Viele große Namen: Pizarro über seine Trainer

„Schaaf werde ich immer sehr dankbar sein“

Nicht viele Fußballstars haben mit solchen Trainern gearbeitet: Hier spricht Werder-Star Caudio Pizarro über José Mourinho, Jupp Heynckes, Pep Guardiola und Thomas Schaaf - und verrät, dass ihm Klopp fehlt.
13.04.2020, 12:23
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Jean-Julien Beer
„Schaaf werde ich immer sehr dankbar sein“

Zwei Männer, die sich gut verstanden: Die Werder-Legenden Thomas Schaaf und Claudio Pizarro, hier im Jahr 2009.

nordphoto

Herr Pizarro, Sie erlebten in Ihrer Karriere rekordverdächtig viele Trainer. Eine spannende Reihe kommt da zusammen, von Thomas Schaaf über Ottmar Hitzfeld, Felix Magath, Jupp Heynckes, Pep Guardiola und José Mourinho bis zu Peter Stöger, Stefan Ruthenbeck, Alexander Nouri, Viktor Skripnik und zuletzt Florian Kohfeldt. Wer von denen war der perfekte Trainer für den Spieler Pizarro?

Claudio Pizarro: Es waren tatsächlich sehr viele Trainer, aber den perfekten Trainer gibt es nicht, das wäre zu schwierig. Nach all den Jahren denke ich: Ein guter Trainer ist jemand, von dem du noch etwas lernst. Jeder Trainer hat ja eine spezielle Art, wie er arbeiten möchte und wie er den Fußball sieht. Ein sehr spezieller Trainer war für mich natürlich Thomas Schaaf. Weil er mich von Anfang an unterstützt hat, als ich 1999 in Bremen ankam, und ich viele wichtige Dinge von ihm lernen konnte. Auch über das Leben in Deutschland, über die Kultur hier und den deutschen Fußball. Er hat mich wirklich immer unterstützt, und das zu spüren, ist für einen Spieler immens wichtig. Wir hatten ein Vertrauensverhältnis. Dafür werde ich Thomas immer sehr dankbar sein.

Und die anderen Trainer?

Natürlich waren viele davon auch sehr wichtig für mich. Jupp Heynckes zum Beispiel spielte eine ganz besondere Rolle in meiner Karriere, die Saison 2012/13 mit dem historischen Triple in München war eine außergewöhnliche Zeit. Heynckes verfügte über eine enorme Erfahrung als Trainer auf höchstem Niveau, und weil er selbst ein großer Spieler war, verstand er auch die Mannschaft sehr gut – und er ist ein ganz toller Mensch. Zwar sehr direkt, aber auch sehr hilfreich. Er hat dem ganzen Verein enorm geholfen, und wie gut er das gemacht hat, sieht man daran, wie oft sie ihn zum FC Bayern zurückgeholt haben. Es gibt aber noch andere Trainer, mit denen ich wichtige Momente in meiner Karriere verbinde.

An wen denken Sie?

José Mourinho zum Beispiel. Ich habe bei Chelsea leider nur drei Monate mit ihm arbeiten können, aber in dieser Zeit konnte ich sehen, was für ein guter Trainer das ist und wie sehr er seine Spieler unterstützt.

Warum sind Sie bei Chelsea nicht glücklich geworden, warum blieben Sie nur ein Jahr in London?

Bevor ich zu Chelsea wechselte, hatte mich Mourinho angerufen. Er wollte mich unbedingt in seinem Team haben. Und ich hatte natürlich keinen Zweifel nach den Gesprächen und bin nach England gegangen. Doch nur drei Monate später war Mourinho entlassen. Es kam ein neuer Trainer, es kamen auch neue Spieler, und ich habe nicht so viel gespielt, wie ich wollte. Ich war damals 29 oder 30 Jahre alt, und für mich war klar: Ich will Fußball spielen, ich möchte nicht auf der Bank sitzen. So bin ich damals wieder zu Werder gekommen.

Wie war die Zusammenarbeit mit Guardiola bei Bayern?

Er hat wirklich beeindruckende Fähigkeiten, den Fußball zu analysieren. Er weiß wirklich perfekt, bis ins Detail, welche Spieler er zur Verfügung hat und wie er diese in welchem Moment einsetzen kann. Pep hat tatsächlich meinen Horizont im Fußball noch einmal erweitert, er hat eine ganz andere Vision vom Fußball als andere Trainer. Er ist den Gegnern immer weit überlegen in seinen Gedanken. Ich glaube, dass es rein taktisch und von all den Dimensionen, wie er über Fußball denkt, keinen besseren Trainer gibt als Pep Guardiola. Er ist der beste, den ich hatte. Leider fehlt mir Jürgen Klopp in der Liste, ich habe nie mit ihm arbeiten dürfen. Das hätte mich sehr gereizt. Ich hoffe, dass ich Klopp in Zukunft einmal kennenlernen darf und mir auch mal seine Trainingseinheiten ansehen darf. Es hätte mir ohne jeden Zweifel sehr gefallen, mal mit so einem Trainer zu arbeiten. Klopp finde ich aus Sicht eines Spielers total spannend.

Die Fragen stellte Jean-Julien Beer.

Das komplette Interview mit Claudio Pizarro gibt es in unserem neuen Magazin über diesen besonderen Werder-Star. Darin verrät Pizarro auch, warum ihn in Bremen alle nach seinem ersten deutschen Wort auslachten. Außerdem erzählen die beiden Trainerlegenden Thomas Schaaf und Ottmar Hitzfeld, was sie mit diesem außergewöhnlichen Torjäger alles erlebt und mitgemacht haben.

Das Pizarro-Magazin „Würdigung einer Legende“ gibt es in unserem Online-Shop unter www.weser-kurier.de/shop, auch eine telefonische Bestellung ist in Corona-Zeiten natürlich möglich unter 0421-3671-6616. Außerdem gibt es das neue Magazin des WESER-KURIER über Pizarro auch im Zeitschriftenregal vieler Supermärkte in Bremen und Umgebung. Der Preis für das 100 Seiten starke Heft: 9,80 Euro.

Einen persönlichen Lese-Tipp von Claudio Pizarro zum Magazin des WESER-KURIER gibt es hier im Video von Werder-TV:

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+