Baumann will an Kohfeldt festhalten

Eine Jobgarantie vom Chef

Ob Florian Kohfeldt nach einer Niederlage an diesem Wochenende in Freiburg noch Trainer von Werder bleiben würde, hängt laut Manager Frank Baumann nicht vom Verein ab. Er glaube weiter fest an seinen Trainer.
22.05.2020, 18:32
Lesedauer: 3 Min
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Von Jean-Julien Beer und Christoph Sonnenberg
Eine Jobgarantie vom Chef

Hat in der Bundesliga an Profil gewonnen, zuletzt aber keine Spiele mehr: Werders Trainer Florian Kohfedlt, hier neben Frank Baumann und Pressesprecher Christoph Pieper.

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Dass im Fußball nichts mehr ist, wie es mal war, das gilt inzwischen auch für die Jobgarantien. Zumindest in Bremen. Hatte Manager Frank Baumann seinem Trainer Florian Kohfeldt unmittelbar nach dem 2:2 (nach 2:0-Führung) im März bei Hertha BSC noch jede Jobgarantie verweigert, und das vor einem Millionen-Publikum im ZDF-Sportstudio, so hört sich das nur eine Niederlage später schon wieder ganz anders an. Inzwischen sind wegen der Coronapause zwar viele Wochen vergangen, dennoch hat sich Werders Situation in der Bundesliga in keinster Weise verbessert. Und doch gab Baumann dem Trainer nun in bemerkenswerter Weise Sicherheit: Von Vereinsseite werde man Kohfeldt auch nach einer Niederlage in Freiburg nicht von seinen Aufgaben entbinden. „Die Überzeugung, die ich seit mehreren Wochen immer wieder ausgedrückt habe, wird auch nach dem Spiel gegen Freiburg gelten“, betonte Baumann.

Warum Kohfeldt der richtige Trainer für Werder sei, auch jetzt noch, dass könne er „gerne jeden dritten Tag wiederholen“, erklärte der Manager. Und führte an Vorzügen aus: „Seine Fachkompetenz ist top, seine persönlichen und sozialen Kompetenzen auch - wie auch seine rhetorischen Fähigkeiten, die Mannschaft immer wieder richtig auf eine Situation, auf ein Spiel einzustellen. Da ist er sehr, sehr gut. Das Verhältnis zur Mannschaft ist intakt. Deswegen ist er der richtige Trainer für diese Situation. Und weil wir mit ihm die größte Wahrscheinlichkeit haben, nächstes Jahr erstklassig zu sein.“

Kein Automatismus bei Abstieg

Kohfeldt selbst, der sich am Tag vor dem Freiburg-Spiel extrem kämpferisch gab und damit offenkundig auf seine Mannschaft abfärben wollte, sagte zu seiner Jobsicherheit bei Werder: „Die Argumente, die ich liefere, die muss letztendlich Frank Baumann bewerten. Das kann nur meine tägliche Arbeit sein und mein Umgang mit der Mannschaft. Ich hoffe, dass jeder im Verein das auch merkt, dass ich nicht nachlasse, auch wenn natürlich auch ich meine Enttäuschung immer wieder verarbeiten muss nach solchen Spielen wie am Montag.“

Die Frage, ob man denn – wie etwa der Gegner Freiburg – demnächst auch gemeinsam in die zweite Liga gehen werde, beantworteten jedoch beide Seiten am Freitag nicht wirklich klar. Vielleicht bleibt den Beteiligten die Klärung dieser Frage ja auch erspart, weil Werder entweder nicht absteigt oder Kohfeldt dann nicht mehr der Cheftrainer in Bremen ist. Natürlich müsse er sich auch mit einem Abstiegsszenario beschäftigen, erklärte Baumann nur, „alles andere wäre vermessen. Trotz unserer Zuversicht, erstklassig zu bleiben. Aber ich werde – sowohl was den Kader, als auch was den Trainer betrifft – nicht näher darauf eingehen, wie wir dann planen.“ Jedoch, so viel ließ der Manager dann doch durchblicken, es werde „im Abstiegsfall keinen Automatismus“ in der Trainerfrage geben, „sowohl in die eine Richtung, dass Flo auf jeden Trainer bleiben wird. Aber auch nicht in die andere Richtung, dass dann in jedem Fall ein neuer Trainer auf der Bank sitzen wird“.

„In alle Richtungen offen“

Kohfeldt selbst hat sich nie öffentlich dazu geäußert, ob er Werder im Abstiegsfall verlassen werde. „Und über den Fall, dass wir diese Klasse nicht halten, mache ich mir keine Gedanken“, betonte der Trainer am Freitag vor dem Abflug nach Freiburg, „denn ich kann keine Energie darauf verschwenden, zu überlegen, was im Sommer wäre. Jetzt geht es nur um die Spiele.“ Er sei mit den Vereinsverantwortlichen „in einem offenen und konstruktiven Austausch, der alles andere als kritiklos ist“, erklärte Kohfeldt. Alles andere werde er zu gegebener Zeit „wie gewohnt offen und vertrauensvoll mit Frank Baumann, mit der Geschäftsführung und mit Marco Bode besprechen. Aber: in alle Richtungen offen“.

Kohfeldts energisches Auftreten am Freitag, mit dem er sein Team wachrütteln wollte, lässt jedoch auch den Schluss zu, dass man solche offenen und vertrauensvollen Gespräche im Falle einer weiteren desaströsen Leistung der Werder-Mannschaft vielleicht schon früher führen würde. Dann aber eher nicht von Seiten des Vereins aus.

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