Werder schlägt Lustenau mit 4:2

Tempo im Angriff, Nachlässigkeiten in der Abwehr

Zum Abschluss des Zillertal-Trainingslagers hat Werder mit 4:2 gegen Austria Lustenau gewonnen. In dem Testspiel gegen den österreichischen Zweitligisten zeigten die Bremer einige sehenswerte Angriffe.
24.08.2020, 15:21
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Tempo im Angriff, Nachlässigkeiten in der Abwehr
Von Christoph Bähr
Tempo im Angriff, Nachlässigkeiten in der Abwehr

Davie Selke vergab erst zwei gute Chancen und traf dann per Elfmeter.

nordphoto

Florian Kohfeldt hatte eine „mentale Aufgabe“ für seine Mannschaft angekündigt. Am Ende des Zillertal-Trainingslagers sollten die Spieler noch einmal alle Kräfte mobilisieren, und die Werder-Profis beherzigten diesen Wunsch auch über weite Phasen der Partie. Gegen den österreichischen Zweitligisten Austria Lustenau gewannen die Bremer am Montag ungefährdet mit 4:2 und zeigten dabei teilweise ansehnlichen Offensivfußball mit Tempo, leisteten sich allerdings auch Aussetzer in der Defensive sowie vergebene Großchancen. Trainer Kohfeldt wählte daher nach dem Abpfiff mahnende Worte: „Ich hatte das erste Mal das Gefühl, dass die Jungs die Lockerheit aus dem Hotel mit auf den Platz genommen haben. Das hat mir nicht gefallen. Auf dem Platz müssen wir performen.“

Werders Coach hatte auf ein 4-3-3-System gesetzt. Zugang Patrick Erras bekleidete die Sechser-Position, Tahith Chong spielte als Rechtsaußen. Schon in der zweiten Minute tauchte Mittelstürmer Davie Selke frei vor dem gegnerischen Tor auf, schoss aber vorbei. Auch Chong nach einem Konter (8.) und Leonardo Bittencourt per Freistoß (13.) trafen nicht das Ziel. Kurz nachdem Lustenaus Torwart Domenik Schierl Selke den Ball vom Fuß geschnappt hatte, war der Bremer Angreifer im dritten Anlauf schließlich erfolgreich. Till Cissokho hatte Selke am Trikot gezupft, den fälligen Elfmeter verwandelte der Stürmer selbst zum 1:0 (20.).

Friedl überzeugt

In der Defensive ließ Werder gegen einen klar unterlegenen Gegner anfangs fast nichts zu. Insbesondere Marco Friedl überzeugte als linker Innenverteidiger. Sein Nebenmann Ömer Toprak leistete sich dagegen einen katastrophalen Ballverlust und hatte Glück, dass die Österreicher diese Chance leichtfertig vertändelten. Im direkten Gegenzug passte Ludwig Augustinsson von der linken Seite auf Johannes Eggestein, der ganz alleine am Elfmeterpunkt stand und mühelos zum 2:0 vollendete (30.). Chong, der für viel Betrieb sorgte, schoss danach noch am langen Eck vorbei, dann war Halbzeit. Die Bremer 2:0-Führung war völlig verdient und fiel sogar etwas zu knapp aus.

Kohfeldt hatte angekündigt, besonders in der Offensive durchzuwechseln, und tat das auch. Niclas Füllkrug, Yuya Osako, Nick Woltemade und Milot Rashica kamen zur zweiten Hälfte in die Partie. Für Rashica war es der erste Testspieleinsatz in diesem Sommer. Gegen Braunschweig (2:0) war er geschont worden, weil Werder ihn gerne noch verkaufen möchte. Gegen Linz (4:1) setzten ihn Adduktorenprobleme außer Gefecht.

Defensive nicht wach genug

Zwischen den Pfosten ersetzte Eduardo Dos Santos Haesler Werders Stammkeeper Jiri Pavlenka, und der Youngster musste sofort hinter sich greifen. Alexander Ranacher verkürzte auf 1:2 (49.), weil fast die gesamte Werder-Defensive nicht wach genug war. Erras und Toprak agierten zu zögerlich, während Friedl und Theo Gebre Selassie zu spät kamen. Die Bremer Antwort auf den Gegentreffer folgte aber postwendend: Nach einer Flanke von Gebre Selassie reagierte Rashica am schnellsten und drückte den Ball zum 3:1 über die Linie (50.).

Fünf Minuten später schloss Füllkrug einen herrlichen Spielzug über Woltemade und Gebre Selassie mit dem 4:1 ab (55.). Dass er es auch schlechter kann, bewies der Stürmer kurz darauf, als er freistehend eine 100-prozentige Chance verstolperte (61.). In der 62. Minute ging dann Rashica schon wieder vom Platz. Angeschlagen wurde er gegen Romano Schmid ausgewechselt. Wie Kohfeldt nach der Partie mitteilte, hatte der Flügelstürmer Probleme mit dem Kreislauf.

In der Defensive fehlte den Bremern im zweiten Durchgang hin und wieder die nötige Konzentration. Die „mentale Aufgabe“, der sich die Mannschaft stellen sollte, erwies sich mit zunehmender Spieldauer dann doch als durchaus anspruchsvoll. In der 68. Minute hatte Lustenaus Adriano Bertraccini nach einem Fehlpass von Maximilian Eggestein freie Bahn und traf zum 2:4. Dann wechselte Kohfeldt noch einmal durch. Unter anderem kam Kapitän Niklas Moisander nach seinem Muskelfaserriss in der Wade zu einem ersten Kurzeinsatz. Besonders erfreulich: Kevin Möhwald stand erstmals nach seiner langwierigen Knieverletzung wieder für einige Minuten auf dem Platz. Fast hätte Möhwald, der letztmals vor einem Jahr gespielt hatte, nach einem Lupfer von Woltemade sogar getroffen, doch er erreichte den Ball nicht mehr (86.). Es blieb somit beim verdienten 4:2-Sieg für Werder zum Abschluss des Zillertal-Trainingslagers.

Aufstellung Werder

Pavlenka (46. Dos Santos Haesler) – Gebre Selassie (71. Mbom), Toprak (71. Gruev), Friedl (71. Moisander), Augustinsson (71. Agu) – Erras (71. Möhwald) – M. Eggestein, Bittencourt (46. Osako) – Chong (46. Rashica/62. Schmid), Selke (46. Füllkrug), J. Eggestein (46. Woltemade)

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