Füllkrug wird zum Hoffnungsträger

Werders Unterschiedspieler

Es gab in der abgelaufenen Saison einen SV Werder mit Niclas Füllkrug und einen ohne Füllkrug, der Unterschied war immens. Wenn der Stürmer fit bleibt, kann er in der neuen Spielzeit den Unterschied ausmachen.
28.07.2020, 09:21
Lesedauer: 2 Min
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Von Stefan Rommel
Werders Unterschiedspieler

Heiß auf die neue Saison: Niclas Füllkrug stand bereits am Montag auf dem Trainingsplatz und absolvierte zusammen mit Kevin Möhwald eine Einheit.

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Niclas Füllkrug ist ganz offensichtlich heiß auf die neue Saison. Während die meisten Kollegen noch im Urlaub weilen, stand der Werder-Stürmer am Montag schon wieder auf dem Platz. Zusammen mit dem Langzeitverletzten Kevin Möhwald absolvierte er ein Trainingsprogramm unter der Anleitung von Reha-Trainer Jens Beulke. Füllkrug kam zwar im Saisonendspurt bereits zum Einsatz, will nach seiner langen Ausfallzeit wegen eines Kreuzbandrisses aber noch einiges aufholen, um topfit in die Vorbereitung zu starten, die bei Werder am kommenden Montag beginnt.

Bei der Analyse der abgelaufenen Saison fiel der Name Füllkrug oft – sehr oft. Die Verweise auf den Angreifer kamen aus allen Richtungen und mündeten stets in der Erkenntnis, dass ohne Füllkrug ein entscheidender Baustein des Bremer Spiels fehlte. Der Zugang stand in der Liga insgesamt nur 475 Spielminuten lang auf dem Platz – inklusive der beiden Relegationspartien gegen Heidenheim. In diesen zehn Spielen mit Füllkrug kam Werder auf eine ausgeglichene Bilanz: Vier Niederlagen standen vier Siege gegenüber, gegen Heidenheim gab es jeweils ein Remis. Werders Punkteschnitt mit Füllkrug lag somit bei ordentlichen 1,5 Zählern pro Partie, hochgerechnet hätte das für 51 Punkte und damit Platz sieben in der Tabelle gereicht. In den 26 Saisonspielen ohne Füllkrug kamen die Bremer lediglich auf rund 0,7 Punkte pro Partie. Wie kann es also sein, dass ein neuer Spieler das Wirken einer Mannschaft so stark beeinflusst? Oder war das alles doch nur ein Zufall? Die Wahrheit liegt vermutlich dazwischen.

Es fehlte der Plan B

Aus sportlicher Sicht war Füllkrugs Transfer vom vergangenen Sommer ein kleines Meisterstück. Das eine tragfähige Spielkonzept der Bremer mit einem ausgeprägten Ballbesitz- und Positionsspiel hatte schon in der Spielzeit davor ein paar Schwachstellen offenbart. Werder hatte sich gegen tiefer stehende Gegner schwergetan und nur sporadisch Räume zum Kombinieren gefunden.

Ohne passenden Mittelstürmer fehlte der Plan B mit einem direkteren Zugang ins letzte Drittel über einen hohen Ball oder eine diagonale Verlagerung auf einen kopfballstarken Zielspieler genauso wie die Option, es aus dem Halbfeld mit Flanken zu versuchen. Mit Füllkrug war der gegnerische Strafraum dagegen dauerhaft besetzt mit einem echten Torjäger, der auf Flanken lauert. So wie zu Saisonbeginn gegen Hoffenheim und Union Berlin, als er jeweils nach einem Eckball wuchtig einköpfte. Oder wie am letzten Spieltag gegen Köln, als Füllkrug eine Flanke in die lange Ecke verlängerte. Besonders in der Luft fehlte es Werder an der nötigen Präsenz. Während Füllkrug in seiner begrenzten Einsatzzeit gleich doppelt per Kopf traf, gelangen seinen Mitspielern insgesamt lediglich sechs weitere Kopfballtore. Dazu fehlte Füllkrug auch als Typ. Nicht umsonst lobte Trainer Florian Kohfeldt oft die besondere Mentalität des Spielers, der in einer relativ braven Mannschaft auch mal einen Reizpunkt setzen kann.

Vorteile und Risiko

Füllkrugs Verpflichtung brachte also viele Vorteile, war aber auch mit einem gewissen Risiko verbunden: Ohne seine Verletzungsgeschichte hätte Werder einen Stürmer dieser Klasse wohl kaum bekommen. Weshalb wiederum die Aussagen auf der Pressekonferenz nach dem geschafften Klassenerhalt mit einer gesunden Portion Vorsicht zu genießen sind. Der häufige Verweis aller Beteiligten auf Füllkrug als absoluten Schlüsselspieler war inhaltlich nachvollziehbar, birgt aber die Gefahr, dem Angreifer für die kommende Saison zu viel Verantwortung aufzubürden.

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