Werder-Leihspieler Romano Schmid im Interview „Für mich ist es kein Problem, etwas zu warten“

Als Leihspieler ist die Zukunft immer ungewiss, die Corona-Krise hat das noch verschärft. Romano Schmid, von Werder an Wolfsberg verliehen, erzählt im WESER-KURIER-Interview, wie er mit der Ungewissheit umgeht.
07.04.2020, 16:23
Lesedauer: 4 Min
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„Für mich ist es kein Problem, etwas zu warten“
Von Christoph Bähr

Herr Schmid, wie bei vielen Klubs gibt es auch beim Wolfsberger AC aufgrund der Corona-Krise derzeit kein Mannschaftstraining. Wie halten Sie sich fit?

Romano Schmid: Ich setze natürlich die Vorgaben der Regierung um, bleibe zu Hause und hoffe, dass wir schnellstmöglich wieder auf dem Platz sein können. Grundsätzlich besteht unser Programm aus Lauf- und Kraftübungen. Zum Glück habe ich aber einen Garten. Also habe ich mir Tore bestellt mit einem Tornetz, von dem der Ball zurückprallt. So kann ich zwischendurch auch immer mal ein kleines Fußballtraining absolvieren. Wann wir wieder mit der Mannschaft trainieren können, ist ja noch völlig offen. Die österreichische Bundesliga soll im Mai wieder spielen. Wir hoffen alle, dass das möglich ist. Erst einmal gelten in Österreich aber die Ausgehverbote, und die halte ich auch ein, weil es dringend notwendig ist.

In Österreich herrschen noch etwas strengere Vorgaben als in Deutschland. Wie gehen Sie damit um?

Für mich persönlich ist das alles gut erträglich. Dass ich kein Mannschaftstraining habe und nicht Fußball spielen kann, ist für mich persönlich am schlimmsten, aber da gibt es natürlich viel Schlimmeres.

Langweilen Sie sich manchmal zu Hause?

Ich stehe immer früh auf und absolviere am Vormittag mein Trainingsprogramm. Dann koche ich was mit meiner Freundin. Vielleicht schauen wir uns mal einen Film an. Und ich muss zugeben, dass ich momentan auch recht viel Zeit an der Playstation verbringe. Außerdem habe ich zu mehreren Mitspielern regelmäßig Kontakt. Man fragt natürlich immer mal nach, wie es den anderen geht und ob alle gesund sind. Insgesamt vergeht die Zeit recht schnell, und ich langweile mich nicht.

Wie präsent ist die Coronavirus-Pandemie in Ihrem Leben?

In meinem Umfeld ist bisher niemand erkrankt. Ich persönlich halte alle Regeln ein und daher glaube ich nicht, dass ich mich anstecke. Angst davor habe ich nicht. Am wichtigsten ist natürlich, dass wir andere nicht anstecken. Gerade ältere Menschen sind ja gefährdet. Natürlich bin ich jetzt für meine Großeltern da, wenn sie mal Hilfe brauchen.

Ihr Leihvertrag beim Wolfsberger AC läuft nicht mehr so lange. Ab 1. Juli sind Sie nach derzeitigem Stand wieder Spieler von Werder. Gibt es aktuell Kontakt nach Bremen?

Momentan gibt es keinen Kontakt. Werder und überhaupt die ganze Welt hat momentan andere Probleme. Die Gesundheit steht im Vordergrund. Jeder sollte jetzt einfach auf sich aufpassen, zu Hause bleiben und schauen, dass er gesund bleibt.

Als Leihspieler ist die Zukunftsplanung ohnehin etwas unklar. Aufgrund der Corona-Krise herrscht nun noch mehr Ungewissheit. Wie gehen Sie damit um?

Die Ungewissheit ist für mich kein Problem. Ich möchte einfach wieder auf dem Platz stehen, das ist aktuell wichtig. Jeder von uns will bald wieder Fußball spielen. Dann möchte ich die Saison mit dem Wolfsberger AC fertig spielen und hoffe, dass wir die Spielzeit gut abschließen können. Was im Sommer passiert, werden wir später sehen. Ich mache mir da keinen Stress oder Druck.

Rufen Sie ab und zu mal Ihren Berater oder Werders Sportchef Frank Baumann an und fragen nach?

