Werder unterliegt Stuttgart mit 1:2 Es geht weiter bergab

Jetzt sind es sieben Spiele in Serie ohne Sieg: Werder hat gegen den VfB Stuttgart eine bittere 1:2-Niederlage kassiert. Den Bremer enttäuschten vor allem im Offensivspiel.
06.12.2020, 17:25
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Es geht weiter bergab
Von Christoph Bähr

Ein attraktives Spiel mit viel Tempo hatte Florian Kohfeldt im Vorfeld der Partie gegen Stuttgart angekündigt. Es war fast schon wie ein Versprechen an die Fernsehzuschauer rübergekommen, doch halten konnte Kohfeldts Mannschaft dieses Versprechen nur rund 15 Minuten lang. Nach einer überzeugenden Anfangsphase baute Werder immer weiter ab und kassierte letztlich eine 1:2-Niederlage gegen den Aufsteiger. Die Bremer sind nun sieben Spiele in Folge sieglos, während die Stuttgarter ihre Serie von fünf Partien ohne dreifachen Punktgewinn beendeten.

So attraktiv wie vorher angekündigt war das Spiel über weite Strecken nicht. Wirklich glänzen konnte keine der beiden Mannschaften, die Gäste machten aber weniger Fehler. Das sah auch Kohfeldt so, der nach dem Abpfiff zusammenfassend festhielt: "Beide Gegentore waren absolut vermeidbar. Wir hatten zwei Großchancen, die wir nicht nutzen konnten, viele Überzahlsituationen, mehr Torschüsse, mehr Ballbesitz. Aber am Ende haben wir verloren, weil wir in den kleinen Momenten nicht wachsam waren."

Für die richtungsweisende Begegnung hatte sich Kohfeldt von der zuletzt bewährten Fünferkette verabschiedet. Ohne die gesperrten Kevin Möhwald und Manuel Mbom setzte Werder auf eine Viererkette mit Theo Gebre Selassie, Ömer Toprak, Marco Friedl und Ludwig Augustinsson. Maximilian Eggestein und Christian Groß bildeten davor eine Doppel-Sechs. Hinter dem wieder genesenen Josh Sargent, der als einzige Spitze agierte, formierten sich Leo Bittencourt, Yuya Osako und Tahith Chong als offensive Dreierreihe. Chong rückte für den verletzten Milot Rashica ins Team.

Osako verpasst die Führung

In der neuen Formation fanden sich die Bremer zunächst sehr gut zurecht. Die Anfangsphase gehörte klar den Gastgebern, die mit viel Engagement in die Zweikämpfe gingen und den Ball gut laufen ließen. Der verdiente Lohn wäre die 1:0-Führung gewesen, doch nachdem sich Sargent gut durchgesetzt hatte, schoss Osako freistehend über das Tor (5.). Danach verpuffte der Bremer Anfangselan allmählich, und die Stuttgarter kamen immer besser ins Spiel. Silas Wamangituka (13.) und Borna Sosa (14.) prüften Werder-Torwart Jiri Pavlenka.

Die Bremer verloren nach einer starken Anfangsviertelstunde zunehmend den Faden und machten dann einen entscheidenden Fehler. Nach einem fehlgeschlagenen Angriff mangelte es an der Rückwärtsbewegung, sodass die Stuttgarter viel Platz im Mittelfeld hatten. Wirklich gefährlich wurde es trotzdem nicht, denn als Wataru Endo in den Strafraum eindrang, waren mehrere Bremer in der Nähe. Chong ging dennoch etwas zu ungestüm in den Zweikampf, berührte Endo leicht am Fuß und verursachte einen Elfmeter. Wamangituka verwandelte sicher zum 1:0 (30.). Der Rückstand versetzte Werder einen Knacks, bis zur Halbzeit gelang den Gastgebern kaum noch etwas.

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Die Stuttgarter gingen ohne den gelb-rot-gefährdeten Konstantinos Mavropanos, den Pascal Stenzel ersetzte, in die zweite Hälfte, während Werder nicht auswechselte. Am Geschehen auf dem Platz änderte sich zunächst wenig: Die Gäste waren überlegen. Sosa schoss knapp am Bremer Tor vorbei (48.). Zehn Minuten danach musste Pavlenka nach einem halbhohen Ball auf Gonzalo Castro Kopf und Kragen riskieren, um die Situation zu klären. Werders Torwart bekam einen Schlag gegen den Kopf, spielte aber weiter.

In der 59. Minute reagierte Kohfeldt dann auf die weiterhin dürftige, einfallslose Darbietung seiner Mannschaft, indem er Davie Selke und Nick Woltemade für Sargent und Bittencourt einwechselte. Dass der bereits verwarnte und immer orientierungsloser wirkende Chong auf dem Platz blieb, überraschte durchaus. Immerhin setzte Werder sich nun mal wieder am gegnerischen Strafraum fest, gegen die kompakte Stuttgarter Abwehr gab es aber kaum ein Durchkommen. Einzig Woltemade kam zum Schuss, stellte Keeper Gregor Kobel jedoch vor keinerlei Probleme (67.). Ansonsten verrannten sich die Gastgeber in Einzelaktionen, oder es fehlte der finale Pass in die Spitze.

Unsportlichkeit von Wamangituka

Für die letzten zehn Minuten kam noch Romano Schmid für Osako in die Partie und gab sein Bundesliga-Debüt für Werder – genauso wie Patrick Erras in den letzten Minuten. Werder versuchte es nun mit hohen Bällen in den Strafraum und schenkte dem Gegner dann den zweiten Treffer. Nach einem eklatanten Missverständnis zwischen Toprak und Pavlenka lief Wamangituka alleine aufs leere Tore zu und traf zum 2:0 (90.+1). Der Stuttgarter Matchwinner sah noch die Gelbe Karte wegen Unsportlichkeit, weil er mit dem Torschuss extra lange gewartet hatte. "Das war respektlos" sagte Selke später. Der Werder-Stürmer hatte Wamangituka schon auf dem Platz ein paar deutliche Worte gesagt. Stuttgarts Trainer Pellegrino Matarazzo nahm Wamangituka derweil in Schutz: "Ich verstehe den Unmut der Bremer. Was Silas gemacht hat, wirkt blöd und unsportlich. Aber so ist er nicht. Er ist ein schüchterner Junge und nicht arrogant. Ich habe es so empfunden, dass er auf Zeit spielen wollte – so als ob man mit dem Ball zur Eckfahne läuft."

Selke köpfte noch das 1:2 für Werder (90.+3). Das Tor änderte aber nichts mehr am Spielausgang. Stuttgart gewann nach 14 Jahren mal wieder in Bremen. Die Niederlage ist für Werder enorm bitter, denn klar überlegen war der Gegner nicht. Dem Aufsteiger reichten eine solide Defensivleistung, ein Elfmeter und ein Bremer Fehler zum Sieg. Die Bremer, denen im Angriff jegliche Durchschlagskraft und Kreativität fehlten, stehen mit leeren Händen da und müssen als Nächstes gegen die Topteams Leipzig und Dortmund antreten. "Momentan befinden wir uns in einer gefährlichen Saisonphase", sagte Kohfeldt. "Wir haben jetzt zweimal verloren, was beide Male unnötig war. Deshalb müssen wir wach sein. Man rutscht schneller als man denkt unten rein, daher müssen wir da voll gegenangehen. Die nächsten Gegner spielen für mich keine Rolle. Gegen jeden kannst du Punkte holen, gerade in der jetzigen Phase."

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