diese Rolle vielleicht nicht immer auf dem Feld einnehmen wird. Ende des Monats wird er 35 Jahre alt, mit Marco Friedl, Ömer Toprak und Milos Veljkovic gibt es drei zentrale Defensivkräfte, die ebenfalls in die Startelf wollen.

Eine Einsatzgarantie beinhaltet die aktuelle Verlängerung des Kapitänsamtes jedenfalls nicht. „Wir haben im Vergleich zu den beiden Vorjahren eine veränderte Situation. Da hatten wir jeweils etwa 13, 14, vielleicht 15 Spieler, die realistische Ambitionen auf Stammplätze haben konnten“, sagte Florian Kohfeldt. „Jetzt haben wir wahrscheinlich 20. Jeder in unserer Kabine stellt sich dem Konkurrenzkampf, nichtsdestotrotz sehe ich Niklas im Training und wie er drauf ist. Der spezielle Weg in die Vorbereitung hinein scheint sich bei aller Vorsicht für ihn auszuzahlen. Er wirkt sehr stabil, hat gute Testspiele gemacht und gut trainiert. Die Wahrscheinlichkeit ist nicht gering, dass er spielt.“

Gutes Gefühl für neue Saison

Genau das will Moisander tun. „Es ist eine große Ehre für mich, als Kapitän weiterzumachen“, sagte er auf Werders Internetseite. Dass sich Florian Kohfeldt nicht direkt, sondern mit einiger Anlaufzeit erneut für ihn entschied, habe ihn nicht beschäftigt. „Ich habe es respektiert, dass er darüber nachdenken wollte“, sagte er. „Für mich ist nur wichtig, was die Mannschaft und der Trainer denken. Ich habe in der Mannschaft eine gute Position, jeder respektiert mich. Das ist für mich das Wichtigste.“ Auch der Cheftrainer habe keinerlei atmosphärische Störungen registriert. „Eine Verunsicherung konnte ich bei Niklas überhaupt nicht feststellen – und das wäre auch gar nicht nötig gewesen“, sagte Kohfeldt. „Wir haben die ganze Vorbereitung über wieder sehr vertrauensvoll zusammengearbeitet.“

Eben jene Vorbereitung soll dabei helfen, dass in den nächsten Monaten alles besser. Für Werder, aber auch für Moisander persönlich. „Es war eine schwierige Saison für uns alle, auch für mich als Kapitän“, gibt der Finne zu. „Ich habe aber ein gutes Gefühl für die neue Saison, wir haben eine gute Vorbereitung gehabt. Die Stimmung ist sehr gut. Ich bin überzeugt, dass wir es dieses Mal viel besser machen werden.“

Und sollte Moisander tatsächlich einmal fehlen, ist da ja noch sein Stellvertreter. Auch auf diesem Posten herrscht in Person von Davy Klaassen Konstanz. „Er geht für mich mit der Art wie er Fußball spielt in ganz natürlicher Weise voran“, sagte der 37-Jährige. „Er bringt sehr viel Aggressivität auf den Platz, sehr viel Lauffreude, sein Einsatzwille ist über jeden Zweifel erhaben. Darüber hinaus steht er nach wie vor bei all unserer Demut für die neue Saison für etwas, was wir vorleben wollen. Er ist extrem erfolgshungrig und setzt sich sehr ehrgeizige Ziele. Das ist etwas, was ich in dieser Gruppe sehr gut finde.“

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