2:0-Erfolg im Pokal gegen Jena

Werder müht sich in die zweite Runde

Das war alles andere als souverän: Werder hat zwar die zweite Pokalrunde erreicht, zeigte aber beim 2:0 gegen den Viertligisten FC Carl Zeiss Jena eine insgesamt schwache Leistung.
13.09.2020, 10:06
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Werder müht sich in die zweite Runde
Von Christoph Bähr
Werder müht sich in die zweite Runde

Das wichtige Tor zum 1:0: Josh Sargent springt höher als Gegenspieler Dennis Slamar und trifft per Kopf.

dpa

Heidenheim, Münster, Saarbrücken, Lotte – zwischenzeitlich kamen düstere Gedanken an Werders vier peinliche Erstrundenauftritte der vergangenen zehn Jahre auf, doch letztlich reihte sich Jena nicht ein in die Riege der Bremer Pokalblamagen. Im Pokalduell gegen den Regionalligisten FC Carl Zeiss tat sich Werder am Sonnabend zwar schwer, mühte sich aber dank einer Leistungssteigerung nach der Pause mit einem 2:0-Sieg in die zweite Runde. Nach sieben Siegen in sieben Testspielen hatten sich die Bremer sicherlich eine bessere Leistung im ersten Pflichtspiel der Saison erhofft, doch Trainer Florian Kohfeldt hielt nach dem Abpfiff fest: „Man hat gemerkt, dass es ein Pflichtspiel war. Es ging eben um etwas. Ich hätte mir einen etwas souveräneren Auftritt gewünscht.“

Nur einen neuen Spieler hatte Kohfeldt in die Startelf beordert: Der Ex-Nürnberger Patrick Erras kam im defensiven Mittelfeld neben Maximilian Eggestein zum Einsatz. Im Sturm setzte Kohfeldt wie angekündigt auf Josh Sargent, der erneut eine starke Vorbereitung gespielt hatte. Als zweite Spitze agierte Davie Selke, der in den Testspielen die meisten Tore für Werder erzielt hatte. Hinter den beiden Stürmern bildeten Leonardo Bittencourt und Yuya Osako ein Duo im offensiven Mittelfeld. In der Abwehrkette erhielt Kapitän Niklas Moisander den Vorzug vor Marco Friedl.

Kohfeldt setzte auf ein 4-2-2-2-System und wollte durch Kompaktheit im Zentrum zum Erfolg kommen, doch dadurch machte es sich Werder in der ersten Hälfte nur selbst schwer. In der Mitte war es oft zu eng, um sich nach vorne zu kombinieren. Die Flanken von den Außenbahnen kamen nicht an. Dazu stimmte die Staffelung im Mittelfeld nicht, sodass immer wieder Lücken entstanden, die auch der viertklassige Gegner zu nutzen wusste.

Gebre Selassie trifft den Pfosten

Anfangs waren die Bremer immerhin noch überlegen. Die beste Chance vergab Theo Gebre Selassie, der nach einer Bittencourt-Hereingabe an den Pfosten schoss (18.). Die Jenaer merkten jedoch mit zunehmender Spieldauer, dass sich ihnen durchaus Chancen im Offensivspiel boten. Angetrieben von den behördlich erlaubten 1600 Zuschauern im Ernst-Abbe-Sportfeld drückte der Außenseiter den Bundesligisten phasenweise in die eigene Hälfte. Ein Distanzschuss von Maximilian Oesterhelweg war kein Problem für Werder-Torwart Jiri Pavlenka (21.). Auf der Gegenseite scheiterten Gebre Selassie (26.) und Selke (43.) an Jenas Keeper Lukas Sedlak, doch den Bremern fehlten Tempo und Kreativität im Spiel nach vorne. Zu oft wählten sie den Sicherheitspass zum Nebenmann. „Wir waren zu langsam. Jena hat mutig gespielt“, sagte Kohfeldt.

