Sargent und die Pole-Position im Werder-Sturm

„Ich möchte die meisten Tore schießen“

Trainer Florian Kohfeldt hat Josh Sargent beim Kampf um die Plätze im Werder-Sturm auf die Pole-Position gesetzt. Wie der junge Angreifer damit umgeht, hat er einer Medienrunde erzählt.
02.09.2020, 15:13
Lesedauer: 4 Min
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„Ich möchte die meisten Tore schießen“
Von Christoph Bähr
„Ich möchte die meisten Tore schießen“

Josh Sargent hat sich für die neue Saison viel vorgenommen.

nordphoto

Josh Sargent ist erst 20 Jahre alt und muss in dem Alter logischerweise noch einiges lernen im Profigeschäft. Auf dem Platz will der Werder-Stürmer in der neuen Saison seinen nächsten Entwicklungsschritt machen, doch auch abseits des Platzes hat er sich verändert. Zweimal schon sorgte der US-Nationalspieler mit forschen Aussagen für Aufsehen. Im November 2018 hatte er noch kein Bundesliga-Spiel absolviert, als er zu seinen Stammplatzaussichten sagte: „Druck spüre ich nicht wirklich. Ich denke, dass der jetzt eher auf dem Trainer lastet.“ Im vergangenen Jahr träumte ein überaus optimistischer Sargent dann davon, dass es für Werder im besten Fall sogar für die Champions League reichen könnte. Es kam bekanntlich anders, und inzwischen ist Sargent bei seinen öffentlichen Auftritten deutlich vorsichtiger geworden.

Dabei wären die Voraussetzungen für markige Kampfansagen am Mittwoch während einer Medienrunde günstig gewesen. Gerade erst hatte Florian Kohfeldt sein Sturmtalent schließlich über den grünen Klee gelobt. „Josh ist in der Pole Position. Ich kann mir momentan keine Startelf ohne Josh vorstellen", sagte der Trainer. Natürlich wurde Sargent am Mittwoch in einer Medienrunde auf diese bemerkenswerte Aussage angesprochen, doch der Angreifer entschied sich, den Ball lieber noch einmal hintenrum zu spielen, anstatt direkt in die Offensive zu gehen. "Es tut sehr gut, so etwas zu hören. Das ist ein gutes Zeichen dafür, dass ich gut arbeite", sagte Sargent und betonte pflichtschuldig: "Es gibt noch viel zu tun. Ich muss weiter hart arbeiten und freue mich auf die neue Saison. Am Ende muss ich den Fokus auf mich legen und mich nicht zu sehr darum kümmern, was über mich gesagt wird."

Viele Optionen im Sturm

Dazu lobte Sargent seine Konkurrenten im Sturm, wo bei Werder in der laufenden Saisonvorbereitung der große Konkurrenzkampf ausgebrochen ist. Der junge Stürmer fand genau die Worte, die Trainer gerne hören: „Es gibt vorne viele gute Optionen. Wir pushen uns im Training gegenseitig. Wir müssen alle weiterhin hart arbeiten, und dann entscheidet der Trainer.“ Neben Sargent buhlen vor allem Niclas Füllkrug, Davie Selke und auch Johannes Eggestein um einen Platz im Sturmzentrum. Für Sargent spricht laut Kohfeldt momentan aber einiges: „Die Flexibilität, die spielerische Stärke, die Physis, die Arbeit für das Team gegen den Ball, ein weiterer Schritt im taktischen Verständnis.“

Anders als Füllkrug und Selke ist der US-Amerikaner nicht auf die Position ganz vorne im Sturmzentrum festgelegt, sondern kann auch als zweite Spitze oder auf der rechten Seite eingesetzt werden. Sargent richtet sich auch hier ganz nach dem Trainer und sagte: „Am liebsten spiele ich natürlich im Sturm, aber ich spiele dort, wo ich aufgestellt werde.“

In den bisherigen Testspielen kam der 20-Jährige vor allem in vorderster Reihe zum Einsatz und erzielte zwei Treffer. Sargent spielt wieder einmal eine gute Vorbereitung, wie schon im vergangenen Jahr. „Ich will immer einer der Spieler auf dem Platz sein, die am härtesten arbeiten. Nur dann bin ich zufrieden“, betonte er. Die richtige Mentalität sei ihm wichtig. Auch das dürfte Kohfeldt gefallen, schließlich will der Trainer in der neuen Spielzeit vor allem die Mentalität der gesamten Mannschaft verbessern. Die Spieler sollen aus der abgelaufenen Katastrophen-Saison lernen.

Aus dem Abstiegskampf gelernt

Sargent hat das verstanden. Rückblickend sei es positiv für ihn als jungen Stürmer, schon einmal die erbarmungslose Härte des Abstiegskampfes kennengelernt zu haben, sagte er. „Es war gut, da durchzugehen. Ich habe gesehen, wie schnell es gehen kann und dass man immer bis zum Ende kämpfen muss.“ Nach vielen Formschwankungen war Sargent im Saisonfinale wichtig für die Mannschaft. Beim 6:1-Sieg gegen Köln, mit dem sich Werder in die Relegation rettete, erzielte er ein Tor. In beiden Relegationspartien gegen Heidenheim kam der Stürmer ebenfalls zum Einsatz und bereitete beim 2:2 im Rückspiel einen Treffer vor.

Es ist gerade noch einmal gut gegangen für Werder, und Josh Sargent möchte jetzt nach vorne blicken. „Niemand will so etwas nochmal erleben. Wir wollen alle positiv in die neue Saison gehen“, unterstrich er. Werder hat in diesem Sommer eine neue Mannschaft aufgebaut mit vielen jungen Spielern. Sargent oder auch Marco Friedl sind die Gesichter dieser neuen Werder-Generation. „Es schadet sicher nicht, dass neue, frische Leute dabei sind. Ich finde es gut, dass viele junge Leute da sind, und komme mit allen sehr gut zurecht“, erzählte der Stürmer. Da kann es Sargent auch verkraften, dass mit Claudio Pizarro sein Mentor die Karriere beendet hat. Der Altmeister gab dem Sturmtalent des Öfteren Ratschläge. „Er hat mir sehr geholfen“, betonte Sargent. „Aber jetzt beginnt für ihn eben ein neuer Abschnitt. Ich wünsche ihm alles Gute.“

Gerade was die Coolness vor dem Tor angeht, konnten sich die jungen Stürmer bei Pizarro einiges abgucken. Sargent traf in der vergangenen Saison in 34 Pflichtspielen viermal. Dass das für einen Stürmer keine Traumquote ist, weiß er selbst. „Das war okay, aber natürlich möchte ich noch mehr Tore schießen“, sagte Sargent. Eine genaue Zahl habe er für sich nicht festgelegt, aber zu einer kleinen Kampfansage an die Konkurrenz ließ sich der US-Amerikaner bei aller Bescheidenheit dann doch hinreißen: „Als Stürmer will ich so viele Tore wie möglich erzielen, das ist doch klar. Am liebsten würde ich die meisten Tore in der Mannschaft schießen.“

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