Werders Spieler der Stunde Das kroatische Geheimnis: Wie Füllkrug sein Tief überwunden hat

Lange galt Niclas Füllkrug als Sorgenkind bei Werder Bremen. Doch mittlerweile hat sich der 28-jährige Stürmer zum Spieler der Stunde entwickelt. Was ein Urlaub in Kroatien damit zu tun haben könnte.
05.12.2021, 19:56
Lesedauer: 3 Min
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Von Björn Knips

Niclas Füllkrug glänzt gerade als Torschütze und Vorbereiter wie kaum ein anderer Spieler in der 2. Liga. Beim 4:0-Sieg gegen Erzgebirge Aue war der Stürmer des SV Werder Bremen an allen Treffern beteiligt, einen erzielte er selbst. Aber fast noch bemerkenswerter ist bei ihm, dass er die letzten vier Partien komplett durchspielen konnte. In dieser Saison hat der 28-Jährige ohnehin bislang nur ein einziges Spiel verpasst.

Aus dem Sorgenkind, das nach diversen Knieproblemen oft nur dosiert trainieren konnte, ist ein verlässlicher Leistungsträger geworden, der kaum eine Trainingseinheit auslässt. Wie hat Füllkrug das nur hinbekommen? Durch einen speziellen Urlaub in Kroatien.

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Füllkrug kämpft sich im Urlaub zurück

„Niclas hat mir schon im Sommer erzählt, dass er im Urlaub sehr viel trainiert hat und sich so fit fühlt wie lange nicht. Das sieht man jetzt“, berichtet Clemens Fritz, der Leiter Profi-Fußball bei Werder. Familie Füllkrug hatte sich nach dem Saisonende auf den Weg an die Adria gemacht. Doch Papa Niclas wollte sich nach dem bitteren Abstieg nicht nur erholen, sondern endlich wieder richtig fit werden.

Nach seinem Kreuzbandriss im September 2019 – also nicht lange nach seinem Wechsel zu Werder – hatte er in Bremen immer wieder mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen. Mal meldete sich das Knie, mal die Wade, dann schmerzte das Sprunggelenk und schließlich quälte er sich auch noch mit einem Zehenbruch durch die letzten Spiele der Abstiegssaison. In Kroatien verordnete sich Füllkrug drei Trainingseinheiten am Tag: einmal laufen, zweimal Kraftraum. Letzteres sollte die Muskulatur rund um die Knie stärken, die nach diversen Operationen nicht gerade unempfindlich waren. Deshalb dürften es alles andere als angenehme Tage in Kroatien gewesen sein – zumindest, was das Training betrifft. 

Füllkrug erst durch neuen Stürmer Ducksch verunsichert

Zurück in Bremen wollte der Mittelstürmer eigentlich voll durchstarten. Doch es lief nicht, Füllkrug traf alles – nur nicht das Tor. Mit dem neuen Coach Markus Anfang funkte er nicht so auf einer Wellenlänge, wie er das von Vorgänger Florian Kohfeldt gewohnt war. Füllkrug ist ein Angreifer, der Vertrauen braucht. Dass Werder einen weiteren Mittelstürmer verpflichten wollte, um sich in der Offensive abzusichern, beschäftigte Füllkrug zusehends. Und Marvin Ducksch, der Neue aus Hannover, traf auch noch sofort.

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„Niclas hat einfach zu viel gegrübelt. Da hat sich viel Frust aufgebaut“, erinnert sich Fritz, der diesen Frust dann höchstpersönlich zu spüren bekam. Nach der 0:3-Klatsche in Darmstadt legte sich Füllkrug in der Kabine mit seinem Vorgesetzten an und wurde für drei Tage suspendiert. Und danach lief es beim Stürmer. Gegen Sandhausen erzielte er prompt sein erstes Saisontor. Auch in den vier nächsten Partien war er immer an mindestens einem Tor beteiligt.

Inzwischen hat der Angreifer fünf Treffer und fünf Vorlagen auf seinem Konto, wobei sein Mitwirken beim 1:0 gegen Aue offiziell nicht mitgezählt wird. Denn der Ball ist wohl mehr vom Fuß des Auers Sam Schreck als von der Hacke Füllkrugs zum Torschützen Romano Schmid befördert worden.

Bei Niclas muss einfach mal der Knoten platzen.
Clemens Fritz, Leiter Profi-Fußball über Fülkrugs Rückkehr

Füllkrug bleibt Werders Mann der Stunde und stiehlt sogar dem neuen Trainer Ole Werner ein wenig die Show. Was diesem so nüchternen Norddeutschen ziemlich gelegen kommen dürfte. Er freut sich einfach mit seinem Stürmer, genauso wie Fritz. „Ich habe es immer gesagt: Bei Niclas muss einfach mal der Knoten platzen“, sagt der Ex-Profi: „Wir haben ihm nach dem Vorfall in Darmstadt gesagt, dass er mehr bei sich bleiben und sich nur auf seine Sachen fokussieren soll. Jetzt denkt er auf dem Platz nicht mehr so viel nach, sondern macht einfach.“

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Auch Füllkrug bezeichnet den Kabinen-Zoff als Schlüsselmoment: „Es war vielleicht nicht ganz optimal, wie ich es gemacht habe. Aber manchmal ist es vielleicht auch ganz gut, einmal zu sagen, was man denkt und ein bisschen Frust herauszulassen.“ Allerdings fällt es ihm noch schwer, nur auf sich zu schauen. Nach der Niederlage in Kiel bemängelte er öffentlich die Taktik von Interimscoach Christian Brand. Nach dem Sieg gegen Aue schob er eine Diskussion an, dass sich die Werder-Verantwortlichen mal offensiver mit dem Thema Aufstieg beschäftigen sollen.

Fritz wundert das nicht. „Niclas wird immer einer bleiben, der seine Meinung sagt, das werden wir auch niemandem verbieten“, betont er: „Aber es ist nicht gewünscht, Verantwortliche oder Mitspieler öffentlich zu kritisieren.“

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