Trainingslager Wie Ole Werner seine Werder-Profis zur Einheit formen will

Neben der Verbesserung der körperlichen Fitness hat Werder-Trainer Ole Werner ein weiteres Ziel für das Trainingslager im Zillertal: aus dem Team eine Einheit schaffen. Wie das funktionieren soll.
30.06.2022, 20:12
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Wie Ole Werner seine Werder-Profis zur Einheit formen will
Von Malte Bürger

Ole Werners Österreich-Aufenthalt begann mit einem Geständnis: „Ich war tatsächlich noch nie in den Bergen“, sagte der Trainer des SV Werder Bremen und lächelte, während er den Hängen hinter dem Parkstadion in Zell am Ziller entgegensah. Die überraschten Blicke seiner Zuhörer registrierte er natürlich trotzdem. „Ich bin im Winter kein großer Skifahrer und im Sommer ziehe ich eher den Strand vor“, erklärte er zur Verteidigung. Der 34-Jährige präsentierte sich sichtlich gut gelaunt – aber auch als ein Coach, der genau weiß, was er jetzt sehen will. Und das ist nicht eben wenig.

Der Donnerstag war dazu im Vergleich ein lockerer Aufgalopp. Nach der Anreise per Flugzeug und Bus ging es für seine Spieler zum Lockern der Beine nur noch ein wenig aufs Fahrrad und zum Dehnen in die Turnhalle. Für die nächsten Tage versprach Werner ein strafferes Programm. „Wir sind nach wie vor in der Phase, in der du auch im athletischen Bereich noch einmal eine Spitze setzt. Wir werden körperlich intensiv arbeiten, um zu sehen, wo wir von der Belastung her stehen“, kündigte er an. Sogar anstrengende Morgenläufe schloss er nicht aus. „Da schauen wir mal, da sind wir mit unseren Athletiktrainern noch in der Abstimmung“, meinte er und schob grinsend hinterher: „Ich würde das jetzt aber auch noch nicht preisgeben, denn dann ist der Überraschungseffekt weg.“

So ganz allmählich wird deutlich, wie Ole Werner mit dem Aufsteiger in der neuen Bundesliga-Saison bestehen will. Da ist einerseits besagter Fitness-Aspekt, der als Grundlage sämtlichen Handelns dient. Seine Spieler sollen dabei dem Gegner nicht hinterherlaufen, sondern diesen im Idealfall selbst beherzt und penetrant unter Stress setzen. Klingt ambitioniert, ist es auch – aber wohl unumgänglich.

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Wir wollen auf und neben dem Platz eine Sprache sprechen.
Werder-Trainer Ole Werner

Damit die Werder-Profis diese Herausforderung jetzt und in den kommenden Monaten aber nicht kopflos meistern, soll ein weiterer Faktor zum Tragen kommen: der Zusammenhalt. Und der ist womöglich noch viel wichtiger als eine passende Physis. „Wir wollen – und das ist auch das Ziel für die gesamte Vorbereitung – auf und neben dem Platz eine Sprache sprechen“, forderte Werner. „Ich will klare Fortschritte sehen, dass wir bei den mannschaftlichen Abläufen – vor allem den defensiven – klar sind und insgesamt eine gute körperliche Verfassung haben.“ Werder will eine Einheit sein. Jeder Spieler soll den Nebenmann unterstützen, genau wissen, was zu tun ist – um somit wiederum die Arbeit im Gesamtkonstrukt zu erleichtern. Damit der Teamgedanke gestärkt wird, sind auch zwei besondere Aktionen geplant. „Wir werden einen Abend zusammen verbringen, zum Ende des Trainingslagers wird es zudem eine kleine Aktivität außerhalb der Örtlichkeiten hier geben“, verriet er ohne Einzelheiten zu nennen. „Dort kann man sich dann auch nochmal auf eine andere Art und Weise kennenlernen.“

Im Besonderen gilt dies für Jens Stage und Oliver Burke. Die beiden Neuverpflichtungen wachsen gerade ganz langsam in ihre neue Umgebung hinein. Je mehr Zeit sie dafür haben, umso besser ist es für die Mannschaft, ist sich Ole Werner sicher. Überhaupt freut sich der 34-Jährige über die Transfers. „Oliver ist jemand, der sehr stark von seiner Physis lebt“, beschrieb er den ablösefreien 25-jährigen Briten. „Wir haben mit Marvin Ducksch und Niclas Füllkrug ein Sturmduo, das sehr gut funktioniert – mit Olli kriegen wir jemanden dazu, der in gewissen Spielsituationen durch seine Geschwindigkeit noch einmal eine andere Komponente hineinbringen kann.“

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Etwas anders sieht es bei Jens Stage aus. Der Mittelfeldmann ist für vier Millionen Euro vom FC Kopenhagen losgeeist worden, Bonuszahlungen könnten die Summe noch steigen lassen. Entsprechend hoch sind die Erwartungen. Und da stellt sich die Frage, wie der 25-Jährige in Zukunft mit diesem Druck umgehen wird. „Tatsächlich weiß ich nicht, welche Ablöse wir zahlen und es interessiert mich auch nicht“, bekräftigte Ole Werner. „Ich arbeite ganz normal mit einem Spieler, völlig egal, was er vielleicht gekostet hat. Ich erwarte aber auch von jedem Spieler, dass er sich unabhängig von solchen Modalitäten mit allem, was er hat, in den Dienst der Mannschaft stellt. Und das wird Jens mit Sicherheit tun.“

Da war es wieder, das neue Wir-Gefühl, das gerade heranwächst. Und weiter wachsen soll. Am liebsten höher als die Berge im Zillertal. Nicht, dass die Bundesliga für Ole Werner und seine Mannschaft am Ende unbezwingbar wird.

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