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Werders Pläne, falls Bremen Geisterspiele verbietet

Innensenator Ulrich Mäurer sieht Geisterspiele skeptisch. Was aber macht Werder, falls die anderen Klubs der Liga wieder spielen? Der Klub würde die Heimspiele im Bremer Umland austragen.
09.04.2020, 11:09
Lesedauer: 3 Min
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Werders Pläne, falls Bremen Geisterspiele verbietet
Von Christoph Sonnenberg
Werders Pläne, falls Bremen Geisterspiele verbietet
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Es ist nicht so, dass beide Seiten nicht miteinander sprechen würden. Hier der Bremer Innensenator Ulrich Mäurer, dort die Verantwortlichen von Werder. Zuletzt hatte es den Anschein, beide Parteien sprächen eher übereinander. Mäurer hat Werder vergangenen Freitag auf einer Pressekonferenz im Rathaus wissen lassen, wie er persönlich zu Geisterspielen im Weserstadion steht. Nicht so gut. Im Interview mit dem WESER-KURIER ließ Frank Baumann den Senator daraufhin wissen, wie sein Umgang mit dem Fußball bei Werder angekommen ist: „Vorgeführt", fühlten sie sich im Klub.

Es gibt trotz allem immer noch eine persönliche Ebene, auf die sie miteinander kommunizieren. Hubertus Hess-Grunewald, Werders Präsident und Geschäftsführer, hält für Werder den Draht ins Rathaus. Hess-Grunewald und Mäurer kennen sich lange, beide sind Juristen, beide hatten zuletzt in der Frage der Polizeikosten sehr intensiv miteinander zu tun. Auch nach besagter Pressekonferenz, die zur Belastungsprobe taugte, habe es einen Austausch zwischen Hess-Grunwald und Mäurer gegeben, heißt es.

Ingwerwasser beim Innensenator

Wie belastbar dieser Draht ist, muss und wird sich jedoch schon bald erweisen. Menschen, die über die Jahre verschiedene Zusammentreffen zwischen Mäurer und Werder begleitet haben, sprechen von einer professionellen Beziehung, die nüchtern ist, frei von Herzlichkeit. Bei Werder heißt es, Mäurer möge den Fußball einfach nicht. Besuche des Senators im Weserstadion haben Seltenheitswert. Trotzdem bekommen sie bei Mäurer, wenn sie ihn in seinen amtlichen Räumen besuchen, warmes Ingwerwasser kredenzt. Es könnte schlimmer sein.

Beim jüngsten Streit, als es um eine vorzeitige Rückkehr auf den Trainingsplatz ging, kam es zu einem Kompromiss. Absehbar war das nicht, weil Mäurer Werders Antrag zunächst als „kein gutes Signal an die Republik" bezeichnet hatte. Statt zu zehnt, wie beantragt, darf jetzt zwar nur zu viert auf einem Platz geübt werden, aber immerhin.

Einen Kompromiss zu finden beim nächsten Streitthema, dürfte hingegen unmöglich sein. Die DFL und alle 36 Profi-Klubs wollen die unterbrochene Saison unbedingt beenden. Falls das überhaupt möglich sein wird, werden die Partien in leeren Stadien stattfinden, als sogenannte Geisterspiele. Auch dazu hat der Innensenator vergangenen Freitag auf der Pressekonferenz Stellung bezogen. Er stellte vorab fest, dass das seine „persönliche Meinung„ sei, und sagte dann: „Ich habe größte Zweifel, dass es zu Geisterspielen kommen wird.“

Werder entwirft Alternativen

Damit hat Mäurer einen Pflock eingerammt, den er noch gar nicht einrammen musste. Seine Haltung zu Spielen in leeren Stadien ist damit klar, auch wenn eine Entscheidung noch nicht zur Disposition steht. „Wir reden alle über eine Zeit, in der sich die Lage entspannt hat„, sagte Frank Baumann vor einigen Tagen zum Thema Geisterspiele. „Und keiner weiß, wann das sein wird.“

Es ist aber nicht so, dass Werder keine Szenarien für den Fall entwirft, dass die Behörden unter Auflagen Spiele erlauben und die Saison zu Ende gebracht werde kann. Die Freigabe ist Ländersache, der Bremer Senat wird letzten Endes die Entscheidung treffen müssen, ob Geisterspiele in Bremen stattfinden oder nicht.

Dass Werder diese Geisterspiele im Weserstadion austragen will, darüber ist Mäurer informiert. Der Innensenator ist eines von acht Mitgliedern des Aufsichtsrates der Bremer Weserstadion GmbH (BWS), der Betreibergesellschaft des Weserstadions. Diese gehört zu je 50 Prozent Werder Bremen und der Stadt Bremen. In der letzten Sitzung des Kontrollgremiums, die schon als Telefonkonferenz stattgefunden hat, wurden auch die Geisterspiele thematisiert. Werder hat dort erklärt, aus wirtschaftlicher Notwendigkeit die Spiele ohne Zuschauer auszutragen, sofern die Rahmenbedingungen dies zulassen würden. Einspruch von Seiten der Politik – neben Mäurer sitzen zwei weitere Senatorinnen und ein Staatsrat im Aufsichtsrat – soll es daraufhin nicht gegeben haben.

Auch Hamburg ist eine Option

Ein abschließender Fahrplan ist bisher nicht entworfen worden. Für Werder steht jedoch fest, dass, sollte in anderen Bundesländern durch die Innenminister grünes Licht für Bundesligaspiele ohne Zuschauer gegeben werden, auch in Bremen eine Lösung her müsse. Sei diese mit dem Bremer Senat nicht zu treffen, muss und wird Werder in einem anderen Stadion spielen.

Die Spielordnung der DFL gibt einen Umzug her. Einen „Wechsel der Platzanlage„, heißt es dort unter Paragraf 2 zum Thema Spielansetzungen, sei „in besonders begründeten Ausnahmefällen aus übergeordnetem Interesse möglich“. Das Interesse der DFL, diese Saison zu beenden, dürfte in jedem Fall sehr hoch sein. So hoch, dass sie einem Umzug zustimmen würde.

Als mögliche Optionen gelten Hannover und Wolfsburg. Auch Hamburg wird genannt unter dem Hinweis, dass das Stadion ja leer wäre. Trotzdem erscheint ein Werderspiel im Stadion des HSV als maximaler Tabubruch. Oldenburg soll ebenfalls eine Option sein. Die Anforderungen der DFL müssten erfüllt werden, der Rasen in einem bundesligatauglichen Zustand sein. Dann könnte Werders erstes Geisterspiel der Bundesligageschichte zugleich auch das erste Heimspiel der Bundesliga sein, das nicht im Weserstadion ausgetragen wird.

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