Toprak geht positiv in die neue Saison

„Es bringt nichts, negative Gedanken zu haben“

Ömer Toprak sprach mit der Deutschen Presse-Agentur über seine Rolle als Führungsspieler in der jungen Werder-Mannschaft und erklärte, warum es richtig war, an Trainer Florian Kohfeldt festzuhalten.
24.08.2020, 11:24
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Von dpa
„Es bringt nichts, negative Gedanken zu haben“

Nach mehreren Verletzungen ist Ömer Toprak derzeit richtig fit und kann im Zillertal voll mittrainieren.

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Mit Blick auf die vergangene Saison ist die wichtigste Frage die nach Ihrer Gesundheit: Wie geht es Ihnen?

Ömer Toprak: Mir geht es gut. Ich habe keine Beschwerden, ich kann alles mitmachen. Ab und zu bin ich mal im Training raus, aber das ist nur eine Belastungssteuerung. Ansonsten habe ich vom Start der Vorbereitung weg alles mitgemacht.

Mit Davy Klaassen und Josh Sargent gibt es schon wieder zwei verletzte Spieler. Was stimmt Sie positiv, dass es bei Ihnen persönlich mit der Verletzungsanfälligkeit nicht so weitergeht?

Eine Garantie gibt es nicht, keine Frage, aber letztes Jahr war es sehr unglücklich. So hatte ich es noch nie in meiner Karriere. Es bringt nichts, negative Gedanken zu haben, ob es wieder so passieren kann. Ich habe wirklich hart gearbeitet, auch während der Pandemie und in der Sommerpause. Ich habe jetzt so gut wie alle Trainingseinheiten mitgemacht. Von daher gehe ich es positiv an.

Werder hat die wohl nervenaufreibendste Saison der eigenen Bundesliga-Geschichte hinter sich. Anfangs träumte man Europa, dann mussten die Fans bis zum letzten Moment in der Relegation um den Klassenverbleib zittern. Was ist in der kommenden Saison zu erwarten?

Es ist im Moment noch zu früh, über Ziele zu sprechen, weil wir jetzt noch in der Vorbereitung sind. Es sind erst drei Wochen rum. Wir haben viele neue Spieler bekommen, das Transferfenster ist noch länger offen. Es kann immer etwas passieren. Ich glaube, dadurch ist es jetzt auch für viele Vereine schwierig, etwas zum Saisonziel zu sagen, weil man auch nicht weiß, wie es mit der Pandemie weitergeht, wie man planen kann. Für uns gilt es, jede Trainingseinheit zu nutzen und aus den Fehlern des letzten Jahres grundsätzlich zu lernen und zu versuchen, es besser zu machen.

In der vergangenen Saison stand auch Florian Kohfehldt in der Kritik, er macht aber weiter. Warum ist er weiterhin der richtige Trainer für Werder?

Es wurde lange darüber in der Öffentlichkeit diskutiert und es wurde an ihm festgehalten. Aus meiner Sicht wurde letztendlich die richtige Entscheidung getroffen. Er ist ein guter Trainer, er kennt Werder Bremen, er lebt Werder Bremen.

Sie haben in der Freiburger Jugend unter Christian Streich trainiert, in Leverkusen unter anderem mit Roger Schmidt und in Dortmund unter Lucien Favre. Wie ordnen Sie Florian Kohfeldt ein?

Ich finde, es ist sehr schwierig, Trainer zu vergleichen und einzuordnen. Jeder Trainer hat seine Stärken, jeder Trainer hat Sachen, für die er steht und jeder hat auch verschiedene Mannschaften. Florian Kohfeldt wurde vor zwei Jahren „Trainer des Jahres“, das hat seinen Grund.

Was sind seine Stärken?

Man sieht bei Werder, dass es - abgesehen vom letzten Jahr - stetig bergauf ging, dass Werder versucht, Fußball zu spielen. Wir stellen uns nicht hinten rein, wir versuchen, Sachen fußballerisch zu lösen. Das sind Sachen, die für Florian Kohfeldt sprechen.

Haben Sie bei Florian Kohfeldt in der Art und Weise einen Wandel festgestellt im Vergleich zur vergangenen Saison?

