Trainer Kohfeldt schärft weiter die Sinne

Werder: Torrausch ohne Höhenflug

Auch die letzten Testspiele dieser Vorbereitung hat Werder mit den Siegen gegen Hannover und Rehden erfolgreich überstanden. Offensive und Defensive lassen hoffen - aber der Trainer schärft weiter die Sinne.
05.09.2020, 20:33
Lesedauer: 3 Min
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Werder: Torrausch ohne Höhenflug
Von Jean-Julien Beer

Das Wetter passte zu Werders letzten beiden Testspielen dieser Saisonvorbereitung: Schönster Sonnenschein und fieser Regen wechselten sich am Sonnabend auf Platz 11 neben dem Weserstadion ab, und auch auf dem Spielfeld lagen Licht und Schatten phasenweise dicht beieinander. Einige sehr schön herausgespielte Tore sorgten für zwei ungefährdete Siege gegen den Zweitligisten Hannover 96 (2:0 für Werder) und gegen den Regionalligisten BSV Rehden (7:0 für Werder), doch trotz des torreichen Nachmittags saß Florian Kohfeldt keineswegs entspannt an der Seitenlinie.

Immer wieder griff der Chefcoach korrigierend ein, in beiden Spielen, er forderte schnellere Aktionen in die Tiefe, einen effizienteren Spielaufbau oder mehr Zug in den gegnerischen Strafraum. Am Ende konnte auch Kohfeldt zufrieden sein, gewann seine Mannschaft doch nun alle sieben Testspiele dieses Sommers. „Ich muss jetzt aber niemanden hier auf den Boden holen„, betonte er, “jeder, der nach unserer letzten Saison jetzt einen Höhenflug hat, den kannst du auch nicht gebrauchen.“

Fußballerische Details

Der Trainer will weiter die Sinne schärfen, gerade nach den Erfahrungen der schwachen vergangenen Saison, als einem positiven Ergebnis oft ein herber Dämpfer folgte. Werders Vorbereitung war ganz sicher positiv, nicht nur die Testspielergebnisse betreffend; es gab auch erfreulich wenig verletzungsbedingte Ausfälle, zudem scheint die Integration der Neuzugänge gut zu gelingen. Kohfeldt kann sich also auf fußballerische Details konzentrieren, und das machte er auch am Sonnabend ausgiebig. "Es gab schon auch Phasen in den Spielen, wo wir beim Tempo nachgelassen haben, auch heute hat man mich noch einmal deutlicher gehört", erklärte der Trainer nach den beiden Siegen, "auch wenn ich das total nachvollziehen kann, dass du in so einem Spiel am Ende einen Ball mit einem halben Kilometer pro Stunde weniger spielst – das ist aber etwas, was man mir und dem gesamten Verein hoffentlich anmerkt: Wir wollen das sofort im Keim ersticken. Es darf sich nichts einschleichen, das geht einfach nicht. Das haben wir dann auch wieder besser hinbekommen und hatten viele Strafraumaktionen.“

Zusammenfassend spricht der Trainer von einer „ordentlichen bis guten Saisonvorbereitung, in der wir eine Basis gelegt haben“, denn auch er weiß natürlich, dass die Erfolge in Testspielen keinen Wert mehr haben, wenn es am kommenden Wochenende in der ersten Pokalrunde in Jena und in der Woche darauf beim Bundesligastart gegen Hertha BSC ernst wird. „Jetzt beginnt der Wettkampf“, sagte Kohfeldt, „jetzt muss die Anspannung noch einmal höher werden. Und jetzt wird auch die Phase zu Ende gehen, wo alle spielen, auch das wird etwas mit unserer Gruppe machen.“

Viele konnten sich zeigen

Denn beim Doppeltest gegen Hannover und Rehden konnte Werder ein letztes Mal die luxuriöse Situation nutzen, dass der gesamte Kader zum Einsatz kam und sich jeder Spieler präsentieren konnte. Der Trainer schickte zwei völlig unterschiedliche Startformationen aufs Feld, nur die Nationalspieler Jiri Pavlenka, Marco Friedl, Romano Schmid, Ludwig Augustinsson und Milot Rashica fehlten wegen ihrer Länderspiele – wobei Rashica schon seit Freitag wieder in Bremen ist. Das war mit dem Verband des Kosovo ohnehin so abgesprochen und hilft Werder nun, Rashicas im Spiel gegen Moldau erlittene Knieverstauchung übers Wochenende genauer zu beobachten. Wenn es gut läuft, soll der Angreifer im Laufe der Woche wieder ins Training einsteigen. Auch der ebenfalls am Knie verletzte Davy Klaassen kam bei den beiden letzten Testspielen nun nicht zum Einsatz.

Gegen Hannover brachte Kohfeldt das nominell stärkere Team, doch Rückschlüsse für die Aufstellung im DFB-Pokal gegen Jena am kommenden Sonnabend sollte man daraus nicht ziehen, erklärte Werders Trainer: „Einige Jungs, die im zweiten Spiel gegen Rehden auf dem Feld standen, haben sehr gute Chancen, auch in Jena zu spielen.“

Tore wie am Fließband

Auffallend war auch in diesen Tests, dass Werders Offensive nicht aufhört, Tore zu schießen. Genau das war vergangene Saison überhaupt nicht der Fall und brachte das Team in der Liga oft in Not. Gegen Hannover trafen die beiden Sturmspitzen Niclas Füllkrug und Josh Sargent. Gegen Rehden schoss Davie Selke sogar drei Treffer, und als er um 17.27 Uhr einen Foulelfmeter zum 7:0-Endstand sicher verwandelte, machte er sich damit zu Werders Torschützenkönig dieser Saisonvorbereitung mit fünf Treffern. Johannes Eggestein traf auch in diesem Test und unterstrich damit seine deutlich bessere Form, auch Neuzugang Tahith Chong bereicherte die Offensive gegen Rehden mit zwei sehenswerten Toren.

Manager Frank Baumann lobte Werders Angriff entsprechend: „Es ist gut für die Stürmer, dass alle getroffen haben und Tore schießen wollen. Alle haben in dieser Vorbereitung für sich geworben, das ist ein guter Konkurrenzkampf, der die Spieler gegenseitig anstachelt. So muss es sein.“ Sein Blick richtete sich aber auch auf die Defensive, denn: "Das war durchaus ein Schwerpunkt dieser Vorbereitung. Wir haben auch heute wieder zwei Spiele zu Null gespielt und haben in beiden Spielen wenig zugelassen. Das sind schon positive Erkenntnisse, die wir mitnehmen können.“ Der Pflichtspielstart kann also kommen.

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