„Max kommt nicht, das ist sicher"

Kruse sagt Werder ab

Lange sah es danach aus, dass Max Kruse erneut zu Werder zurückkehrt. Nun die Wende: Frank Baumann hat bestätigt, dass Kruse Werder eine Absage erteilt hat. Zugleich betont Baumann, damit „gut leben zu können".
06.08.2020, 10:45
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Kruse sagt Werder ab
Von Malte Bürger
Kruse sagt Werder ab

Max Kruse wird in der neuen Saison nicht für Werder spielen.

Nordphoto

Nun ist es raus – und es war nicht einmal eine der vielen Video-Nachrichten von Max Kruse in den sozialen Medien notwendig. Werders Sportchef Frank Baumann war es, der am Mittwoch den kurzen, aber heißen Flirt mit dem ehemaligen Kapitän offiziell für beendet erklärte. „Max kommt nicht zu Werder, das ist sicher", sagte Baumann in einer Medienrunde. Seit Wochen kursierten Gerüchte um eine abermalige Verpflichtung des inzwischen 32-Jährigen, der im vergangenen Jahr in die Türkei zu Fenerbahce Istanbul gewechselt war, dort aber vor einiger Zeit seinen Vertrag einseitig gekündigt hatte.

Kruse will zurück in die Bundesliga, das hat er bereits signalisiert. Nun müssen sich die vielen Werder-Fans, die auf eine Rückkehr des Offensivspielers gehofft hatten, jedoch darauf einstellen, dass Kruse in der kommenden Saison gegen die Bremer auflaufen wird. Jedes noch so kleine Lächeln aller Beteiligten, jeder noch so halbgare Nebensatz taugte in den vergangenen Tagen dazu, den Puls vielerorts in die Höhe schnellen zu lassen. Das Thema Kruse bewegte die Massen in den Foren und Netzwerken. Die Gefühlspalette bot zunächst vor allem reichlich Zuversicht. Frei nach dem Motto: Wenn Kruse schon nach Deutschland will, wo bitteschön sollte er sich wohler fühlen als rund um den Osterdeich? Max Kruse hat diese Frage für sich beantwortet. Und er hat einen anderen Wirkungskreis für sich gewählt.

Unterschiedliche Vorstellungen

Allerdings steht noch immer nicht fest, wohin sein Weg denn nun genau führen wird. Dafür aber, warum es nicht erneut an die Weser geht. „Es ist so, dass er etwas anderes möchte. Andere Dinge sind für ihn wichtiger als das gewohnte Umfeld, das Wissen, was ihn hier erwartet. Welcher Fußball, welcher Trainer“, sagte Baumann. „Max ist jemand, der immer wieder neue Herausforderungen sucht und für den andere Dinge wichtig sind – und das ist auch absolut in Ordnung. Wir können mit dieser Entscheidung sehr gut leben.“

Es gibt also keinen Groll, keine riesige Enttäuschung. Frank Baumann gab sich ziemlich gelassen, als er die vermeintlich schlechte Nachricht verkündete. Vielleicht auch, weil diese Nachricht am Ende gar keine schlechte für Werder sein muss. Max Kruse spielte gegenüber den Bremer Verantwortlichen stets mit offenen Karten, nach WESER-KURIER-Informationen teilte er ihnen am Montagabend seinen Entschluss mit, dass er seine sportliche Zukunft nicht in Bremen sieht. „Max war in den Gesprächen sehr ehrlich und hat erklärt, was für ihn in den nächsten Jahren wichtig ist“, sagte Baumann. Und Werders Sportchef merkte nicht erst jetzt, dass die jeweiligen Visionen allen vorherigen Bemühungen zum Trotz nicht in allzu vielen Punkten übereinstimmten. Beispielsweise als es darum ging, „mit welchem Ehrgeiz, mit welcher Intention er die kommenden Jahre angehen möchte“, sagte Baumann. „Und daher wäre es für uns kein großes Thema gewesen“, sagte Baumann. Es klang fast so, als sei Kruses Absage einem Nein aus Bremen zuvorgekommen. „Es ist also eine Entscheidung, die wir auch für uns getroffen hätten“, meinte der Sportchef.

Keine Frage des Geldes

Werder muss also auf einen Spieler verzichten, der in der Vergangenheit häufig gezeigt hat, zu welchen Leistungen er fähig ist. Wie groß die Lücke war, die sein Abschied 2019 hinterlassen war, hat die vergangene Saison gezeigt. Wo der Ex-Kapitän einst Bälle festmachte, geschickt weiterleitete oder selbst aufs Tor brachte, tat sich die Elf von Florian Kohfeldt nun unheimlich schwer. Yuya Osako, der zum Kruse-Nachfolger ausgerufen worden war, schaffte es keineswegs, den langen Schatten des früheren Nationalspielers auszufüllen. Auch nicht mit der Unterstützung seiner Teamkollegen.

Es wäre also ein recht nachvollziehbarer Zug gewesen, die Uhr wieder ein Stück zurückzudrehen – zumal Kruse, der unlängst keinen Hehl daraus gemacht hatte, auch wegen des Geldes an den Bosporus gewechselt zu sein, nun bereit war, deutlich niedrigere Gehaltsforderungen zu stellen. Auch deshalb wurde er natürlich für Werder wieder interessant. Allerdings auch für die Konkurrenz. „Wenn ein Spieler wie Max, mit dieser Qualität und der Vergangenheit, die er bei Werder hatte, auf dem Markt ist, dann ist es selbstverständlich, dass man sich seine Gedanken macht“, sagte Frank Baumann. Nun sind neue Gedanken vonnöten, um den Bremer Kader zu gestalten.

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