Die haben alle momentan auch andere Sorgen. Normalerweise bin ich sehr ungeduldig, aber in dieser Zeit ist es für mich kein Problem, etwas zu warten. Ich verstehe das vollkommen. Wenn sich die Situation wieder entspannt hat, können wir miteinander sprechen. Momentan sehe ich nicht unbedingt die Notwendigkeit.

Sie bleiben also entspannt. Hilft Ihnen dabei, dass Sie beim Wolfsberger AC bislang eine gute Saison gespielt und Ihr Können bewiesen haben?

Die Achter-Position gefällt mir wirklich gut, aber ich spiele dort ein bisschen defensiver als ich eigentlich möchte. In der Offensive hatte ich sicherlich viele Schlüsselaktionen, habe aber vor allem zu wenig Tore gemacht (zwei in 21 Ligaspielen, Anm. d. Red.). Insgesamt ist es trotzdem eine richtig gute Saison.

Gefällt Ihnen die Achter-Position nicht?

Doch. Diese Position ist super für meine Entwicklung. Ich habe viele Ballkontakte. Ich will immer den Ball haben, deswegen sehe ich mich auch eher im Mittelfeld als ganz vorne. Die Achter-Position passt mir schon ganz gut. Natürlich muss man dort richtig viel laufen, aber das ist im heutigen Fußball ohnehin normal.

Der Wolfsberger AC liegt auf einem guten vierten Platz in der österreichischen Bundesliga. Wie zufrieden sind Sie mit dem Saisonverlauf Ihres Klubs?

Wir hatten zwischendurch mal einen Hänger und haben zu viele Punkte liegen gelassen. Im letzten Spiel vor der Unterbrechung haben wir zum Beispiel gegen Rapid mit 2:1 geführt und in der letzten Minute noch das 2:2 kassiert. So etwas ist uns mehrmals passiert. Ansonsten ist es bis jetzt aber eine sehr gute Saison für den WAC.

Auch in der Europa League hat der WAC gute Leistungen gezeigt und etwa mit 4:0 in Gladbach gewonnen. Am Ende ist Ihre Mannschaft trotzdem in der Gruppenphase ausgeschieden. Waren Sie danach stolz auf das Erreichte oder doch enttäuscht?

Die Enttäuschung war schon groß. Wir hätten die Chance gerne wahrgenommen, in die nächste Runde zu kommen. Manchmal fehlte die letzte Konsequenz. Das 0:3 zu Hause gegen Basaksehir sieht ziemlich deutlich aus, es war allerdings nicht so deutlich. Da hätten wir auch einen Sieg mitnehmen können. Aber wir haben das Ausscheiden abgehakt und in der Liga trotzdem weitergemacht.

Durch die Saisonunterbrechung fehlen den Vereinen aktuell viele Einnahmen. Die Werder-Profis haben bereits einen Gehaltsverzicht angekündigt. Gibt es so etwas auch in Wolfsberg?

Ich helfe dem WAC und verzichte auch auf einen Teil des Gehalts. Wir spielen ja alle auch für unsere Vereine, weil wir stolz sind, ein Teil des Vereins zu sein. Natürlich wollen wir alle helfen, damit der Fußball nicht untergeht.

Abschließend noch eine Frage zur österreichischen Nationalmannschaft: Trainer Franco Foda hat kürzlich gesagt, er habe Sie im Blick. Sind Sie auf dem Sprung in die A-Nationalelf?

Er hat es perspektivisch gemeint, glaube ich. Ich kenne Franco Foda aus meiner Zeit bei Sturm Graz und bin glücklich darüber, dass er meine Leistungen positiv bewertet. Grundsätzlich bin ich momentan aber U21-Nationalspieler. Mein Ziel ist es, früher oder später in der A-Nationalmannschaft zu spielen. Aktuell steht dem Trainer aber sehr gutes Personal zur Verfügung.

Zur Person

Romano Schmid (20) kam im Januar 2019 von RB Salzburg zu Werder und wurde kurz darauf an den Wolfsberger AC verliehen. Beim österreichischen Erstligisten ist der Mittelfeldmann Stammspieler und kommt in dieser Saison auf 29 Pflichtspiele (drei Tore, neun Torvorlagen).

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