„Der Beste für Werder"

Kohfeldt hofft auf neuen Vertrag für Baumann

Bekommt Frank Baumann einen neuen Vertrag? Geht es nach Florian Kohfeldt, in jedem Fall. Beide haben eine gemeinsame Geschichte. Der Trainer hält Baumann für „den besten Geschäftsführer für Werder Bremen".
29.10.2020, 17:02
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Christoph Sonnenberg und Christoph Bähr

Die Frisur sei eine andere gewesen, sagte Florian Kohfeldt spontan, als er über seine nun drei Jahre bei Werder sprechen sollte. Am 31. Oktober 2017 übernahm Kohfeldt den Posten des Trainers, zunächst als Interimslösung. Was diese drei Jahre im heutigen Fußball bedeuten zeigt die Tatsache, dass er damit hinter Christian Streich, Ende Dezember neun Jahre Chef beim SC Freiburg, dienstältester Trainer eines Klubs innerhalb der Bundesliga ist.

Drei Jahre also. Das mit der Frisur – weniger Gel, mehr Scheitel – trifft zu, ist aber natürlich nicht der Kern dessen, was Kohfeldt zum Ausdruck bringen wollte. „Spaß und Zufriedenheit sind nach wie vor da. Genauso wie Dankbarkeit, dass ich den Job machen darf", sagte er in einer Medienrunde und hätte sich eigentlich direkt bei dem bedanken können, der während seiner Worte und in den gesamten drei Jahren an seiner Seite saß: Frank Baumann, dessen Frisur sich ebenfalls leicht verändert hat in dieser Zeit – etwas lichter und ein bisschen grauer ist es auf dem Kopf geworden.

Baumann zog es trotzdem durch

Dass Kohfeldt den Job im Herbst 2017 bekommen hat, hat viel mit Baumann zu tun. Nach zwei misslungenen Versuchen, einen Trainer der U 23 dauerhaft zu den Profis zu befördern, war der dritte mit Kohfeldt keine Entscheidung, die die Fans in Ekstase versetzte. Viktor Skripnik und Alexander Nouri hatten kurz gezündet, um dann schnell zu verglühen. Baumann zog es trotzdem durch, obwohl es damals für viele Beobachter sein letzter Versuch bei der Trainerwahl hätte sein können.

Dass Kohfeldt trotz der teils desaströsen Auftritte die vergangene Saison als Trainer beendete, geht ebenfalls zu einem großen Teil auf Baumanns Willen, ihn im Amt zu halten, zurück. Sie als Freunde zu bezeichnen geht vielleicht einen Tick zu weit, ein anderes Wort für ihre Beziehung zu finden ist jedoch nicht so leicht. Vertraut, offen und loyal sind sie zueinander und waren es die ganze Zeit.

„Für mich wäre es auch sehr wichtig"

Während der Trainer sein kleines Jubiläum begeht, geht es für den Sportchef um seine Zukunft bei Werder. Ursprünglich hatte Baumann die Frage einer Vertragsverlängerung über 2021 hinaus mit der Wahl eines neuen Aufsichtsrats verknüpft. Da diese sich durch die sehr wahrscheinlich ausfallende Mitgliederversammlung ins nächste Jahr verschiebt, sollen die amtierenden Kontrolleure nun doch noch entscheiden.

Lesen Sie auch

Ein Trainer hat viele Aufgaben, zu entscheiden, wer sein Vorgesetzter ist, gehört nicht dazu. Kohfeldt weiß das und sagte es auch. Er sagte aber ebenfalls, dass er gerne weitermachen würde mit dem, mit dem er Hand in Hand durch seine drei Jahre als Trainer marschiert ist. „Ich halte Frank für einen hervorragenden Geschäftsführer und den besten Geschäftsführer für Werder Bremen„, sagte Kohfeldt. „Für Werder wäre es sehr wichtig, wenn der Vertrag verlängert würde. Für mich wäre es auch sehr wichtig.“

Eichin wurde zum Tribünenadler

Das Verhältnis zwischen Sportchef und Trainer muss belastbar sein, sonst ist Erfolg nur schwer möglich. Bei Werder wissen sie das nicht zuletzt aus der Phase, in der Thomas Eichin und Skripnik ein Duo bildeten – oder hätten bilden sollen. Eichin wurde im Trainerteam um Skripnik irgendwann nur noch Tribünenadler genannt, weil er nach Siegen blitzschnell von der Tribüne auf den Platz gesegelt kam, um zu jubeln, nach Niederlagen hingegen sitzen blieb. Am Ende gewann Skipnik den Machtkampf, Eichin musste gehen.

Jetzt ist die Situation eine andere. Es gibt weit und breit keinen Machtkampf, nicht nur deshalb ist die Vertragsverlängerung Baumanns kein Politikum. Der Aufsichtsrat will, Baumann selbst hat dem Gremium persönlich mitgeteilt, ebenfalls zu wollen. Und auch der Trainer will. Und er nennt gleich eine Vielzahl von Gründen, warum dem so ist. „Frank arbeitet extrem strukturiert. Er versucht, Werder immer nach vorne zu treiben, was Infrastruktur, Strukturen um die Mannschaft und sportliche Belange angeht." Und nicht zuletzt ist es die fehlende Eitelkeit: „Frank geht es nie darum, dass er gut dasteht, sondern dass Werder oder die Leute um ihn herum gut dastehen", sagte Kohfeldt und betonte: „Das ist eine herausstechende Eigenschaft für jemanden in dieser Position."

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+