Nein, es war so eine kurze Pause. Ich würde sagen, bis jetzt gibt es keinen Unterschied.

Wenn man Ihre Karriere im großen Ganzen sieht, könnte man sagen: Es war eine Karriere der Extreme. Würden Sie da zustimmen? Sie hatten den frühen Erfolg als U19-Europameister und deutscher U19-Meister, dann einen Kart-Unfall mit dem drohenden frühen Karriere-Ende. Sie haben mit Bayer Leverkusen und Borussia Dortmund Champions League gespielt, beim BVB dann aber auch viel auf der Bank gesessen, nun bei Werder diese Katastrophen-Saison hinter sich.

Es gibt sicher extremere Karrieren. Aber nichtsdestotrotz ist es so, dass ich viel erlebt habe, ja. Es ging steil hoch, dann war die Karriere eigentlich schon beendet. Im Grunde hat ja keiner mehr daran geglaubt, dass ich noch mal Fußball spielen werde. Ich habe so viele internationale Spiele gespielt - Champions League, Nationalmannschaft. Wenn ich zurückschaue, wo ich war, kann ich sagen: Ich habe wirklich hart gearbeitet, um da hinzukommen. Ich habe schöne Momente wie auch schlechte Momente gehabt, aber das gehört ja einfach dazu.

Sie meinen den Kart-Unfall, nach dem keiner mehr daran geglaubt hat, dass Sie wieder Fußball spielen werden. Wie sehr hat das Ihre Karriere geprägt?

Ich finde, es macht alles nur noch größer, weil letztendlich keiner damit gerechnet hat, dass ich noch einmal spielen werde. Der Unfall ist 2009 passiert, wir haben jetzt 2020, dazwischen liegen elf Jahre Bundesliga, Champions League, Europa League, Nationalmannschaft. Ich finde, dass es einfach größer wird. Es ist jetzt elf Jahre her, und ich bin immer noch hier. Ich will noch lange spielen, mir macht es extrem viel Spaß. Würde es mir keinen Spaß machen, hätte ich es vielleicht nicht geschafft.

Sie haben reichlich Erfahrung in der Champions League gesammelt - ist es nur der logische Schritt, dass Sie zum Führungsspieler bei Werder werden sollen?

In Leverkusen war ich Vizekapitän und auf der Position, auf der ich spiele, muss man einfach viel sprechen. Klar ist, dass ich bei Werder wahrscheinlich die meiste internationale Erfahrung habe. Letztendlich macht es als Führungsspieler jeder auf seine Art. Es ist mein Naturell, ich werde den Jungs helfen. Ich bin auf dem Platz laut, aber ansonsten bin ich ruhig, entspannt. Ich bin offen für die Jungs, sie können jederzeit kommen. Ich glaube, das weiß auch jeder.

Ist das ein bisschen die Rolle, die Claudio Pizarro in der letzten Saison hatte? Als Ratgeber?

Das ist ein bisschen weit gegriffen. Pizarro ist eine Legende hier im Verein. Ich versuche, das auf meine Art zu machen.

Wenn man Ihre Vereinswechsel über Leverkusen nach Dortmund und dann zu Werder betrachtet, ist das auf den ersten Blick ein Abstieg in Ihrer Karriere. Warum ist das aus Ihrer Sicht nicht so?

Ich habe in Dortmund nicht mehr so oft gespielt, keine Frage. Aber es war nicht so, dass jemand gesagt hat: Du musst jetzt unbedingt gehen. Ich habe einfach eine neue Chance und eine neue Herausforderung in Bremen gesehen. Letztes Jahr war es unser Ziel, nach Europa zu kommen - das hat nicht geklappt. Ich war lange international tätig. Jetzt versuche ich, die neue Herausforderung mit meiner Art positiv zu beeinflussen.

Also soll Werder mit Ihnen mittelfristig auch wieder europäisch spielen?

Es ist zu früh, das zu sagen. Aber natürlich hat der Verein bis auf letztes Jahr einen positiven Trend gehabt. Wir hoffen alle, dass letztes Jahr eine Ausnahme war. Aber auch dafür gibt es keine Garantie. Wir müssen hart arbeiten und versuchen, es besser zu machen.

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