Poker um Augustinsson FC Sevilla bietet, Werder lehnt ab

Linksverteidiger Ludwig Augustinsson könnte den SV Werder Bremen sehr bald verlassen. Der FC Sevilla hat konkretes Interesse.
11.08.2021, 21:13
Lesedauer: 3 Min
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Von Carsten Sander

Manchmal sagt ein Foto mehr als 1000 Worte. Das Foto von Ludwig Augustinssons Gesichtsausdruck, als er am Mittwochnachmittag im Kreis der (Noch-)Mitspieler zum Trainingsplatz ging, sagte sogar mehr als 2000 Worte. Die Lippen fest zusammengekniffen, die Augenbrauen runtergezogen, zwei Zornesfalten auf der Stirn – keine Frage: Gute Laune sieht anders aus. Der Grund für die Schlecht-Wetter-Miene bei Bremer Sonnenschein: Der SV Werder hat ein Angebot des FC Sevilla für den Linksverteidiger ausgeschlagen und so einen zeitnahen Wechsel Augustinssons nach Spanien verhindert. Zu weit liegen Ablöseangebot und Ablöseforderung noch auseinander.

„Wir haben unsere Forderung platziert, diese Forderung wurde bisher nicht erfüllt“, erklärt Werder-Sportchef Frank Baumann auf Nachfrage des WESER-KURIER, ohne jedoch den Namen des Verhandlungspartners preiszugeben: „Es liegen uns Angebote mehrerer Clubs für Ludwig Augustinsson vor, und mit einem sind wir in konkreten Gesprächen.“

FC Sevilla mit Interesse an Werders Ludwig Augustinsson

Dass es sich dabei um den FC Sevilla handelt, hatte die schwedische Zeitung „Expressen“ am Mittwoch berichtet. Kurz darauf wurde am Weserstadion schon aufgeregt Ausschau nach Augustinsson gehalten: Ist er überhaupt noch da? Kommt er noch zum Training? „Ja“ und „Ja“ waren die Antworten. Doch dass Augustinsson darüber nicht besonders glücklich war, konnte an seiner Mimik abgelesen werden. Er möchte unbedingt wechseln, möchte seine Karriere in einer starken europäischen Liga bei einem starken Team fortsetzen und nicht mit Werder in Liga zwei abtauchen. Der FC Sevilla kommt da als Interessent wie gerufen. Platz vier in der vergangenen Saison, zuvor Rang drei – in Sevilla weht der Wind der Champions League.

Doch laut „Expressen“ fällt das Angebot der Spanier gar nicht königsklassenmäßig, sondern sehr bescheiden aus. Knapp fünf Millionen Euro soll Sevilla als Ablöse offerieren, was nur der Hälfte von Augustinssons geschätztem Marktwert entspricht. Zehn Millionen Euro – das soll auch die erste Preisvorstellung der Bremer gewesen sein. Laut „Bild“ ist die Forderung aber bereits auf 7,5 Millionen Euro gesenkt worden. Doch auch diese Summe läge noch 50 Prozent über dem Angebot der Andalusier. Es muss also weiter verhandelt werden.

Baumann bestätigt indes keine Summen, bezeichnet die genannten Zahlen aber als „vollständig aus der Luft gegriffen“. Der Stand der Verhandlungen sei so, dass noch alles passieren könne. „Wenn unsere Forderungen erfüllt werden, kann es schnell gehen. Wenn nicht, dann nicht.“

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Sollte bis zum Wochenende keine Einigung erzielt werden, ist es theoretisch sogar möglich, dass Augustinsson noch einen Zweitliga-Auftritt für Werder hinlegen muss. Denn nach seinem verlängerten EM-Urlaub und der verpassten Saisonvorbereitung ist er jetzt das erste Mal in diesem Sommer spielfit. Am Dienstag begann die zweite richtige Trainingswoche für ihn, die Fitness sollte bis Sonntag, bis zum Heimspiel gegen den SC Paderborn, also gegeben sein. Doch natürlich müsste im Falle des Falles hinterfragt werden, wie viel Sinn es machen würde, einen Spieler, der zwar körperlich fit, in Gedanken aber schon ganz woanders ist, noch aufzustellen. Zumal er nicht eingespielt ist mit den Kollegen.

Die Antwort könnte natürlich sein, dass Trainer Markus Anfang verrückt wäre, freiwillig auf die Qualitäten eines Spielers der Kategorie Augustinsson zu verzichten. Andererseits wird es eben nicht nachhaltig sein, ihn jetzt noch in die Mannschaft zu hieven. „Ich werde mich mit ihm unterhalten, wie er seine Situation sieht“, hatte Anfang am Dienstag gesagt. Das war noch bevor der FC Sevilla die Bühne betrat. Dass Anfang es so lange vermieden hat, mit Augustinsson den Austausch zu suchen, deutet schon an, dass der wechselwillige Schwede von vornherein keine Rolle in den sportlichen Planungen gespielt hat. Anfang erklärt es so: „Ludwig musste erstmal gucken, dass sein Körper funktioniert. Und ich habe mich auf die Spieler konzentriert, die mir zur Verfügung stehen.“

Im schlimmsten Fall könnte am Sonntag ein zweiter Fall Josh Sargent entstehen, eine Einsatzverweigerung wegen eines bevorstehenden Wechsels, wie sie der US-Amerikaner am vergangenen Wochenende abgeliefert hatte. Anfang hält eine Wiederholung dieses Szenario mit Augustinsson in der Hauptrolle allerdings für ausgeschlossen. Seine allgemeine Einschätzung: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass so etwas nochmal passiert. Das ist schon eine Ausnahme im Fußball.“

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