Wenn ein Verkauf nicht zustande kommt

Plan B mit Rashica

Durch den Verkauf Milot Rashicas sollen Transfers des vergangenen Jahres finanziert werden. Da die Gespräche mit RB Leipzig stocken, beschäftigt sich Werder mit der Möglichkeit, das Geld anders zu besorgen.
13.08.2020, 08:48
Lesedauer: 4 Min
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Plan B mit Rashica
Von Christoph Sonnenberg
Plan B mit Rashica
Nordphoto

Wenn Milot Rashica am Donnerstagabend Zuhause ist, dürfte in seiner Wohnung in der Bremer Überseestadt der Fernseher laufen. Im Programm die Endrunde der Champions League im portugiesischen Lissabon, also der Wettbewerb, von dem er träumt. Um 21 Uhr spielt RB Leipzig gegen Atletico Madrid, und vielleicht ist es eine passende Formulierung zu sagen, dass Rashica auch von RB Leipzig träumt. Da der Ausgang des Viertelfinals der Champions League Auswirkungen auf den Fortgang seiner Karriere haben könnte, schaut er vermutlich noch genauer hin, was sich im Estádio José Alvalade XXI in Lissabon so ereignet.

Vor einigen Monaten sind Rashica und sein Berater Altin Lala bei Werder vorstellig geworden und haben den Plan hinterlegt, Bremen in diesem Sommer zu verlassen. Im Vertrag ist eine Ausstiegsklausel über 38 Millionen Euro enthalten, die den Verkauf zu einem guten Geschäft für Werder gemacht hätte. Mit RB Leipzig hatte Lala ziemlich schnell einen Interessenten parat. Trainer Julian Nagelsmann ist überzeugt von Rashicas Fähigkeiten und überzeugte den Stürmer von Leipzig. Sehr früh hat sich Rashica gegenüber Werder positioniert, zu Leipzig wechseln zu wollen. Kein Problem, denn die Ablöse hätte RB bezahlen können – aber dann kam Corona.

Es ist eine Pattsituation eingetreten

Die Grundkonstellation ist noch immer die gleiche: Leipzig würde Rashica weiterhin gerne holen, da Timo Werner gerade zu Chelsea London gewechselt ist und deshalb neue Kräfte für die Offensive gesucht werden. Nicht mehr gleich sind die finanziellen Rahmenbedingungen. Sie sind mittlerweile weit entfernt von den 38 Millionen Euro, die ursprünglich aufgrund der Klausel im Raum standen. Zu weit, was das Angebot aus Leipzig angeht, sagen sie bei Werder, weshalb die Gespräche über den Transfer seit Wochen nicht voran gehen. Es ist eine Pattsituation: Leipzig bewegt sich nicht, und Werder bewegt sich auch nicht.

Corona hat fast alles verändert im Fußball, der unermüdliche Geldfluss ist zum Erliegen gekommen. Das wissen und spüren sie bei Werder ebenso wie überall. Dass sie weniger Geld bekommen als ursprünglich gedacht, akzeptieren die Verantwortlichen. Bei etwa 25 Millionen Euro sollen die Ablösevorstellungen seitens der Bremer liegen. Leipzig soll inklusive Nachschlägen aber nur bereit sein, knapp unter 20 Millionen zu zahlen. Eine beträchtliche Lücke, die keine Seite zu schließen bereit ist.

Hat Leipzig Priorität oder ein Wechsel an sich?

Derzeit ist Leipzig weit weg in Lissabon. Es liegt auf der Hand, dass der Fokus des Klubs gerade nicht auf der Planung der kommenden Saison liegt, sondern auf der Aktualität. Zumal die Einnahmen aus der Champions League die Kaderzusammenstellung nach Ende des Wettbewerbs erleichtern werden. Gegen Atletico Madrid steht also viel auf dem Spiel. „In dieser Zeit Spieler für die neue Saison zu integrieren, ist vielleicht nicht unbedingt notwendig", sagt Frank Baumann. Es ist seine Erklärung dafür, weshalb gerade Stillstand herrscht in den Gesprächen mit Leipzig. „Es sind finanzielle Fragen, die noch offen sind und in denen aktuell wenig Bewegung ist", sagt er. „Das ist aber nicht unnormal."

