Nächster Werder-Gegner Hertha

Neuer Spott statt Anerkennung

Die Saison hat noch gar nicht angefangen, da wird es bei Hertha BSC schon ungemütlich. Ausgerechnet jetzt trifft Werder auf den finanzstarken Klub, über den seit der ersten Pokalrunde wieder viel gelacht wird.
15.09.2020, 18:39
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Neuer Spott statt Anerkennung
Von Malte Bürger
Neuer Spott statt Anerkennung

Steht unter besonderer Beobachtung: Bruno Labbadia.

dpa

Die Rechnung könnte so einfach sein: Werder hat vor ein paar Wochen Eintracht Braunschweig besiegt, das nun wiederum Hertha BSC düpierte. Und da die Berliner am kommenden Sonnabend im Weserstadion zu Gast sind (15.30 Uhr), ist die dortige Punktevergabe eigentlich schon zugunsten der Bremer geklärt. Tja, aber so funktioniert der Fußball nun einmal nicht. Und deshalb lassen sie bei Werder auch lieber Vorsicht walten: „Für mich hatte Hertha das schwerste Los in der ersten Runde. Auswärts bei einem Zweitligisten wie Eintracht Braunschweig – das ist schon nicht einfach“, sagte Florian Kohfeldt.

Als alleinige Entschuldigung für das, was da am vergangenen Freitag in Niedersachsen passierte, geht das allerdings nicht durch. Der Hauptstadtklub verlor mit 4:5 in Braunschweig – nicht nach Elfmeterschießen, sondern innerhalb der regulären Spielzeit. „Es war furchtbar, eine Katastrophe“, sagte hinterher der neue Torhüter Alexander Schwolow, der sich den Start nach seinem Wechsel aus Freiburg an die Spree komplett anders vorgestellt hatte.

Ein konsternierter Trainer

Und auch Trainer Bruno Labbadia wirkte konsterniert. „Ich habe selten so ein Spiel erlebt, das man auf der einen Seite so klar im Griff hat, und dann aber gefühlt mit jedem Schuss einen Treffer kassiert“, sagte er. Allein der Ex-Bremer Martin Kobylanski schlug dreimal zu. Die Saison hat noch gar nicht richtig begonnen, da rumort es in Berlin bereits. Und gespottet wird deutschlandweit. Mal wieder. Das Jürgen-Klinsmann-Debakel ist schließlich erst wenige Monate her.

Die Vorbereitung ist alles andere als gut gelaufen, die letzten drei Testspiele gingen allesamt verloren. Nicht einmal einen einzigen Treffer erzielte die Mannschaft dabei. Das eigene Selbstverständnis lässt eigentlich keinen Raum für derartige Rückschläge. Der selbst ernannte „Big City Club“ strebt nach Höherem. Dank Investor Lars Windhorst spielt Geldmangel in Berlin keine Rolle mehr, im Herbst steht die nächste Finanzspritze an. Satte 374 Millionen Euro wird der Verein dann insgesamt schon erhalten haben. Zahlen, bei denen anderen Klubs schwindelig wird. Bruno Labbadia wehrt sich trotzdem gegen das Image der Neureichen. „Der Verein muss sehr clever mit seinen Mitteln haushalten“, sagte er der „Welt am Sonntag“. „So blöd das klingen mag: Diese aktuellen Mittel reichen unter Umständen beim heutigen Transfermarkt gerade für ein oder zwei neue Spieler, wenn man sich nur an den oberen Regalen orientieren würde.“ Nun ja, es soll Konkurrenten in der Liga geben, die froh wären, wenn sie sich über solch ein Luxusproblem überhaupt Gedanken machen könnten. Werder zum Beispiel. Allein dass sich die Verantwortlichen in Berlin in den teuersten Segmenten umschauen können, zeigt, wie heftig das Gefälle längst ist.

Ein Anführer fehlt

Wer aus diesen Möglichkeiten nichts macht, macht zwangsläufig Fehler. In Berlin werkeln sie daran, diese zu beheben. Bruno Labbadia muss es schaffen, aus einem Kader voller namhafter Spieler eine funktionierende Mannschaft zu formen. Und zwar möglichst schnell, sonst dürfte sein Arbeitsplatz zu einem der ungemütlichsten der ersten Saisonphase werden. Womöglich helfen aber auch weitere Transfers. „Diese typischen Anführer, die fehlen uns“, räumte Sportdirektor Arne Friedrich unlängst im RBB-Podcast „Hauptstadtderby“ ein. Man brauche „auch mal eine Drecksau“.

In Bremen hofft man, dass sie nicht so schnell gefunden wird. „Ich würde dem Ergebnis im Pokal keine Bedeutung für das Spiel am Wochenende beimessen“, beschwichtigte Florian Kohfeldt. „Fakt ist, dass es eine Mannschaft ist, die sich im Sommer sehr verstärkt hat und über eine unheimliche Qualität verfügt. Natürlich wird es ein ganz anderes Spiel als gegen Jena, auch ein schwierigeres. Aber es bieten sich natürlich auch andere Räume.“ Martin Kobylanski und Eintracht Braunschweig haben es bewiesen.

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