Werder Bremen vor richtungsweisendem Spiel

Der Fokus liegt auf Augsburg

Nach dem Punktgewinn gegen Bayer Leverkusen richtet sich der Fokus bei Werder Bremen auf den FC Augsburg. Mit einem Sieg könnte die Klasse gehalten werden. Dafür braucht es aber mehr Durchschlagskraft.
10.05.2021, 06:25
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Von Carsten Sander
Der Fokus liegt auf Augsburg

Ruft ein Finale gegen den FC Augsburg aus: Werder-Stürmer Davie Selke

nordphoto / gumzmedia

Direkt nach dem Spiel wusste Florian Kohfeldt noch nicht so recht, wie er das 0:0 gegen Bayer Leverkusen einordnen sollte, was es wert sein würde für seinen Verein. „Fragt mich in zwei Wochen noch mal“, sagte der Trainer des SV Werder mit Blick auf den letzten Bundesliga-Spieltag. Was er zu dem Zeitpunkt noch nicht wissen konnte: Weil der Bundesliga-Sonntag für die Bremer mit dem 1:4 des Vorletzten 1. FC Köln beim SC Freiburg wenigstens ein Wunschergebnis lieferte, ist schon für den vorletzten Spieltag am Samstag eine Ergebnis-Konstellation denkbar, die wenigstens die Gefahr des direkten Abstiegs bannen würde. Grundvoraussetzung dafür ist ein eigener Sieg beim derzeit zwei Punkte besseren FC Augsburg.

Davie Selke hatte ebenfalls noch keine Ahnung, welche Rechenspiele am Ende des Spieltags möglich sein würden, als er sich nach der hart erkämpften Nullnummer gegen die Werkself vor die Kameras stellte und für das kommende Wochenende ein „Finale“ beim FCA ausrief: „Da gibt es nichts drumherum zu reden.“ Nein, das gibt es wirklich nicht. Denn wenn sich Werder von den Abstiegsrängen fernhalten will, dann nur mit drei Punkten in Augsburg. Darauf kommt bei Werder im engen Rennen um den Klassenerhalt alles an.
Die Bremer haben die Chance, den FCA zu überholen. Und da die Augsburger am letzten Spieltag beim alten und neuen Meister FC Bayern antreten müssen, würde im Falle des Falles sogar eine gewisse Wahrscheinlichkeit bestehen, dass Werder dann auch vor den bayrischen Schwaben bliebe. Aber es geht sogar noch mehr. Siegt Werder am Wochenende beim FCA und der 1. FC Köln holt gegen Hertha BSC maximal einen Punkt, wäre der direkte Abstieg kein Thema mehr. Der FCA sowie Arminia Bielefeld und Hertha BSC, die sich am Sonntagabend 0:0 trennten und wie Werder 31 Punkte aufweisen, könnten die Bremer jedoch weiterhin auch noch am letzten Spieltag auf den Relegationsrang schubsen.

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Aber klar: Das alles ist trockene Theorie, grün-weiße Kaffeesatzleserei gemischt mit grün-weißem Wunschdenken. Doch die Theorie zeigt, dass der eine Zähler gegen Leverkusen tatsächlich zu einem entscheidenden Vorteil gegenüber der Konkurrenz werden könnte. „Wir haben einen Punkt mehr, das verbessert unsere Situation“, hatte Selke gesagt. Und so einfach wie es gemeint war, so einfach ist es dann auch.

Werder muss jetzt allerdings nachlegen, muss der ersten Nicht-Niederlage nach zuvor sieben Ligaspielen ohne Punktgewinn nun auch den Sieg folgen lassen. Das Problem ist: Sonderlich viele Sieger-Qualitäten zeigte das Team von Florian Kohfeldt gegen Bayer 04 nicht. Der Kampfgeist war da, die Defensive stand sicher. Aber das eigene Spiel war fast ausschließlich auf Verhinderung gegnerischer Aktionen ausgerichtet, was im Abstiegskampf auch durchaus ein legitimes Vorgehen ist. In den Verdacht, ein Tor erzielen zu können, gerieten die Bremer in ihrem auf Sicherheit bedachten 4-3-3-System allerdings kaum bis gar nicht. Dass das gegen den FC Augsburg anders werden muss, ist logisch. Ohne Tor kein Sieg.

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In erster Linie fordert und erwartet Kohfeldt von seinem Team zwar wieder ein Kampfspiel, das es auch sicher werden wird gegen einen Gegner mit ähnlichen Tugenden. „Aber es wird auch wichtig sein, wieder ein paar fußballerische Elemente mit reinzunehmen“, meinte der Coach. Diese fußballerischen Elemente kamen bei Werder zuletzt aber sehr kurz. Bewusst wurde sogar darauf verzichtet, es ging Kohfeldt im Pokal-Halbfinale gegen RB Leipzig und nun gegen Leverkusen um einfache Vorgaben, um ein einfaches Spiel. Fußballerische Ansprüche und Erwartungen bewegten sich auf niedrigem Niveau. Und das, was dabei heraus kam, stellte den Trainer sogar weitgehend zufrieden. Das 0:0 habe gezeigt, dass die gegen Leipzig gezeigte kämpferische Leistung kein „Pokal-Phänomen“ war. Der 38-Jährige wertete das als weiteren kleinen Fortschritt in der hochgefährlichen Bremer Lage: „Wir haben uns den Punkt nicht erspielt, sondern erkämpft, und das hat nach so langer Zeit eine Bedeutung für den Kopf.“ Speziell vor dem „Finale“ in Augsburg: „Es geht jetzt nicht mehr um die Entwicklung der Mannschaft und so ‘was. Es geht nur darum, mental voll da zu sein in diesem Spiel. Und dafür war der eine Punkt wichtig. So fahren wir nicht mit einem ganz schlechten Gefühl nach Augsburg.“

Mit einem ganz guten aber auch nicht. Denn schließlich gibt es nicht nur die für Werder verlockende Theorie, sondern auch das Gegenmodell. Das, welches Angst macht. Es sieht so aus: Niederlage Werder in Augsburg, Sieg Bielefeld, Sieg Hertha, Sieg Köln – und die Bremer würden sich eine Runde vor Saisonende erstmals seit dem ersten Spieltag (Rang 16 nach dem 1:4 gegen Hertha BSC) auf einem Abstiegsplatz wiederfinden, müsste auf Ausrutscher der Konkurrenz hoffen. Was eine Kopie der Lage im vergangenen Jahr wäre.

„Große Chance und großes Risiko“ – das ist es, was Kohfeldt deshalb in der Augsburg-Partie sieht. Eine Partie, für die er nichts versprechen will, außer das, was im Abstiegskampf ohnehin das Minimum sein sollte: „Unsere Mentalität wird stark bleiben. Es kann ja gar nicht weniger werden. Wenn jetzt noch einer ein Mentalitätsproblem hat, dann kann man dem auch nicht mehr helfen.“

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