Nationalspieler abgeschottet

Wegen Corona: Werder spaltet seine Mannschaft

Vor dem Spiel beim VfB Stuttgart am Ostersamstag wird die Sicherheit beim SV Werder Bremen groß geschrieben. Täglich gibt es nun Corona-Schnelltests, die Nationalspieler werden zudem vom Team getrennt.
31.03.2021, 12:07
Lesedauer: 2 Min
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Von Björn Knips und Carsten Sander
Wegen Corona: Werder spaltet seine Mannschaft

Ein gemeinsames Training wird es beim SV Werder Bremen weiterhin geben, ansonsten wird das Team aber bewusst gespalten.

nordphoto / Stoever

Der SV Werder Bremen schaltet vor dem Bundesliga-Spiel gegen den VfB Stuttgart bei seinen ohnehin schon umfangreichen Hygiene- und Schutzmaßnahmen in der Corona-Pandemie noch einmal zwei Gänge hoch: Zu den üblichen zwei Corona-PCR-Tests pro Woche werden ab dem 1. April gemäß einer Fortschreibung des Hygienekonzepts der Deutschen Fußball-Liga (DFL) nun auch an allen anderen Tagen Schnelltests beim gesamten Spielerkader verlangt. Außerdem wird die Mannschaft gewissermaßen gespalten. Die Profis, die in dieser Woche von ihren Länderspielen zurückkehren, dürfen vorerst nicht zu ihren Kollegen in die Mannschaftskabine, sondern ziehen sich im Gäste-Bereich um. Anders als die Schnelltest-Pflicht sei dies „eine eigenständige Maßnahme des SV Werder“, erklärt Dr. Daniel Hellermann (43), der Mannschaftsarzt und Hygienebeauftragte des Clubs: „Die Idee kam von uns, und wir haben uns mit dem Bremer Gesundheitsamt abgesprochen.“

Auch bei der Pflege und beim Essen wird darauf geachtet, dass es bis zum Abflug am Samstag zum Auswärtsspiel beim VfB Stuttgart keinen Kontakt zwischen den weit gereisten Nationalspielern und dem Rest des Kaders gibt. Einzige Ausnahme: das gemeinsame Training auf dem Platz. Das stellt laut Hellermann auch nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen kein besonderes Risiko dar: „Auf dem Platz, an der frischen Luft laufen die Spieler nicht ständig durch ein und dasselbe Aerosol. Die wissenschaftlichen Daten gehen dahin, dass bei Sport im Freien keine Infektionsgefahr besteht – auch nicht bei Kontaktsportarten wie Fußball.“

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In allen anderen Bereichen fährt Werder weiter auf höchster Sicherheitsstufe, damit kein Nationalspieler, der die vergangenen Tage in Wales, Japan, Irland, Polen, Österreich oder sonstwo verbracht hat und dabei mit Teamkollegen aus allen Ecken Europas oder der Welt zusammengekommen ist, eine der Corona-Virus-Varianten in den kleinen Werder-Kosmos einschleppt. „Das Risiko ist durch diese Reisen logischerweise erhöht“, sagt Dr. Hellermann, „aber mit allem, was wir machen, versuchen wir, die Gefahr eines Infektions-Ausbruchs im Team so klein wie möglich zu halten. Wenn ein Spieler infiziert zurückkommen sollte, wollen wir ihn ausgemacht haben, bevor er einen Indoor-Kontakt zu den Kollegen hat.“

Dass das aber nicht immer umsetzbar ist, bleibt das nicht auszuschaltende Restrisiko. Um ganz sicherzugehen, müsste ein Nationalspieler fünf bis sieben Tage von allen anderen ferngehalten werden, erst dann ist per PCR-Test eine Infektion wirklich auszuschließen. Die Frist lässt sich aber bis zum Spiel in Stuttgart am Sonntag nicht einhalten. „Das sind Dinge, mit denen wir leben müssen“, meint Dr. Hellermann.

Die täglichen Schnelltests, mit denen Werder gestern begonnen hat, sollen die Bundesliga-Vereine auf dem Weg zur größtmöglichen Sicherheit noch ein Stück weiter voranbringen. Um vor jedem Trainings- oder Reisetag den kompletten Kader zu checken, hat Hellermann ein Team von fünf geschulten Mitarbeitern zusammengestellt. Und um die Rückkehrer aus den Nationalteams auch medizinisch bestmöglich zu betreuen, wurde aus dem Kreis der Physiotherapeuten eine Kraft abgestellt, die sich ausschließlich um diese Spieler kümmert.

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