Nur Gruev soll bleiben

Werder plant viele Verleihgeschäfte mit Jung-Profis

Vergangenes Jahr hat Werder 12 Spieler verliehen, damit sie Spielpraxis bekommen. Diesem Prinzip bleibt der Klub treu. Bis auf Ilia Gruev sollen alle Jung-Profis verliehen werden. Fraglich ist, ob das klappt.
26.07.2020, 11:26
Lesedauer: 3 Min
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Werder plant viele Verleihgeschäfte mit Jung-Profis
Von Christoph Sonnenberg
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Nordphoto

Ob Philipp Bargfrede weiter als Vorbild taugt, bleibt abzuwarten. Noch steht nicht fest, ob sein Vertrag verlängert wird oder seine Zeit bei Werder zu Ende ist. Dann bliebe nur Maximilian Eggestein als Symbol, dass der Weg aus der Jugend bis in die Bundesliga möglich ist. Viele Spieler sind es nicht, die in Bremen so ausgebildet wurden und sich dauerhaft im Profikader etabliert hätten.

So war es und so bleibt es. Vor der vergangenen Saison wurden 12 Spieler verliehen, um sich bei anderen Klubs zu entwickeln. Nur zwei, Manuel Mbom und Romano Schmid, haben das in dem Maß getan, dass sie zu Werder zurückkehren. Andere werden weiter verliehen oder verkauft.

Der Profi-Kader ist sehr groß

Dem Prinzip bleibt Werder treu. Auch in diesem Sommer sollen etliche Jung-Profis verliehen werden. „Die erste Frage ist: Wie schauen die Chancen bei Werder aus? Das versuchen wir offen und transparent zu beantworten", sagt Frank Baumann. Für die meisten sind die Perspektiven schlecht, da Werders Kader ziemlich groß ist. Und entsprechend schlecht sind damit die Chancen auf Einsätze.

„Die zweite Frage lautet: Falls eine Ausleihe, welcher Klub passt, welcher Trainer, was sind die sportlichen Ziele, wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit auf Einsätze", erläutert Baumann. „Bei konkretem Interesse besprechen wir es. Es muss für beide Seiten passen." Der erste Leihvertrag ist verkündet. Benjamin Goller spielt kommende Saison für den Zweitligisten Karlsruhe. „Um seine positive Entwicklung fortzusetzen und ihm noch mehr Spielpraxis auf hohem Niveau zu ermöglichen", begründete Baumann das Leihgeschäft. Weitere dieser Art werden folgen.

David Philipp (20/ Vertrag bis 2022)

An Talent mangelt es dem offensiven Mittelfeldspieler nicht, es geht um fehlende Ernsthaftigkeit, die ihm im Weg steht. Im Januar degradierte Florian Kohfeldt Philipp nach einer lustlosen Trainingseinheit zur U23. Zuvor war ein Leihgeschäft mit Austria Wien aus finanziellen Gründen gescheitert.

„Wir möchten ihn definitiv nicht verkaufen. Da sprechen wir maximal über eine Leihe", sagt Baumann. Ein Klub in der 2. Liga ist vorstellbar oder ein Erstligist im Ausland. „Es gab loses Interesse aus Österreich und Holland. Das sind Ligen, die bei David sehr gut passen könnten." Verhandlungen gab es nach Informationen des WESER-KURIER mit Zweitliga-Aufsteiger Braunschweig. Baumann: „Davon weiß ich nichts."

Luc Ihorst (20/ Vertrag bis 2021)

Das Sturmtalent schaffte es vergangene Saison einmal in den Kader und kam beim 0:3 gegen Leipzig zu einem Kurzeinsatz. Spielte ansonsten mit der U23 in der 4. Liga. Das soll in der kommenden Saison nicht so sein.

„Aufgrund seiner Qualitäten steht Luc bei einigen Klubs auf dem Zettel", sagt Frank Baumann. Bochum soll Interesse gezeigt haben, Osnabrück auch. „Wenn etwas Sinnvolles kommt, sind wir bereit zu sprechen", sagt Baumann. Allerdings: „Da geht es nur um eine Leihe, nicht um einen Verkauf."

Da Ihorsts Vertrag kommendes Jahr ausläuft, müsste Werder ihn vor einer Leihe um mindestens ein Jahr weiteres Jahr verlängern.

Ilia Gruev (20/ Vertrag bis 2023)

Noch ohne Einsatz in der Bundesliga, genießt der Mittelfeldspieler dennoch enormes Ansehen. Entsprechend sind die Zukunftsplanungen: „Ilia ist bei uns eingeplant, er wird fest dem Profi-Kader zugeordnet", sagt Baumann. „Da suchen wir keine Leihoptionen." Für Gruev kommen aber auch Einsätze in der 4. Liga infrage: „Wir werden sehen, ob er U23 spielt oder die ersten Einsätze in der Bundesliga bekommt, was wir ihm zutrauen."

Simon Straudi (21/ Vertrag bis 2021)

Die Tendenz geht beim Verteidiger zum Leihgeschäft. Man wolle „gemeinsam einen Klub finden", sagt Baumann. Infrage kommen deutsche Zweitligisten oder Erstligisten im Ausland. Muss dafür der Vertrag verlängert werden? „Es ist nicht zwangsläufig nötig", sagt der Sportchef und stellt fest: „Man sollte sich nicht immer auf die im Internet veröffentlichten Laufzeiten berufen."

Julian Rieckmann (19/ Vertrag bis 2021)

Er gilt als großes Talent mit der Perspektive, einmal den Sprung in die Bundesliga zu schaffen. „Julian trauen wir in den nächsten Jahren noch einiges zu„, sagt Baumann. „Deswegen kommt nur eine Leihe infrage.“ Der defensive Mittelfeldspieler soll möglichst höherklassig Spielpraxis sammeln. Wehen Wiesbaden galt als Interessent. Rieckmann könnte jedoch auch eine weitere Saison U23 spielen. Aber: Sein Vertrag läuft nächstes Jahr aus.

Luca Plogmann (20/ Vertrag bis 2021)

Beide Seiten wissen, dass der Torwart spielen muss, aber nicht mehr in der 4. Liga. „Der Torwartmarkt ist noch etwas schwieriger. Da muss man abwarten, was an konkreten Anfragen reinkommt„, sagt Baumann. Werder will den Vertrag verlängern und ihn ausleihen – ob Plogmann das auch will, ist fraglich. Es gibt lose Anfragen aus der 1. Dänischen Liga, der 2. und 3. Liga. Baumann: „Wenn nichts Passendes kommt, wird Luca weiter bei uns bleiben.“

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