Kleine Überraschung Werder-Profis haben entschieden: Marco Friedl ist neuer Kapitän

Die Mannschaft des SV Werder Bremen hat entschieden: Marco Friedl ist der neue Kapitän für die kommende Saison. Dabei galt der 24-jährige Österreicher als Außenseiter - genau wie auch sein Stellvertreter.
24.07.2022, 15:16
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Björn Knips

Nicht Niclas Füllkrug oder Leonardo Bittencourt – nein, Marco Friedl ist der neue Kapitän des SV Werder Bremen. Und das darf durchaus als kleine Überraschung bezeichnet werden. Denn mit seinen erst 24 Jahren und seinem fast erzwungenen Wechsel vor einem Jahr galt der Österreicher als Außenseiter. Doch die Mannschaft wählte den Abwehrspieler zu ihrem neuen Chef und setzte auch beim Vize-Kapitän nicht auf einen der beiden Favoriten, sondern auf Milos Veljkovic (26). Füllkrug (29) und Bittencourt (28) gehören wie Christian Groß (33) immerhin dem Mannschaftsrat an, den Trainer Ole Werner vor der Wahl bestimmt hatte. Aus diesem Kreis durften die Profis dann den Kapitän und dessen Stellvertreter bestimmen.

„Ich freue mich sehr über das Vertrauen der Jungs. Es ist für mich eine große Verantwortung, als der Kapitän diesen Verein auf und neben dem Platz zu vertreten“, sagte Friedl, dessen Inthronisierung beim Tag der Fans offiziell verkündet wurde. Mit seinen 24 Jahren ist er der jüngste Werder-Kapitän in diesem Jahrtausend, dabei allerdings auch nicht viel jünger als Frank Baumann im Jahr 2000. Und der heutige Sportchef behielt diesen Job neun Jahre lang bis zu seinem Karriereende und feierte dabei so große Erfolge wie den Double-Sieg.

Für Marco ist das sicherlich noch einmal eine neue Rolle, von der ich überzeugt bin, dass er sie gut erfüllen wird.
Werder-Coach Ole Werner

„Für Marco ist das sicherlich noch einmal eine neue Rolle, von der ich überzeugt bin, dass er sie gut erfüllen wird“, berichtete Werner und betonte: „Ich denke, wir haben einen Mannschaftsrat, in dem sich die unterschiedlichen Charaktere der Mannschaft widerspiegeln und in dem jeder Spieler einen Ansprechpartner hat. Gemeinsam werden sie Verantwortung übernehmen und als Gruppe die Mannschaft führen.“
Spannend wird dabei, wie Füllkrug und Bittencourt mit ihrer Nebenrolle umgehen werden.

Beide gehören schon länger zu den Wortführern und hätten selbst gerne die Binde getragen. Und rein vom Alter und der Erfahrung hätten sie wahrscheinlich auch besser als Nachfolger von Ömer Toprak gepasst. Der 33-Jährige war für seine ruhige, besonnene, aber auch deutliche Art bekannt gewesen – und wurde dafür sehr geschätzt. Immer wieder wird betont, wie sehr er der Mannschaft gerade in der Kabine fehlt. Doch Werder hatte sich mit Toprak nicht auf eine Vertragsverlängerung einigen können, was auch an dessen Verletzungsanfälligkeit lag. Die Bremer gaben deshalb nur ein stark leistungsbezogenes Angebot ab. Toprak entschied sich dagegen und heuerte bei seinem Kumpel Nuri Sahin bei Antalyaspor in der Türkei an.

Lesen Sie auch

In Bremen soll nun Friedl Topraks Job übernehmen. Keine leichte Aufgabe. Immerhin ist der Innenverteidiger sportlich unantastbar, hat seinen Stammplatz sicher. Wenngleich der Nationalspieler beweisen muss, dass er auch in der Bundesliga ein Leistungsträger sein kann – und zwar ohne einen Toprak an seiner Seite. Sportlich und menschlich hat der Österreicher in den vergangenen Monaten einen gewaltigen Sprung gemacht, er wirkt viel reifer und reflektierter. Das wird gewiss auch an den unrühmlichen Vorkommnissen im vergangenen Sommer liegen. Kurz vor Ende der Transferperiode hatte er beim Heimspiel gegen Hansa Rostock kurzfristig um eine Auszeit gebeten, weil er sich mit einem Wechsel zu Union Berlin beschäftigte. Der Streik sorgte für viel Ärger bei den Verantwortlichen und den Fans. Der Transfer platzte, weil die Berliner nicht die geforderte Ablöse zahlen wollten. Friedl entschuldigte sich, zahlte eine Geldstrafe und kehrte ins Team zurück.

Weil Friedl anschließend auf dem Platz um jeden Meter kämpfte und stark aufspielte, war die Geschichte schnell vergessen. Er wurde zu einem der prägenden Gesichter des Aufstiegs und verlängerte dann im Sommer vorzeitig seinen Vertrag. „Natürlich würde ich mich freuen, wenn ich der Kapitän wäre“, hatte er kurz darauf im Trainingslager im Zillertal gesagt. Nun ist er es tatsächlich geworden. Von den Fans gab es dafür jedenfalls schon mal jede Menge Applaus.

Lesen Sie auch

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+