Meisterspieler Gerhard Zebrowski wird 80 Ein Dribbelkünstler und Spaßvogel

Er ist Werderaner durch und durch: Gerhard Zebrowski wechselte mit 13 Jahren zum Verein und gewann 1965 die deutsche Meisterschaft. An diesem Sonnabend wird er 80 Jahre alt.
25.04.2020, 09:25
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Ein Dribbelkünstler und Spaßvogel
Von Christoph Bähr

Wenn Werder in den 1960er-Jahren gegen den HSV gespielt hatte, suchte der Hamburger Jürgen Kurbjuhn danach immer wieder das Gespräch mit dem Bremer Max Lorenz, den er aus der Nationalmannschaft kannte. „Jedes Mal hat er mir gesagt: Mensch, euren Zebrowski kriege ich einfach nicht in den Griff, dabei nehme ich es mir immer fest vor“, erinnert sich Lorenz. Kurbjuhn war nicht irgendjemand, er war Nationalspieler. Dass solch ein Topverteidiger die Duelle mit Gerhard „Gerd“ Zebrowski fast schon fürchtete, sagt viel aus über die Qualitäten des Bremer Außenstürmers. Wieselflink, dribbelstark, torgefährlich – Zebrowski war ein Eckpfeiler der Werder-Mannschaft, die 1965 erstmals eine deutsche Meisterschaft nach Bremen holte. 1961 hatte er mit den Grün-Weißen bereits den DFB-Pokal gewonnen.

An diesem Sonnabend wird Gerd Zebrowski 80 Jahre alt. In Zeiten der Coronavirus-Pandemie feiert er im kleinen Kreis mit seiner Frau und seiner Tochter. „Die richtige Feier wird nachgeholt, wenn der ganze Mist vorbei ist“, sagt Zebrowski und lacht. „Mit Gerd hatte man immer Spaß, ein wirklich lustiger Typ“, betont Max Lorenz. Der trockene, norddeutsche Humor zeichnet Zebrowski aus, das wird im Gespräch schnell deutlich. Seine Herkunft kann er nicht verbergen: Zebrowski ist waschechter Bremer. Er stammt aus Walle und lebt heute in Grolland.

Der Traum vom Titel

Bereits mit 13 Jahren wechselte er in die Werder-Jugend. „Da hatten alle den großen Traum, einmal mit Werder deutscher Meister zu werden“, sagt Zebrowski. Dass er diesen Traum verwirklichen konnte, sei etwas ganz Besonderes. „Ich bin schließlich Werderaner durch und durch.“ Zebrowski trug einen wesentlichen Anteil dazu bei, dass die Bremer 1965 die Meisterschaft gewannen. Klaus Matischak war mit zwölf Treffern der beste Bremer Torschütze der Meistersaison, Zebrowski mit elf Treffern der zweitbeste.

„Er war ein erstklassiger Rechtsaußen, enorm schnell und pfiffig“, sagt Lorenz über den früheren Mitspieler. „Manchmal sind die Trainer verzweifelt, weil er den Ball einfach nicht abspielen wollte. Er hat sein Ding gemacht, aber das war meistens erfolgreich.“ Zebrowski liebte die direkten Duelle mit den Abwehrspielern. Der kleine, trickreiche Außenstürmer war jene Art von Spieler, die dem Kontrahenten Knoten in die Beine spielen konnte. „Natürlich hat er auch oft was auf die Knochen bekommen“, erinnert sich Lorenz. „Manchmal flog Gerd bis auf die Aschebahn, doch er hat nie gemeckert und ist einfach wieder aufgestanden. Verletzt war er nie.“ Zebrowski konnte einstecken und sich durchsetzen, erzielte etwa trotz seiner eher geringen Körpergröße von 1,70 Meter regelmäßig Kopfballtore. „Ich war ein Kopfballungeheuer“, scherzt er.

Ein echter Teamplayer

Während Gerd Zebrowski auf dem Platz eine Vorliebe für Einzelaktionen auszeichnete, trat er abseits des Platzes als absoluter Teamplayer auf. „Er war immer pünktlich, immer fleißig, hat nie beim Training gefehlt“, erzählt Max Lorenz. Ein Grund dafür war sicherlich auch Zebrowskis große Identifikation mit Werder. Seinen ersten Vertrag als Herrenspieler habe er 1959 blind unterschrieben, sagt er. Das Geld war zweitrangig, für ihn zählte nur, dass er endlich für seinen Verein in der ersten Mannschaft auflaufen durfte. Auch später als etablierter Spieler habe er bei Verhandlungen nie gefeilscht.

In der Oberliga Nord bestritt Zebrowski insgesamt 71 Partien für Werder und traf dabei 27 Mal. In der 1963 gegründeten Bundesliga kam er auf 145 Einsätze und 40 Tore. Zebrowski lief zudem für das B-Nationalteam und die Bundeswehr-Auswahl auf. 1969 verließ er Werder und ging zu Bremerhaven 93, ehe er seine Karriere bei der SV Hemelingen ausklingen ließ.

Dem SV Werder, seinem Verein, blieb er verbunden. Ab 1972 gaben Zebrowski und Matischak mit ihrer Werbeagentur das Stadionmagazin „Werder-Echo“ heraus. Im Weserstadion war er über all die Jahre natürlich auch regelmäßig und verfolgt das Geschehen bei Werder bis heute intensiv. Zebrowskis Wunsch zum 80. Geburtstag hat allerdings weder mit Fußball noch mit seinem Herzensklub zu tun. Auf die entsprechende Frage reagiert er mit einem Lachen und der trockenen Antwort: „Ich hätte gerne einen Mercedes.“

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