Hinten ließ sich Erras immer häufiger als zusätzliche Absicherung in die Abwehrkette fallen, was gegen einen Viertligisten ein echtes Alarmsignal sein sollte. Kurz vor der Pause hatte Werder dann auch noch mächtig Glück, dass es keinen Elfmeter für die Gastgeber gab, nachdem Gebre Selassie im eigenen Strafraum wohl leicht die Hacken von Dominik Bock touchiert hatte (44.). Beim Stand von 0:0 ging es anschließend in die Pause, und Kohfeldt reagierte auf die schwache erste Halbzeit. Der von seiner Knieverletzung genesene Davy Klaassen und Zugang Tahith Chong kamen für Erras und Osako in die Partie. Die Auswechslungen taten dem Bremer Spiel sehr gut, auch wenn Kohfeldt einschränkte: „Man hätte auch mit dem Personal der ersten Hälfte anders spielen können.“

Die Bremer starteten deutlich entschlossener in die zweite Hälfte und schnürten Jena sofort in der eigenen Hälfte ein. Klaassen als Organisator im Mittelfeld und Chong mit seiner Schnelligkeit waren belebende Elemente. Sofort kam der Bundesligist zu Chancen. Nach einer Ecke köpfte Selke an die Latte (47.). Sargent stand nach einem schönen Bittencourt-Pass frei vor dem gegnerischen Tor, schoss aber nicht selbst, sondern spielte einen abenteuerlichen Querpass auf Selke, der nicht ankam (48.). Eine Minute später machte es der US-Amerikaner besser: Nach einer Flanke von Ludwig Augustinsson schraubte sich Sargent in die Luft und köpfte das erlösende 1:0 für Werder (49.).

Chong, der auf der rechten Seite mit seiner Schnelligkeit und Dribbelstärke für neuen Schwung sorgte, schoss knapp über das Tor (52.). Fünf Minuten danach hätte Bittencourt nach einem herrlichen Klaassen-Pass das zweite Tor erzielen müssen, doch er bugsierte den Ball freistehend am langen Eck vorbei. Werders Spiel war nun strukturierter und breiter angelegt, doch restlos überzeugend trat der Favorit weiterhin nicht auf. In der 62. Minute spitzelten Ömer Toprak und Moisander ihrem Gegenspieler Pasquale Verkamp gemeinschaftlich gerade noch den Ball vom Fuß, sonst wäre es gefährlich geworden.

Chong muss behandelt werden

Für einen Schreckmoment sorgte dann ausgerechnet Chong, einer der Lichtblicke in Werders Team. Der Flügelstürmer musste nach einem Zweikampf im Mittelfeld am Knie behandelt werden, konnte aber weitermachen (73.). „Er hat einen Schlag abbekommen. Überhaupt hat er ziemlich auf die Socken gekriegt. Wir müssen auf ihn aufpassen“, betonte Kohfeldt.

Mit Niclas Füllkrug und Nick Woltemade für Selke und Bittencourt brachte Werders Trainer in der Schlussphase noch einmal zwei frische Offensivleute (74.). Füllkrug sorgte sofort für Gefahr im Strafraum. Werder wollte die Entscheidung, musste aber weiterhin aufmerksam verteidigen. Die Jenaer mobilisierten in der Schlussphase die letzten Kräfte und bekamen eine Chance auf den Ausgleich: Rene Eckardt fiel der Ball nach einem Freistoß vor die Füße, doch Pavlenka wehrte den Schuss ab (84.).

Kurz darauf beendete der starke Chong das Bremer Zittern, als er zwei Gegenspielern davon lief und zum entscheidenden 2:0 einschob (88.). In der Nachspielzeit rettete Pavlenka noch stark gegen Oesterhelweg, dann war Schluss. Die Pflicht hatte Werder somit erfüllt und die nächste Runde erreicht. Um auch nur ein kleines bisschen Euphorie vor dem Bundesliga-Start gegen Hertha BSC am kommenden Sonnabend zu erzeugen, taugte dieser mühsame Sieg beim Viertligisten Jena aber überhaupt nicht.

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