Wie Werder um Ducksch gekämpft hat Der Wunschspieler

Mit Marvin Ducksch wechselt der Bremer Wunschspieler von Hannover 96 zu Werder. Die Ablösesumme für den Stürmer fällt für Bremer Verhältnisse nicht gerade gering aus.
25.08.2021, 20:35
Lesedauer: 4 Min
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Von Björn Knips

Meistens wird es schon gar nicht mehr erwähnt, weil es längst Usus ist, aber der SV Werder Bremen machte es trotzdem. Über die Modalitäten des Transfers von Marvin Ducksch von Hannover 96 an die Weser wurde Stillschweigen vereinbart, hieß es am Mittwochmittag bei der offiziellen Verkündung des Wechsels. Still wurde es um die Ablöse deshalb aber nicht. Im Gegenteil: Es wird im Umfeld intensiv spekuliert, wie viel der 27-jährige Mittelstürmer denn nun kostet, und heftig diskutiert, ob er das auch wert ist. Werder-Sportchef Frank Baumann sagt zu dem Thema nur eines: „Marvin ist nicht irgendein Spieler. Er hat mehrere Jahre lang bewiesen, dass er ein guter Spieler ist – und das mache ich nicht nur an seinen Toren fest. Er war unser Wunschspieler.“

Nach Informationen unserer Deichstube beträgt die Ablösesumme 3,2 Millionen Euro. Gezahlt wird in Raten, wie das im Fußball-Geschäft fast schon üblich ist. Bei einer bestimmten Anzahl von Einsätzen und im Fall des Aufstiegs kann die Ablöse noch auf 3,5 Millionen Euro steigen. Dann würde Ducksch auf Platz elf der Liste mit den teuersten Transfers in der Geschichte der 2. Liga klettern. Ganz oben stehen übrigens Silas Katompa Mvumpa und ein gewisser Davie Selke. Für den damals 20-jährigen Silas hat der VfB Stuttgart 2019 als Absteiger acht Millionen Euro an den FC Paris überwiesen. Die gleiche Summe war 2016 von RB Leipzig auf das Konto des SV Werder gewandert – für den 20-jährigen Selke.

Am Saisonende wäre Ducksch ablösefrei gewesen

Beide Spieler waren vor allem auch Versprechen für die Zukunft, bei Ducksch geht es vor allem um die Gegenwart. „Wir brauchen ihn sofort“, sagt Baumann – auch mit Blick auf den in nur zehn Monaten auslaufenden Vertrag des Mittelstürmers. Dann wäre er ablösefrei zu haben gewesen. Doch in manchen Momenten spiele das bei der Ablöse keine große Rolle, so Baumann. Der Sportchef war vor wenigen Wochen mit einem ersten Angebot für Ducksch gescheitert. Hannover 96 erklärte den Angreifer für unverkäuflich. Das hat sich geändert – und wohl ausgerechnet, weil Linton Maina nicht zu Werder wollte. Die Niedersachsen brauchten offenbar Transfereinnahmen und machten die Tür bei Ducksch wieder auf. Mit einem nun deutlich besseren Angebot hatte Werder Erfolg.

Sehr zur Freude von Ducksch, der im Gegensatz zum inzwischen ehemaligen Teamkollegen Maina ganz anders über Werder denkt. „Ich freue mich, dass ich endlich hier sein darf. Ich wollte hierher, dann wurde mir gesagt, dass es nicht zustande kommt. Damit habe ich mich abgefunden. Und dann ist es doch noch so gekommen“, berichtete Ducksch bei Werder-TV. Offiziell vorgestellt wird der 27-Jährige erst am Donnerstagmittag. Am Mittwochmorgen war er in seinem weißen Mercedes am Weserstadion vorgefahren. Den anschließenden Medizincheck dürfte er problemlos überstanden haben, denn Ducksch ist in der Vergangenheit fast nie ausgefallen.

Das Abenteuer Werder kann beginnen – und der Angreifer ist richtig heiß darauf. „Wenn ein Angebot von Werder kommt, da wartet man nicht lange. Werder ist für mich ein klarer Bundesligist, ein großer Verein, ein großer Name, ist Champions-League-Teilnehmer gewesen, hatte immer super Spieler – und das Stadion ist auch toll“, schwärmte der Torjäger. In 109 Zweitligaspielen hat er 50 Tore erzielt, 24 weitere vorbereitet. In der Saison 2017/18 wurde er mit 18 Treffern Torschützenkönig im deutschen Fußball-Unterhaus. Sein Trainer damals: Markus Anfang, der im Juni beim SV Werder angeheuert hat. „Natürlich hat er eine große Rolle gespielt. Wir haben uns ausgetauscht, ich kenne ihn als Typen. Deswegen war es sehr früh klar, dass ich das machen möchte“, berichtete Ducksch.

Weil sich Hannover aber sträubte, suchte Werder nach einer anderen Lösung – und fand Georgios Giakoumakis, den Torschützenkönig der niederländischen Eredivisie von VVV Venlo. Am vergangenen Wochenende gab es sogar eine Einigung mit dem Spieler und dem Club, doch Werder sagte dem Griechen schließlich ab. Wegen Ducksch, der mit einem Drei-Jahres-Vertrag ausgestattet wurde. „Manchmal ist das so“, sagt Baumann, hat deshalb aber kein schlechtes Gewissen gegenüber Giakoumakis: „Er wird einen guten Verein finden, so ist das Geschäft. Es hätte ja auch passieren können, dass wir am Ende keinen von beiden Spielern bekommen hätten.“

Der dritte alte Bekannte für Anfang

Doch nun ist Ducksch da – und damit der dritte ehemalige Spieler von Trainer Anfang. Bei nur vier echten externen Zugängen eine ganz schön hohe Quote. „Es ging uns eben viel um Zweitliga-Erfahrung – und Markus hat viel in der 2. Liga gearbeitet. Es gab noch viele andere ehemalige Spieler von ihm, die zu uns wollten, das spricht doch klar für Markus“, findet Baumann.

Weitere Transfers sind in Planung. „Wir werden noch einen Außenstürmer holen“, kündigt der Sportchef an. Eine hohe Ablöse könne Werder nicht mehr zahlen, eine Ausleihe wird angestrebt. Der neuerliche Vorstoß bei Ducksch sei nur durch den Verkauf von Maximilian Eggestein an den SC Freiburg möglich gewesen. Damit hatten die Bremer das Ziel von Transfereinnahmen von über 30 Millionen Euro erreicht. Der Überschuss kann in neues Personal gesteckt werden. Viel ist davon nach der Verpflichtung von Ducksch nicht mehr übrig. Auch deshalb dürften die Erwartungen an den Angreifer sehr hoch sein, doch der präsentierte sich ganz cool: „Das ist ein Anreiz für mich. Ich hatte in meiner Karriere immer viel Druck, den nehme ich an und gebe mein Bestes.“

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