Corona-Krise beschäftigt Werder-Mitarbeiter

„Natürlich machen sich alle Gedanken“

Das Coronavirus sorgt für Unruhe auf dem Arbeitsmarkt. Auch bei Werder sorgen sich Mitarbeiter um ihren Job. Präsident Hubertus Hess-Grunewald hat nun versucht, den Angestellten diese Furcht zu nehmen.
26.03.2020, 11:58
Lesedauer: 3 Min
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„Natürlich machen sich alle Gedanken“
Von Malte Bürger
„Natürlich machen sich alle Gedanken“

Am Weserstadion ist es ruhig geworden, viele Angestellte arbeiten im "Home Office" und sorgen sich um ihre Zukunft.

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Im Laufe der Saison hat es etliche bittere Scherze gegeben. Werders recht harmlose Offensive musste so zum Beispiel reichlich Hohn und Spott über sich ergehen lassen. Wer es besonders böse meinte, befand kurz und knapp, dass sich die Bremer Angreifer seit vergangenem Dezember in Kurzarbeit befinden. Etliche Wochen später ist das Thema das gleiche, doch zum Scherzen ist diesbezüglich niemandem mehr zumute. Auch bei Werder geht es um Existenzen. Nicht auf dem Platz, sondern dort, wo das Rampenlicht nicht mehr unbedingt hinstrahlt.

Es ist diese quälende Frage nach dem Wie, die kursiert. Wie geht es weiter? Nicht nur gesundheitlich und gesellschaftlich, sondern auch beruflich. Das Coronavirus sorgt für Unruhe auf dem Arbeitsmarkt, etliche Angestellte in Deutschland fürchten um ihren Job. Die Politik will um jede Stelle kämpfen, doch angesichts von Kurzarbeit und Einnahmeeinbußen der großen und kleinen Unternehmen wachsen die Sorgenfalten. Bei Werder ist das nicht anders.

Am Weserstadion ist es ruhig geworden, mehr als Dreiviertel der rund 180 Mitarbeiter befinden sich im „Home Office“. Der Trainingsbetrieb ruht, Pflichtspiele sowieso. Das Flaggschiff Bundesliga liegt vor Anker. Dort, wo es vorher reichlich zu tun gab, brechen nun nach und nach die Tätigkeitsfelder weg. Und je länger die Auszeit dauert, desto schwieriger wird es, das Vakuum zu füllen. „Wir haben Verwaltungsarbeiten und konzeptionelle Aufgaben, die mitunter liegen geblieben sind, mit denen sich die Mitarbeiter nun beschäftigen“, schildert Werder-Präsident Hubertus Hess-Grunewald die Situation. „Wir stehen im regelmäßigen Kontakt, die jeweiligen Führungskräfte tauschen sich aus. Einige Mitarbeiter haben allerdings auch Urlaub und versuchen so, ihre jeweiligen Zeitguthaben abzubauen. Wir sind da vielfältig aufgestellt, um der Situation gerecht zu werden.“

Wirtschaftliche Herausforderung

Der 59-Jährige macht andererseits auch keinen Hehl daraus, dass es die perfekte Lösung für die aktuelle Misere nicht gibt. Noch nicht. „Wir haben alle eine solche Situation noch nie gehabt. Alle müssen sich neu darauf einstellen und damit umgehen“, sagt er. Und Hess-Grunewald ist natürlich nicht verborgen geblieben, dass das nicht allerorts immer so einfach ist. Der drohende Abstieg hatte in den vergangenen Monaten schon allein dafür gesorgt, dass die Zukunft ungewiss war - nun folgte das Coronavirus. „Natürlich machen sich alle auch Gedanken, wie es weitergeht. Da gibt es Fragen wie: Spielen wir in dieser Saison noch?“, sagt Hess-Grunewald. „Alle wissen auch, dass wir vor wirtschaftlichen Herausforderungen stehen. Die Stimmung ist dennoch professionell, alle Mitarbeiter sind in ihren Aufgaben sehr fokussiert.“

Hubertus Hess-Grunewald versucht in dieser Phase vor allem eines: Den sich aufbauenden psychischen Druck möglichst schnell wieder entweichen zu lassen. In einer Zeit, in der es nur wenig Sicherheiten gibt, will er Vertrauen vermitteln. „Man sollte keine Ängste schüren, wo es keinen Grund dafür gibt“, sagt er mit Blick auf beunruhigte Mitarbeiter. „Wir müssen jetzt mit der Situation umgehen, auch wir als Geschäftsführung sitzen jeden Tag zusammen, rechnen und diskutieren mögliche Szenarien durch und versuchen, daraus unsere Handlungsoptionen abzuleiten.“

Das Prinzip Hoffnung

Die täglich wechselnden Variablen sorgen dafür, dass sich die Bedingungen stetig ändern. Was bleibt, ist die Hoffnung. „Es ist eben alles ungewiss“, sagt Hubertus Hess-Grunewald. „Wir wissen alle nicht, wann wir wieder spielen können, hoffen aber, dass es nicht mehr ewig dauert.“ Unter der Woche hat auch die Deutsche Fußball-Liga (DFL) nachjustiert, aus einer Spielunterbrechung bis zum 2. April wurde eine Empfehlung des Präsidiums, die Partien bis zum 30. April auszusetzen. Ein nächster kleiner Schritt, der aber noch lange keine Klarheit bringt. Die erlösende Perspektive bleibt im Nebel verborgen. Für Werder und vor allem für die Mitarbeiter. Mit diesem neuen Datum „müssen wir jetzt umgehen“, sagt Werders Präsident. „Daran knüpfen wir nun all unsere Angebote, anders ist das gar nicht mach- und vermittelbar.“

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