Rückkehr ins Weserstadion Ex-Bremer Zander: „Für mich ist Werder immer noch geil“

Wenn St. Pauli am Samstag im Weserstadion zu Gast sit, ist es für Luca Zander eine Rückkehr zum SV Werder Bremen. Was der Ex-Bremer über seine Zeit bei Werder und das Duell gegen den Ex-Verein sagt.
29.10.2021, 19:01
Lesedauer: 5 Min
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Von Hans-Günther Klemm

Irgendwann war es da, dieses Gefühl, bei Werder Bremen einfach nicht mehr weiterzukommen. Also traf Luca Zander im Sommer 2017 eine Entscheidung. Bereut hat er sie bis heute nicht: Der aus Weyhe stammende Rechtsverteidiger ließ sich zunächst für zwei Jahre an den FC St. Pauli ausleihen, wechselte danach fest zum Kiezclub – und steht mit ihm nun an der Spitze der 2. Bundesliga, deutlich vor Werder. Vor dem Duell gegen seinen Ex-Verein hat sich Zander mit unserer Deichstube über den Bremer Abstieg, St. Paulis Aufschwung und seine Rückkehr ins Weserstadion unterhalten. 

Herr Zander, haben Sie es für möglich gehalten, mit dem FC St. Pauli einmal besser dazustehen als Ihr Ex-Verein Werder Bremen?
Das war in den vergangenen Jahren kein Thema für mich. Zumal ich Werder immer in der  Bundesliga gesehen habe. Mein Traum war und ist es vielmehr, irgendwann selbst in der ersten Liga aufzulaufen. Nun spielen die Clubs in einer Klasse, und wir stehen momentan vor Bremen. Das ist ein Grund mehr, warum ich mich riesig auf das Spiel freue.

Daraus ist zu schließen, dass Sie nicht unbedingt damit gerechnet haben, dass Ihr Ex-Verein Werder einmal absteigt.
Nein, daran habe ich nie gedacht. Klar, Werder hatte in den vergangenen Jahren schon mal Probleme. Aber ich bin nicht davon ausgegangen, dass der Club absteigen würde.

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Was ist aus Ihrer Sicht schiefgelaufen in Bremen?
Ich habe mir zwar die Spiele von Werder häufig angeguckt, aber ich stecke da zu wenig drin und weiß nicht um die internen Dinge und Abläufe. Insofern ist es schwer, darüber ein Urteil abzugeben.

Dann blicken wir zurück. Was waren Ihre Beweggründe, Werder 2017 zu verlassen und der Ausleihe an den Zweitligisten  St. Pauli zuzustimmen?
Es war für mich wichtig, auf höchstem Niveau Spielpraxis zu erlangen. Ich hatte eine gute Saison in der 3. Liga mit der zweiten Mannschaft von Werder gespielt. Somit hatte ich das Gefühl, dass ich den nächsten Schritt gehen kann. Doch es war auch klar, dass der Sprung  in die Bundesliga für mich zwar möglich, aber eben nicht sicher ist. Diese Unsicherheit hat mich zum Wechsel veranlasst.

Werders Trainer war damals Alexander Nouri. Was hat er Ihnen geraten? 
Es gab damals nicht dieses eine Gespräch mit einer Person. Ich hatte allgemein das Gefühl, dass es für mich schwer werden würde.  Meine Einschätzung war, dass es schwierig ist, an Spielzeit zu kommen. Als rechter Verteidiger war Theo Gebre Selassie gesetzt. Er war selten verletzt und hat konstant gute Leistungen gebracht. Zudem stand zum damaligen Zeitpunkt auch Robert Bauer im Kader. Mir war bewusst, dass ich mich hätte hinten anstellen müssen. Und noch ein Jahr in der  Reserve zu spielen, war nicht mein Ziel. Somit habe ich mich für den Schritt entschieden. Im Nachhinein bin ich sehr froh, dass es geklappt hat.

Erst die zweijährige Ausleihe, 2019 dann die feste Verpflichtung mit einem Vertrag bis 2023 – haben Sie auf St. Pauli Ihr Glück als Profi gefunden?
Ich fühlte mich von Anfang sehr wohl hier. St. Pauli ist einfach ein geiler Verein mit dem Millerntor und der besonderen Stimmung. Das merkt man vom ersten Moment an. Ich bin sehr, sehr zufrieden.

Werder galt in der Branche auch mal als geiler Verein. Welcher Club ist denn geiler?
Schwere Frage. Für mich ist Werder immer noch geil, immer noch cool, einfach etwas Besonderes. Ich möchte da keine Wertung abgeben.

