2. Bundesliga

0:0 in Karlsruhe: Werder zum dritten Mal in Serie ohne Sieg

Der SV Werder Bremen kommt trotz engagierter Leistung und langer Überzahl in Karlsruhe nicht über ein 0:0 hinaus. Unser Spielbericht.
21.08.2021, 15:31
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Eigentlich war es ein Ergebnis, das Respekt verdient. 0:0 beim Tabellenzweiten Karlsruher SC – wer hätte das nach dem Abwärtstrend der vergangenen 14 Tage und dem massiven Spieler-Exodus gedacht? Jedoch: Werder Bremen dürfte sich über diesen Punkt am vierten Spieltag der 2. Fußball-Bundesliga ärgern, denn bei einem Gegner, der ab der 57. Minute in Unterzahl spielen musste, war viel mehr drin.

Die Gäste kamen, erst recht nach der Gelb-Roten Karte für Marvin Wanitzek, zu einem eindeutigen Chancenplus, hätten auch zwei Elfmeter bekommen können – aber es fehlte ein Vollstrecker, um den zweiten Saisonsieg einzutüten.

Werder-Trainer Markus Anfang beließ es nach dem Defensiv-Debakel gegen Paderborn (1:4) nicht bei Tritten in den Hintern und Streicheleinheiten (je nach Sensibilität des Spielers). Anfang legte auch massiv Hand an die Aufstellung. Die größte Überraschung: Christian Groß ersetzte als Sechser den nach Freiburg transferierten Maxi Eggestein. Groß hatte bisher nur zwei 60-sekündige Kurzeinsätze gegen Hannover und Düsseldorf bekommen. Gegen Karlsruhe durfte der grundsolide 32-Jährige von Beginn an ran und trug sogar die Kapitänsbinde. 

In der Viererkette vertraute Anfang der Reihe, die er in der zweiten Hälfte gegen Paderborn gestellt hatte: auf den Flügeln Felix Agu (rechts) und Anthony Jung (links), im Zentrum Milos Veljkovic und Marco Friedl. Jean-Manuel Mbom und Lars Lukas Mai hatten sich vor einer Woche in der Startformation disqualifiziert und schauten am Samstag zu.

In der Offensive übernahm Romano Schmid auf der linken Seite die Position, von der Agu abgezogen wurde. Viel Veränderung also – und das gegen einen Karlsruher SC, der – quasi als Gegenentwurf zu Werder – keinen einzigen Stammspieler abgegeben hat. Besser eingespielt ist in der 2. Liga keiner.

Aber, sieh mal einer an, schon in der ersten Hälfte war Werder die bessere und gefährlichere Mannschaft. Drei Kopfbälle (allesamt vorbei) des begehrten KSC-Torjägers Philipp Hofmann ließen die Gäste in der ersten Viertelstunde noch zu, dann hatten sie sich in der Baustelle Wildpark akklimatisiert. Bremen spielte erstaunlich selbstbewusst, baute Druck auf. Auf der rechten Seite legte der fleißige, wenn auch noch unfertige Eren Dinkci ein paar aussichtsreiche Vorstöße hin, links kurbelte Schmid an, zentral Niclas Schmidt. 

Werder kam so zu vielen Halbchancen und auch zu einer hundertprozentigen Gelegenheit: Aus dem Mittelfeld sezierte Nicolai Rapp Karlsruhes Abwehr mit einem Präzisionspass auf Romano Schmid, aber in letzter Instanz blieb der Österreicher an KSC-Keeper Marius Gersbeck hängen (22.).

Und Werder blieb scharf. Hauptdarsteller jetzt: Niclas Füllkrug. Der Mittelstürmer kämpft mit Vehemenz gegen sein Formtief und hatte immerhin wieder gefährliche Abschlüsse. Knapp drüber sein Kopfball nach 26 Minuten. Entschärft von Gersbeck sein Schrägschuss aus halblinker Position (29.) – damit war die Szene aber noch nicht vorbei: Rapp wollte im Fünfmeterraum abstauben, das verhinderte KSC-Linksverteidiger Philip Heise mit einem Stoß. Es hätte Elfmeter geben müssen, aber Schiedsrichter Bastian Dankert (Rostock) verwehrte Rapp und Werder den Strafstoß. Und noch einmal waren die Bremer sauer auf den Unparteiischen: In der 38. Minute übersah Dankert ein Handspiel von Karlsruhes Lucas Cueto im eigenen Strafraum.

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Also: Mit dem 0:0 zur Pause war der Favorit um seinen Knipser Hofmann (35 Treffer in 71 Spielen für Karlsruhe) ziemlich gut bedient.

Die zweite Halbzeit war gerade zwölf Minuten alt, als sich die Kräfteverhältnisse weiter zugunsten der Bremer verschoben. Denn Karlsruhe spielte fortan in Unterzahl. Der bereits verwarnte Marvin Wanitzek hatte seinen Ballverlust 25 Meter vor dem Tor mit einem taktischen Foul an Schmidt reparieren wollen, aber das ließ ihm Dankert nicht durchgehen – Gelb-Rot! Harte, aber vertretbare Entscheidung.

Der KSC zog sich jetzt reflexartig zurück, Werder fackelte nicht lange, wollte die Überzahl nutzen und endlich zur verdienten Führung kommen. Schmid knallte aus der Distanz drüber (61.), Füllkrug testete die Haltbarkeit des Außennetzes (65.), Schmidt verpasste in der Mitte Agus Flanke nur um Haaresbreite (67.). Wieder Schmid drosch aus 15 Metern weit übers Tor (69.).

Dieser Chancenwucher war aus Bremer Sicht schon ärgerlich genug, aber in der 74. Minute hätte es richtig bitter werden können. Es brauchte eine Monsterparade von Michael Zetterer, um den plötzlichen Rückstand zu verhindern. Nach einer Hereingabe von Heise hatte der just eingewechselte Marco Thiede aus zwölf Metern hart abgezogen, aber Zetterer ließ seinen rechten Fuß gerade noch rauszucken.

Ein kleiner Schockmoment, den die Bremer schnell wegsteckten. Weiter Druck, weiter Chancen. Aber auch Friedls Kopfball (86.) und Agus Schuss (89.) waren nicht drin. Es blieb bei diesem eigentlich unverhofften, aber am Ende unbefriedigenden 0:0. 

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