Rückschlag im Abstiegskampf 0:4 gegen Hoffenheim - Werder völlig von der Rolle

Werder Bremen steckt weiter mittendrin im Abstiegskampf der Bundesliga. Bei der TSG 1899 Hoffenheim verlor das Team von Florian Kohfeldt 0:4 und enttäuschte auf ganzer Linie.
21.02.2021, 20:46
Lesedauer: 4 Min
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Von Carsten Sander

Mit einem Satz war fast schon alles gesagt: „Das war gar nix heute!“ Florian Kohfeldt fällte am Sonntagabend dieses Urteil, nachdem der SV Werder ein richtungsweisendes Spiel in der Fußball-Bundesliga mit 0:4 (0:2) bei 1899 Hoffenheim verloren hatte. Ihlas Bebou (26.), Christoph Baumgartner (44.), Munas Dabbur (49.) und Liga-Debütant Georginio Rutter (90.) erzielten die Tore für den Bremer Tabellennachbarn, der mit dem ungefährdeten Sieg einen großen Schritt Richtung Tabellenmittelfeld machte und den SV Werder zurück in den Abstiegskampf schickte.


Zwar ist der Relegationsplatz noch fünf Punkte und der erste direkte Abstiegsplatz sechs Zähler entfernt, doch mit der Leistung des Sonntags gehören die Bremer ganz klar wieder zum Kreis der Abstiegskandidaten. „Wir sind immer noch relativ weit weg von unten, aber wir müssen trotzdem aufpassen. Wir brauchen schon noch ein paar Punkte“, meinte Kohfeldt, der den Kraichgau maximimal frustriert wieder verließ: „Es war ein grausamer Tag. Bei uns hat gar nichts funktioniert – nicht individuell und auch nicht als Mannschaft – ein Totalausfall. “

Werder vor dem Spiel in Hoffenheim unter Druck

Für Duelle wie dem am Sonntag muss einst die Bezeichnung „Sechs-Punkte-Spiel“ erfunden worden sein. Der Tabellenzwölfte empfing den Tabellenelften, beide hatten 23 Zähler auf dem Konto und noch dazu den Druck im Nacken, dass im Tabellenkeller Mainz 05 gewonnen hatte, der Vorsprung auf einen direkten Abstiegsplatz also geschrumpft war. Die Angst, noch mal richtig in den Kampf um den Klassenerhalt verwickelt zu werden, klopfte deshalb sowohl bei den Hoffenheimern als auch bei den Bremern laut an die Tür.

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Den letztlich erfolglosen Versuch, diese Angst gleich wieder zu verscheuchen, startete Kohfeldt mit zwei Neuen in der Startelf. Für den verletzten Linksverteidiger Ludwig Augustinsson durfte Felix Agu wieder von Anfang an ran. Außerdem tauschte der Coach, der das Spiel zum Start in die „Crunchtime“ erhoben hatte, im Mittelfeld Romano Schmid gegen den Ex-Hoffenheimer Leonardo Bittencourt aus. Torjäger Niclas Füllkrug blieb indes erneut zunächst auf der Bank – ebenso wie sein Hoffenheimer Pendant Andrej Kramaric.

Nach 45 Minuten war aber klar: Hoffenheim benötigte seinen Top-Stürmer gar nicht, um die Bremer Mannschaft durcheinander zu bringen. Die zuletzt so überzeugende grün-weiße Defensive begünstigte in der ersten Halbzeit beide Hoffenheimer Tore. Ausgerechnet die viel gelobten Innenverteidiger Ömer Toprak und Marco Friedl sahen in beiden Fällen nicht gut aus. Beim 1:0 durch Bebou bauten sie kurz hinter der Mittellinie eine Abseitsfalle auf, die keine war. Und beim 2:0 durfte Baumgartner durch das Bremer Verteidigerpaar hindurchspazieren, als wäre es gar nicht existent. Wo geht’s zum Tor? Durch die Mitte, bitte!

Werder Bremen agiert lethargisch gegen Hoffenheim

Vor dem Anpfiff hatte sich Werder-Coach Kohfeldt noch über die warmen Temperaturen und das Ende der wochenlangen Eiszeit gefreut, aber das Ganze auch mit der Warnung verbunden, dass das „nicht dazu führen darf, dass wir lethargisch werden“. Schlecht für Werder, dass Toprak und Friedl das offenbar nicht gehört hatten. Doch auch die Kollegen wirkten alles andere als frühlingsfrisch, brachten offensiv nichts zustande. Zwei Bremer Torschüsse zählten die Chronisten bis zum Halbzeitpfiff, beide waren aber von großer Harmlosigkeit geprägt. Für einen erhöhten Puls sorgte allenfalls ein Laufduell zwischen Agu und Kasim Adams, bei dem der Bremer im gegnerischen Strafraum zu Fall kam. Einen Elfmeter gab es jedoch nicht – nach Ansicht der TV-Bilder auch zurecht. Quasi im Gegenzug fiel das 0:1.


Fortan noch auf einen Werder-Sieg zu hoffen, verbot sich schon aus statistischen Gründen. In der laufenden Saison hatte das Kohfeldt-Team noch nie einen Rückstand in einen Erfolg verwandeln können. Nur dreimal wurde aus einem 0:1 noch ein 1:1. Und diesmal galt es nach der Hälfte des Spiels sogar, eine 0:2-Hypothek abzutragen. Aber hatte nicht Hoffenheim drei Tage zuvor beim 3:3 in der Europa League gegen die Norweger von Molde FK gleich zwei Mal eine Zwei-Tore-Führung verspielt?

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War so. Eine Wiederholung ließ die mit zwölf Ausfällen stark ersatzgeschwächte Mannschaft jedoch nicht zu. Denn nur vier Minuten nach Wiederbeginn nutzte Dabbur ein Zuspiel von Bebou zum nächsten Hoffenheimer Treffer. Beinahe schon unnötig zu erwähnen, dass in der Bremer Abwehr einmal mehr nichts zusammenpasste und Dabbur ungehindert vollenden konnte. Mit dem 3:0 war schon früh klar, dass die zuvor in vier Pflichtspielen in Folge sieglose TSG ihre Serie beenden würde. Und Werder kassierte die erste Pleite nach vier Partien ohne Niederlage.

Werder Bremen in Hoffenheim: Nur Kohfeldt lässt nichts unversucht

Trotz des klaren Rückstands ließ wenigstens Kohfeldt nichts unversucht. Nachdem zur zweiten Halbzeit schon Schmid für den angeschlagenen Milos Veljkovic gekommen war, wurden auch Füllkrug, Yuya Osako und Eren Dinkci noch ins Spiel geworfen. Nominell viel Offensiv-Power, doch gefährlicher wurde Werder auch nach diesen verzweifelt wirkenden Einwechslungen nicht mehr. Torschüsse in Halbzeit zwei: null.

Auf die höchste Saisonniederlage folgt für die Bremer nun die aktuell wohl größtmögliche Herausforderung. Eintracht Frankfurt, die Mannschaft der Stunde in der Bundesliga, kommt am Freitag ins Weserstadion, und es ist klar: Ohne extreme Leistungssteigerung wird auch dann nichts zu holen sein. Kohfeldt verspricht zwar nichts, hofft aber: „Wir haben es bisher immer geschafft, nach schlechten Spielen eine Reaktion zu zeigen. Ich glaube nicht, dass uns durch dieses Ergebnis etwas Elementares wegbricht.“

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