Ein verliehenes Auto und Streit im Training

Komplizierte Tage für Füllkrug

In Berlin wird ein Clan-Mitglied im Auto von Niclas Füllkrug gesehen, das dieser einem Freund geliehen hatte. Im Training kracht es zwischen Füllkrug und Florian Kohfeldt. Der Stürmer hatte schon schönere Tage.
19.08.2020, 18:10
Lesedauer: 4 Min
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Komplizierte Tage für Füllkrug
Von Christoph Sonnenberg
Komplizierte Tage für Füllkrug
Nordphoto

Im öffentlichen Blickpunkt zu stehen ist für Fußballer nichts Ungewöhnliches. Auf Niclas Füllkrug trifft das noch ein wenig mehr zu, was an seiner außergewöhnlichen Verletzungshistorie liegt. Drei Knorpelschäden hat er in seiner Karriere bereits erlitten, beide Knie waren betroffen. Vergangenes Jahr kam im September noch ein Kreuzbandriss hinzu. Dem Fußballer Füllkrug hängt etwas Tragisches an, mit gerade 27 Jahren vier so extrem schwere Verletzungen erlebt zu haben. Körperlich ist das als Profisportler schwer zu verkraften und danach zurückzukommen. Aber auch mental ist es eine Herausforderung, Rückschläge dieser Art zu überwinden.

Auch in diesen Tagen ist Füllkrug im Blickpunkt, mit Sport hat das ausnahmsweise mal nichts zu tun. Es geht um ein Auto, welches Füllkrug geleast und dann an einen Freund verliehen haben soll, in dem nun aber ein Mitglied eines bekannten Clans in Berlin gesichtet wurde. Die „Bild" hatte über den Vorfall berichtet. Rommel Abou-Chaker heißt der Mann, der am Steuer des weißen Mercedes AMG S 63 saß, ein Auto, das rund 200. 000 Euro kosten soll. Der 42-Jährige ist Teil eines derzeit laufenden Prozesses, in dem es um Erpressung, Körperverletzung und weitere unschöne Delikte geht.

Baumann führte ein Gespräch mit Füllkrug

Deutschlandweites Aufsehen erregt dieser Prozess durch den bekannten Deutsch-Rapper Bushido, der als Nebenkläger auftritt. Mehrere Mitglieder des Abou-Chaker-Clans stehen vor Gericht, Rommel Abou-Chaker ist nur einer von ihnen. Die Verbindung zu Füllkrug ist der weiße Mercedes, und so kommt die große Hauptstadt-Welt der kriminellen Clans ins beschauliche Zillertal, wo der Vorfall während der Vorbereitung aufploppte.

„Wenn man in so einen Zusammenhang gebracht wird, ist das keine schöne Geschichte", sagt Frank Baumann, der die Vorgänge schließlich erklären muss. Bereits im Laufe des Dienstags wurde Werder über den Vorfall informiert. Baumann führte ein Gespräch mit Füllkrug, um sich vom Spieler selbst aufklären zu lassen. Das habe Füllkrug getan, und Baumann weiß jetzt, dass er „sich nichts hat zu Schulden kommen lassen". Trotzdem sei das ganze keine Sache, die am robusten Stürmer einfach abprallt. „Ihn beschäftigt das natürlich, das lässt nicht kalt", sagt Baumann.

Laut Verein hat Füllkrug den Wagen geleast. Der Leasingvertrag sei ausgelaufen, während Werder sich auf die Saison in Österreich vorbereitet. Deshalb habe Füllkrug den Wagen einem Freund aus dem Raum Hannover überlassen und diesen gebeten, den Wagen nach Berlin zu überführen. Von dort kommt der Mercedes und in Berlin musste er nach Ende des Vertrags auch wieder abgegeben werden.

„Bundesweit in den Schlagzeilen zu stehen, ist keine einfache Situation"

„Was derjenige mit dem Auto macht, liegt nicht in Niklas‘ Hand", sagt Baumann. Der Freund hat den Wagen offenbar weitergegeben und irgendwie ist er dann beim Abou-Chaker-Clan gelandet. Wichtig aus Baumanns Sicht ist ohnehin nur, dass es „keinen direkten Zusammenhang gibt". Füllkrug selbst pflegt also keine Beziehungen ins einschlägige Milieu. Doch Baumann sah sich plötzlich mit der Frage konfrontiert, ob Füllkrug überhaupt ein derart teures Auto verleihen dürfe. Warum nicht, entgegnete er: „Es ist doch eine vernünftige Idee: Wenn man von etwas zu viel hat, es zu verleihen oder zu vermieten." Baumann hätte auch sagen können, dass Füllkrug selbst darüber entscheide, an wen er was verleiht.

Welchen Umgang seine Spieler pflegen will Bremens Sportchef vermutlich gar nicht wissen. Und kontrollieren schon gar nicht. Mit den Folgen muss er sich nun zwangsläufig beschäftigen. Auch wenn Baumann betont, dass es „für uns als Verein kein Thema ist„. Persönliche Konsequenzen kann die Geschichte doch haben, wie er einräumt: „Wenn man dann bundesweit in den Schlagzeilen steht, ist das keine einfache Situation. Gerade für Niklas, der als Typ sehr emotional agiert. Der nimmt sich so etwas zu Herzen.“

Trainingsstreit mit Trainer Kohfeldt

Wie sehr Füllkrug der Vorfall beschäftigt, war erst am Mittwochvormittag so richtig zu verstehen. Am Nachmittag zuvor war es im Training zu einer Auseinandersetzung zwischen Füllkrug und Florian Kohfeldt gekommen. Beide kennen sich lange. Als Kohfeldt zu Beginn seiner Laufbahn Co-Trainer der U14 wurde, war Füllkrug dort Spieler. Er war es wiederum, der sich für Kohfeldt öffentlich stark machte, als Werder in die 2. Liga zu stürzen drohte. Trotzdem kann es zwischen beiden krachen. „Wenn du keine Lust hast, dann geh runter", hatte Kohfeldt im Training lautstark klargestellt, weil Füllkrug eben keinen lustvollen Eindruck machte. Woraufhin dieser prompt vom Platz stapfte.

Ein Vorfall, wie es ihn Woche für Woche in jedem Kreisliga-Training gibt. Kohfeldt sagte anschließend, er werde Füllkrug später im Hotel in den Arm nehmen als Zeichen, dass der Vorfall nichts zu bedeuten habe. Baumann erklärte am Tag darauf dann aber doch, dass es nicht bloß eine emotionale Reaktion war. Man müsse bei Niklas die Gesamtsituation berücksichtigen, und da spiele die Zeitungsgeschichte über sein weißes Auto eine tragende Rolle. „Das hat ein Stück dazu beigetragen, dass er ein wenig überreagiert hat", stellte Baumann fest.

Nachdem Füllkrug den Platz verlassen hatte, setzte er sich an den Rand des Spielfelds. Ein Eisbeutel auf dem linken Knie, der Blick ein wenig mürrisch. Glücklich schaute er nicht drein. Aber es sind ja auch gerade ziemlich komplizierte Tage für ihn.

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