„Haben immer offen und ehrlich gesprochen"

Baumann zu Rashicas Wechsel-Plänen

In einem TV-Interview erklärte Rashica-Berater Altin Lala, dass in zwei bis drei Wochen der Wechsel des Stürmers perfekt sei. Für Frank Baumann kein Problem – Werder ist auf Transfereinnahmen angewiesen.
17.04.2020, 10:38
Lesedauer: 4 Min
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Von Christoph Sonnenberg und Christoph Bähr
Baumann zu Rashicas Wechsel-Plänen
nordphoto / Paetzel

Videokonferenzen gehören für viele in diesen Zeiten zum Alltag. Statt im Büro nebeneinander zu sitzen, sitzt man jetzt eben vor dem Computer zu Hause und blickt einander auf dem Bildschirm an. Nicht immer ist es spannend, was in den Schaltkonferenzen so besprochen wird oder was es im Hintergrund zu sehen gibt. Aber es gibt Ausnahmen. Im kosovarischen Fernsehen gab es eine, dort saß der Moderator der Sendung „Sportin në KTV” am Mittwochabend im Studio des Senders und live zugeschaltet war Altin Lala, Berater des Bremer Profis Milot Rashica.

Selbst wenn es im Grundsatz schon länger anzunehmen war, dass Rashica Werder im Sommer trotz Vertrag bis 2022 verlässt und bei einem anderen Klub den sogenannten nächsten Schritt machen will, war es doch erstaunlich, in welcher Deutlichkeit Lala das in der Videoschalte in den Kosovo zum Ausdruck brachte. „Hoffentlich hat Milot in der nächsten Saison die Möglichkeit, in der Champions League zu spielen. Dies ist im Moment mein und Milots Thema", sprach Lala so offen wie nie über einen Abschied aus Bremen.

Eine Entscheidung in wenigen Wochen

Es gebe viele Interessenten für Rashica, betonte der Berater. „Darunter sind Vereine, die ständig in der Champions League spielen.“ Namen nannte Lala nicht. Gehandelt wurden in letzter Zeit der FC Liverpool und der SSC Neapel sowie aus Deutschland RB Leipzig und Borussia Dortmund. Das Interesse des BVB soll jedoch nie wirklich konkret gewesen sein. Wie der FC Bayern hat Dortmund lediglich die Konditionen eines Wechsel abgeklopft.

Interessant an Lalas Auftritt war besonders, was der Berater über den zeitlichen Rahmen des Wechsels sagte. „In zwei bis drei Wochen werden wir eine Entscheidung treffen. Für Milot ist es an der Zeit, den nächsten Schritt in seiner Karriere zu machen.“ Noch vor rund einem Monat sagte Lala dem WESER-KURIER, dass der Transfermarkt wegen der Corona-Krise derzeit ruhe. Das sei aktuell zwar immer noch der Fall, so der Ex-Profi Lala im kosovarischen TV. Offenbar geht er aber davon aus, dass sich das schnell ändert.

Baumann ist über alles informiert

Bei Werder reagieren sie ziemlich entspannt auf den Auftritt Lalas. „Dass Milot mit seiner Zukunft beschäftigt ist und er irgendwann den nächsten Schritt gehen möchte, wissen wir", sagt Frank Baumann auf Nachfrage. Überrascht ist der Sportchef nicht von den deutlichen Worten des Beraters. „Wir sind mit Altin in ständigem Kontakt und in einem guten Austausch. Wir haben immer offen und ehrlich miteinander gesprochen. Wir wissen, dass es Interesse an Milot gibt." Die Sprachregelung sei deshalb dieselbe geblieben: „Wenn es ein passendes Angebot – für ihn und für uns – gibt, beschäftigen wir uns damit. Dass es Interessenten gibt, ist bekannt."

Unter dem Begriff Interesse lässt sich vieles zusammenfassen. Klubs klopfen die Konditionen eines möglichen Wechsels ab, also zu welchen Bedingungen ein Transfer möglich ist. Gestalt nimmt er jedoch erst dann an, wenn ein schriftliches Angebot vorliegt, in dem die Bedingungen akzeptiert werden. Das ist laut Baumann nicht der Fall: „Es gibt aktuell aber nichts Konkretes, das auf dem Tisch liegt und womit wir uns beschäftigen müssten."

Gibt es eine befristete Klausel?

Dabei stehen die Rahmenbedingungen fest. Bei einem Transfer in eine der vier europäischen Top-Ligen – England, Spanien, Italien und Frankreich – beträgt die festgeschriebene Ablösesumme für Rashica nach WESER-KURIER-Informationen etwa 38 Millionen Euro. Bei einem Wechsel in eine der genannten Ligen wären entsprechend keine Verhandlungen mit Werder notwendig, sobald ein Klub die Summe akzeptiert. „Das wäre für den Fall, dass die Information des Weser-Kurier richtig ist, im ersten Schritt so", sagt Baumann.

Es könnte auch eine zeitlich befristete Klausel geben, wodurch ein Wechsel zu den fixierten Bedingungen nur bis Mitte Mai, dem ursprünglichen Ende der Saison möglich wäre. Baumann will sich zu dieser Option nicht äußern. Es wäre jedoch eine verständliche Erklärung dafür, dass Lala zum jetzigen Zeitpunkt mit seinen Worten an die Öffentlichkeit geht. Mögliche Interessenten müssten sich beeilen, wenn sie Rashica haben wollen, da es bereits ernsthafte Verhandlungen gibt – das könnte hinter Lalas Auftritt stecken.

Werder braucht Transfereinnahmen

Ob ein Preis über 38 Millionen Euro in Zeiten der Corona-Krise noch zu erzielen ist, erscheint derzeit fraglich. In jedem Fall braucht Werder große Transfererlöse. Wegen der Bundesliga-Unterbrechung fallen aktuell viele Einnahmen weg. Wenn die Bremer erstklassig bleiben sollten, würden zudem teure Kaufklauseln für die Leihspieler Ömer Toprak und Leonardo Bittencourt greifen. Dieses Geld muss Werder durch Verkäufe einspielen.

Niemand kann jedoch seriös einschätzen, wie der Transfermarkt nach der Saison aussehen wird. „In den vergangenen Wochen gab es für viele Klubs große Ungewissheiten. Das wird auch noch länger so bleiben„, prognostiziert Baumann. Dennoch ist er überzeugt, dass trotz der Einbußen durch die Corona-Pandemie Spieler ver- und gekauft werden. „Der Transfermarkt wird sich im Sommer in Bezug auf die Gesamterlöse deutlich reduzieren, aber für gute Spieler wird es immer einen Markt geben.“

Rashica gehört fraglos zu dieser Kategorie. Im Januar 2018 wechselte für kolportierte sieben Millionen Euro von Vitesse Arnheim zu Werder. Etwa ein Jahr brauchte der kosovarische Nationalspieler, um sich an die Bundesliga zu gewöhnen, dann schaffte er den Durchbruch zum Leistungsträger. In der aktuellen Saison kam Rashica in 24 Pflichtspielen auf zehn Treffer und fünf Torvorlagen, befand sich allerdings seit der Winterpause wie das restliche Team im Formtief. Seinem Martkwert scheint das nichts auszumachen.

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