Wenn Sie die beiden Vereine vergleichen, wo liegen die Gemeinsamkeiten?
Die Fankulturen ähneln sich beispielsweise ein Stück weit. Es gibt ja auch gegenseitige Sympathien, weil viele Einstellungen und Werte vergleichbar sind.

Der aktuelle Höhenflug des FC St. Pauli mit der Tabellenführung in der 2. Bundesliga und dem Einzug ins Achtelfinale des DFB-Pokals ist beachtlich. Wo soll das alles noch hinführen?
Am besten der Höhenflug endet nie. Wir wissen, dass wir jede Woche unsere Leistung und unsere Stärken auf den Platz bringen müssen. Diese Kontinuität müssen wir so lange wie möglich beweisen.

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Was zeichnet Trainer Timo Schultz, den Macher des Aufschwungs, aus?
Er hat den Kader insgesamt  nach vorn gebracht. Sein Ansatz, auch das Bestreben seiner Assistenten, ist, jeden einzelnen Spieler besser zu machen. Alle Trainer investieren in dieser Hinsicht enorm viel. Das spürt man als Spieler.

Im letzten Jahr gab es eine enttäuschende Hinserie, dann den großen Umschwung und nun bisher eine Saison ohne Fehl und Tadel. Was ist das Geheimnis dieser Erfolgsserie?
Ohne Fehl und Tadel – das ist mir eine zu positive Bewertung. In jedem Spiel sehen wir, dass wir noch viele Baustellen haben. Auch bei Siegen merken wir, dass wir noch einiges besser machen können. Daher haben wir jede Woche noch spezielle Schwerpunkte im Training, um an unseren Defiziten zu arbeiten. Wir haben noch einige Schritte zu gehen. Vielleicht ist das das Geheimnis, dass wir uns nicht ausruhen, sondern uns verbessern wollen, um als Team noch stärker zu werden.

Deshalb auch die besonderen Trainingsgruppen. Sie haben sich unter anderem für das Sondertraining „Vororientierung“ entschieden. Klären Sie uns auf, was das zu bedeuten hat?
Der Begriff besagt es schon: Bevor du auf dem Platz Entscheidungen triffst, solltest du immer einen Schulterblick gemacht haben, ehe du an den Ball kommst. Auf diese Weise kannst du dir viele Informationen holen. Es ist Wahnsinn, wie sich die Topspieler im  internationalen Geschäft verhalten. Wie sie sich drehen, zehnmal mehr als Zweitligaspieler. Dieses Verhalten kann dir die entscheidenden Sekunden bringen.

An welches Vorbild auf der Position des Rechtsverteidigers denken Sie konkret?
Sehr interessant ist, wie Pep Guardiola das Ganze praktiziert. Ob bei Manchester City ein Kyle Walker als Rechtsverteidiger spielt oder ein Cancelo auf der anderen Seite – beide haben immer das gesamte Spielfeld im Blick. Es sind Spielertypen, die sehr flexibel agieren, zeitweise auch im Zentrum unterwegs sind.

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Für Sie kommt es nun zur Rückkehr ins Weserstadion. Spielen da noch andere Gefühle mit außer der Vorfreunde aufs Wiedersehen? Wollen Sie es Werder zeigen, weil Sie damals nicht die Chance bekommen haben?
Nein, solche Gedanken habe ich nicht im Kopf. Ich bin Werder dankbar. In Bremen habe ich schließlich meine Jugend verbracht. Die Vorfreude auf die Partie überwiegt. Viele Freunde, meine Familie, alte Bekannte aus dem Umfeld des Teams, alle werden dort sein.

Welche Konkurrenten sehen Sie derzeit als größte Rivalen im Kampf um den Aufstieg?
Es gibt so viele Mannschaften, die ambitioniert sind. Schauen Sie sich Regensburg an, die sind seit dem Saisonstart sehr gut drauf. Schalke, der HSV und Werder haben natürlich auch gute Mannschaften. Heidenheim, obwohl sie zuletzt nicht erfolgreich waren, sollte  man ebenfalls nicht vergessen. Ich könnte noch mehr aufzählen. Zehn, wenn nicht gar zwölf Teams konkurrieren aus meiner Sicht auf Augenhöhe. Es gibt keinen eingegrenzten Favoritenkreis in dieser extrem engen Liga.

Und wie sieht es nur in Hamburg aus? Hat St. Pauli den HSV endgültig überholt als Nummer eins der Stadt?
Wir tun gut daran, keine großen Sprüche zu klopfen, sondern weiter hart zu arbeiten. Es ist schön, aktuell die Nase vorn zu haben. Doch wir müssen uns fokussieren auf  die nächsten Spiele.

Das Gespräch führte Hans-Günter Klemm.

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