Wie Werder mit Johan Mina plant

Auf den Spuren von Josh Sargent

Lange mussten sie bei Werder auf Johan Mina warten, nun ist das Talent aus Ecuador da. Der Mittelfeldspieler soll bei Werder in aller Ruhe ausgebildet werden, für die Bundesliga ist er noch nicht eingeplant.
13.08.2020, 08:51
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Auf den Spuren von Josh Sargent
Von Malte Bürger
Auf den Spuren von Josh Sargent
Nordphoto

Endlich ist er da. Ein wenig geschafft zwar, aber glücklich. Johan Mina durfte mit etwas Verzögerung doch noch seinen Flug über den Atlantik antreten. Die Corona-Pandemie hatte eine frühere Anreise unmöglich gemacht, nun aber ist der Mittelfeldspieler aus Ecuador in Bremen. Und da wird er nicht gleich auf den Platz stürmen dürfen – auch wenn er das wohl am liebsten täte. „Er muss jetzt erst einmal in Quarantäne, da er aus einem Risikoland kommt“, sagt Sportchef Frank Baumann. „Dort muss er erst einmal den negativen Test abwarten. Wir werden dann verschiedene Untersuchungen und Leistungstests durchführen.“

Es soll also keinen Kaltstart für den 18-Jährigen geben. Werder lässt es gemächlich angehen. Und zwar aus Überzeugung. „Er ist, um das auch noch einmal ganz klar zu betonen, in der kommenden Saison nicht für die Bundesliga-Mannschaft vorgesehen“, sagt Baumann. „Es wird darum gehen, dass er sich in den nächsten Wochen über die U23 an den europäischen Herrenfußball gewöhnt.“ In Südamerika wird meist ein anderer Spielstil gepflegt, gerade in Deutschland geht es doch wesentlich körperbetonter so. Und Mina ist zwar ein technisch versierter Mittelfeldspieler, robust geführten Zweikämpfen wird er dennoch nicht aus dem Wege gehen können. Und damit er nicht langfristig den Kürzeren zieht, setzt Werder auf einen stetigen Aufbau.

„In den nächsten Monaten nicht zu viel erwarten"

„Johan hat in den letzten ein, zwei Jahren wenig Spielpraxis gehabt, deswegen gilt es, ihn sehr, sehr vorsichtig an die neue Umgebung und den neuen Fußball zu gewöhnen“, sagt Frank Baumann. „Deshalb sollte man in den nächsten Monaten jetzt nicht zu viel erwarten. Natürlich versprechen wir uns trotzdem für die Zukunft noch einiges, er hat in Südamerika schließlich in den verschiedenen Nationalmannschaften immer wieder auf sich aufmerksam gemacht. Johan ist ein sehr feiner Fußballer. Wir brauchen sehr viel Geduld, doch die Zeit werden wir ihm auch geben.“

Der Sportchef bleibt auch deshalb so gelassen, weil er mit dieser Marschroute schon bei einem anderen Talent, das viele europäische Vereine auf dem Zettel hatten, gut gefahren ist: Josh Sargent. Der US-Stürmer soll für die Ausbildung von Johan Mina so etwas wie ein Vorbild sein. Und auch deshalb ist es nicht geplant, den Ecuadorianer trotz fehlender Spielerlaubnis für die U23 irgendwo anders erst einmal zu parken. „Eine Leihe ist momentan kein Thema. Auch im Sommer 2021 wird es keines sein“, betonte Baumann. „Man hat bei Josh Sargent gesehen, dass eine individuelle Heranführung über das Mannschaftstraining und einen athletischen Aufbau sehr gut funktioniert. Josh kam damals aus einer Akademie, hat auch nur für die Nationalmannschaft gespielt und durfte ein halbes Jahr lang lediglich in Freundschaftsspielen bei uns eingesetzt werden.“

Spielverständnis wie Josh Sargent

Und diese Parallele soll nicht die einzige sein. „Johan bringt ähnlich wie Josh schon sehr viel Spielverständnis mit, deswegen mache ich mir da keine Sorgen, dass ihn die fehlende Spielpraxis in seiner Entwicklung hemmt“, sagt Frank Baumann. „Ich glaube vielmehr, dass es ein kleiner Vorteil ist, sehr gezielt an einer athletischen Entwicklung zu arbeiten. Gerade die ist im europäischen Fußball sehr wichtig.“ Josh Sargent hat dieser Weg in die Bundesliga geführt. Johan Mina nimmt ab sofort die Verfolgung auf.

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+