Zweite Bundesliga Erst ungenau, dann unbeugsam - Werder und die Rückstände

Werder findet auf Rückstände oft Antworten, bringt sich aber vorher selbst in Not. Das Team von Ole Werner muss daran arbeiten, auch mal wieder in Führung zu gehen.
11.04.2022, 20:24
Lesedauer: 3 Min
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Von Daniel Cottäus
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Die Zahl steht. Als Fakt und dementsprechend unumstößlich, nur mit ihrer Einordnung, da ist es durchaus kompliziert. Insgesamt 16 Punkte hat Werder Bremen in der laufenden Saison nach Rückständen am Ende noch verbucht, was einen Zweitliga-Bestwert darstellt und so betrachtet natürlich positiv ist. Andererseits liefert diese 16 aber auch einen klaren Hinweis darauf, dass Werder schon reichlich Kraft dafür aufwenden musste, um Gegentreffern hinterherzulaufen, weil es sich die Mannschaft zuvor selbst schwer gemacht hatte.

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Die jüngsten beiden Spiele gegen St. Pauli und Sandhausen, die nach einem 0:1-Rückstand jeweils 1:1 endeten, veranschaulichen das sehr schön – und führen direkt zu zwei großen Schlagworten, die in den Diskussionen rund um Werder Bremen derzeit häufig fallen: Moral und Chancenverwertung. Denn: Natürlich zeugt es von großer Moral, nach Rückschlägen regelmäßig zu antworten, was bei einer entsprechend besseren Chancenverwertung aber gar nicht erst nötig werden würde. „Es wäre wünschenswert, wenn wir uns schon in der ersten Halbzeit öfter mal mit einem Tor belohnen würden“, sagt Werders Leiter Profi-Fußball Clemens Fritz im Gespräch mit der Deichstube – sieht die Comeback-Qualitäten seines Teams aber als Plus im Kampf um den Aufstieg.

Gegentreffer erst im zweiten Durchgang

„Es ist etwas Positives, dass wir den Glauben an die eigene Stärke haben und ruhig bleiben“, betont Fritz und erkennt darin einen Beleg für die „Erfahrung und körperlich gute Verfassung der Mannschaft“. Gegen St. Pauli war es den Bremern beispielsweise gelungen, trotz 0:1-Pausenrückstands in einem enorm aufgeheizten Millerntor-Stadion wieder zurückzukommen, was gegen einen Mit-Aufstiegsaspiranten, der nach wie vor die heimstärkste Mannschaft der 2. Liga stellt, ohne Frage ein Erfolg ist. Und trotzdem klang Werders Cheftrainer Ole Werner nach dem Spiel so: „Wir hätten von den Chancen und den Spielanteilen her zwei Punkte mehr haben können als nur diesen einen.“ In der Tat: Ehe die Hamburger durch Daniel Kyereh kurz vor der Pause in Führung gingen, hatte Werder gleich mehrmals aus besten Positionen einen eigenen Treffer verpasst. Sowohl Niclas Füllkrug als auch Marvin Ducksch schrieben dabei mit ihren vergebenen Großchancen einen Bremer Trend fort: Von bisher 53 erzielten Werder-Treffern fielen 40 erst im zweiten Durchgang. Vorher ist das Visier oftmals nicht scharf genug gestellt.

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„Wir haben in den letzten Wochen einiges liegen lassen“, weiß auch Mittelfeldspieler Leonardo Bittencourt, der sich und seinen Teamkollegen deshalb einen klaren Auftrag erteilt: „Wir müssen jetzt daran arbeiten, auch mal wieder in Führung zu gehen. Dann würden uns die Spiele auch leichter fallen.“ Anders ausgedrückt: Dann wäre gegen Sandhausen ziemlich sicher und gegen St. Pauli womöglich auch mehr drin gewesen als nur dieser eine Punkt. 

Positive Bewertung

Da Werder aber trotzdem nach Schalke (59 Tore), St. Pauli (54) und Darmstadt (57) die viertbeste Offensive der Liga und zudem in Füllkrug und Ducksch (gemeinsam 32 Treffer) das beste Sturmduo stellt, ist das Klagen über vergebene Chancen natürlich eines auf hohem Niveau. Vielleicht auch deshalb haben sie sich im Verein dazu entschieden, die Sache mit den Möglichkeiten vor dem Tor grundsätzlich positiv zu deuten. „Man kann es ja auch so bewerten, dass wir uns viele Chancen erspielen“, hält Fritz fest, während sich Werner schon am Millerntor ganz ähnlich geäußert hatte: „Es ist positiv, dass wir uns viele Chancen erarbeiten und dass wir sehr dominant waren.“

Stabile Reaktion

Damit soll es in den letzten fünf Partien der Saison natürlich weitergehen – und zwar in der Hoffnung, dass es am Ende nicht immer nur Ducksch und Füllkrug sind, die die Angriffe veredeln. Seit dem 11. Spieltag im Oktober hat immer mindestens einer der beiden Bremer Angreifer getroffen, seit dem 21. Spieltag Anfang Februar allerdings auch kein anderer Werder-Profi mehr. Dadurch gingen die bis dato letzten zwölf Werder-Treffer allesamt auf das Konto der „hässlichen Vögel“, was Werder für die Konkurrenz ausrechenbarer gemacht hat. Leichter zu besiegen sind die Bremer deshalb aber nicht gewesen. Bis auf Heidenheim ist es noch keiner Mannschaft gelungen, Werder seit der Amtsübernahme von Coach Ole Werner eine Niederlage beizubringen, was zweifelsfrei im Laufe der Monate für ein gewisses Selbstverständnis gesorgt und seinen Teil zur eingangs erwähnten Moral beigetragen hat.


„Es zeigt eine gewisse Stabilität, so zurückzukommen und auf Rückschläge reagieren zu können“, hielt Werner nach dem 1:1 gegen St. Pauli fest – und ließ Sätze folgen, die halb nach nüchterner Einschätzung und halb nach Ansage an die Konkurrenz klangen: „Genau auf solche Dinge kommt es jetzt eben an. Wer bleibt stabil? Die Mannschaft, die das am besten hinbekommt, wird am Ende auch ganz oben stehen.“  

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