Andere Vereine könnten jetzt auf die Idee kommen, ebenfalls einzusteigen in die Verhandlungen. „Es gibt immer wieder Klubs, die Milot sportlich interessant finden„, sagt Baumann und verweist auf die zurückliegenden Monate: „Interesse war ja definitiv bei vielen vorhanden.“ Unter anderem von Aston Villa, die im Winter ein konkretes Angebot abgegeben hatten. Da Werder sich im Abstiegskampf befunden hat, war ein Verkauf kein Thema. Weil Rashica sich eigentlich für Leipzig entschieden hat, müsste er zunächst für sich die Frage beantworten, ob Leipzig Priorität hat oder ein Wechsel an sich.

„Wir wollen ihn nicht komplett unter Wert verkaufen"

Doch so wie die Lage ist, muss sich Werder auch mit dem Fall beschäftigen, dass sie Rashica in diesem Jahr gar nicht verkaufen, also einen Plan B entwickeln. Denn bisher hat der Sommer gezeigt, dass es einen Transfermarkt eigentlich gar nicht gibt. Spielerwechsel, bei denen ein Verein einen anderen bezahlt, haben Seltenheitswert. Wenn dem Transfermarkt kein Geld zugeführt wird, wird das auch so bleiben. Viele haben aus diesem Grund gespannt nach Dortmund geschaut und sich gefragt, ob der Wechsel von Jadon Sancho zu Manchester United zustande kommt. Dann hätte Dortmund zumindest Teile der 120 Millionen Euro Ablöse reinvestiert.

„Das ist eine Variante. Nicht die wahrscheinlichste, aber das kann passieren", sagt Baumann über einen Verbleib Rashicas. Die Planung ist auf einen Verlauf ausgelegt. Mit diesen Einnahmen sollen die Transferkosten des vergangenen Sommers ausgeglichen werden die bei etwa 14 Millionen Euro lagen. „Grundsätzlich würde es uns helfen, da eine gewisse Klarheit zu haben", sagt Baumann deshalb. Aber trotzdem nicht um jeden Preis: „Wir wollen ihn nicht komplett unter Wert verkaufen. Dass es einen gewissen Corona-Abschlag gibt, ist so. Der Realität muss man sich stellen. Aber es kann den Punkt geben an dem man sagt, das machen wir nicht. Weil das nicht zusammenpasst."

Der Kreditrahmen müsste erhöht werden

Leipzig dürfte versuchen auf Zeit zu spielen. Weil in der Bundesliga bekannt ist, dass Werder auf Transfereinnahmen angewiesen ist, knicken sie vielleicht irgendwann ein, könnte der Schluss sein. Baumann hingegen würde Rashica eher noch ein weiteres Jahr in Bremen halten und erst dann verkaufen. „Das ist nicht komplett ausgeschlossen", sagt er. Rashicas Vertrag in Bremen läuft bis 2022, lange genug also. Im nächsten könnte sich der Fußball inklusive des Transfermarktes erholt haben, so sein Gedanke.

Finanziert werden müssten die Transferkosten des vergangenen Jahres dann über einen neuen Kredit statt über einen Spielerverkauf. Um die 30 Millionen Euro Mindereinnahmen in Folge der Cornona-Pandemie abzufedern, hat Werder bereits Kredite beantragt, unter anderem bei der KfW. „Ein Stück weit müssen wir das so oder so. Die Frage ist, in welcher Größenordnung„, sagt Baumann. „Das hat in erster Linie mit Transfers zu tun die passieren oder nicht passieren.“ Bleibt Rashica in Bremen, müsste die Größenordnung des Kredits verändert werden.

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