Pizarro über seine Anfänge in Deutschland

„Es war schwer, meine Frau leiden zu sehen“

Claudio Pizarro stand sofort im Rampenlicht, als er 1999 aus Lima nach Bremen kam. Seine Frau Karla aber musste sich, hochschwanger, erst einmal in Deutschland zurechtfinden, wie die Werder-Legende erzählt.
13.07.2020, 10:36
Lesedauer: 2 Min
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Von Jean-Julien Beer
„Es war schwer, meine Frau leiden zu sehen“

Sie leben gerne in Deutschland: Claudio Pizarro mit seiner Frau Karla bei einem Besuch des Münchner Oktoberfestes.

dpa

In diesen Tagen ist Claudio Pizarro in Bremen auf einer Abschiedstournee. Oder präziser formuliert: Er isst auf einer Abschiedstournee. Ein leckeres Essen folgt dem nächsten, es gibt vor allem südamerikanische Spezialitäten, Fisch und Rindfleisch. Die Gerichte bereitet ein befreundeter Koch für die Familie Pizarro und ihre Gäste zu. „Ich muss mich von einigen Leuten verabschieden und werde erst danach wieder in unser Haus in München ziehen“, sagt Pizarro. Wenn er Bremen dann verlassen hat, wird der Koch übrigens in der Hansestadt ein peruanisches Restaurant eröffnen. So bleibt ein gewisses peruanisches Flair auch ohne Pizarro in Bremen.

Derzeit immer eng an Pizarros Seite ist seine Ehefrau Karla. Sie ist es auch der Mensch, dem Claudio zum Ende seiner Karriere besonders dankt. Dazu wählte er im Magazin des WESER-KURIER „Pizarro: Würdigung einer Legende“ sehr emotionale Worte. Angesprochen auf die ersten Wochen und Monate im Spätsommer 1999 nach der Ankunft aus Lima verriet Pizarro: „Was mir in der Anfangszeit in Bremen besonders schwer fiel, war, meine hochschwangere Frau in einem fremden Land zu sehen, kurz vor der Geburt. Wir waren zum Beispiel im Krankenhaus in Bremen, und sie hat irgendwie versucht, mit den Ärzten und Krankenschwestern zu kommunizieren. Ganz alleine, fern der Heimat. Wir konnten damals noch kaum Deutsch, weder sprechen, noch verstehen. Wir mussten versuchen, aus so einer schwierigen Situation herauszukommen, sie zu bestehen.“

„Der Fußball hat mir sehr geholfen“

Für ihn selbst sei das neue Leben in Europa damals „viel leichter als für meine Frau“, gewesen, denn: „Ich ging zum Fußball. Zu Werder. Ob Training oder Spiel, alles war gut organisiert, ich war mit der Mannschaft zu vielen Spielen unterwegs. Für meine Frau aber war das Leben hier ganz anders. Sie war erst 21 Jahre, schwanger, ganz alleine. Sie blieb immer zu Hause, sie kannte noch niemanden. Das war am Anfang das Schwierigste hier in Deutschland.“

Die andere Kultur, das kältere Klima – darauf sei er gut eingestellt gewesen, beides machte ihm weit weniger Probleme als die Eingewöhnung seiner Frau mehr als 11.000 Kilometer von der Küste des pazifischen Ozeans entfernt. „Ich war gekommen, um hier Fußball zu spielen, nur darauf habe ich mich anfangs konzentriert. Und das hat gut funktioniert, auch wenn ich hier jeden Tag Dinge gesehen habe, die ich überhaupt nicht kannte“, erzählte Pizarro, „der Fußball und der Alltag mit der Mannschaft haben mir sehr geholfen, mich schnell an alles zu gewöhnen. Aber dann meine Frau so leiden zu sehen, das war schwer. Sie war ja nur wegen mir aus Peru hier hergekommen, um mit mir in ein neues Leben zu starten. Dieser harte Anfang war ganz sicher das Schwierigste für uns in all den Jahren hier in Deutschland.“

Lebensmittelpunkt in München

Doch am Ende fühlt sich das Paar längst so wohl in Deutschland, dass eine Rückkehr nach Peru auf absehbare Zeit nicht mehr auf der Agenda steht. Alle ihre drei Kinder wurden in Deutschland geboren und wuchsen mit der deutschen Mentalität auf. Sein Haus in Bremen hat Pizarro schon vor Jahren verkauft. Das in München hat die Familie behalten – und es soll nach den Verabschiedungen aus Bremen schon bald wieder der neue Lebensmittelpunkt der Familie sein.

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Das 100 Seiten starke Sonderheft des WESER-KURIER über Claudio Pizarro war zwischenzeitlich ausverkauft, doch es wurde eine zweite Auflage gedruckt. Es gibt das Magazin zur Würdigung der Werder-Legende also wieder bequem per Klick in unserem Online-Shop, in den Kundencentern des WESER-KURIER, auch in Werders Fanshop und Online-Shop sowie in den Zeitschriftenregalen in Bremen und Umgebung. Viel Spaß damit!

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